TBV - Journal

Februar 2026

Themenschwerpunkt:

ASP-Prävention ist Pflicht

Warum Thüringen jetzt konsequent handeln muss

 
Inhalt:

Grüne Woche in Berlin                                3

Agrarförderung                                          6

Ehrennadel übergeben                               9  

Pharmaplant                                             10 - 11  

 

Seuchenprävention braucht klare politische Entscheidungen

von Petra Hirsch, Vorstandsmitglied des Thüringer Bauernverbandes

Die Afrikanische Schweinepest ist längst Realität in Deutschland. Seit mehr als fünf Jahren zieht sich ihre Bekämpfung durch
mehrere Bundesländer. Hessen und Nordrhein-Westfalen kämpfen aktuell mit hunderten Fällen – ausgelöst mutmaßlich durch
menschliches Fehlverhalten. Das zeigt: Die Gefahr entsteht nicht schleichend, sie wird eingeschleppt. Und sie kann jederzeit auch Thüringen treffen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir vorbereitet sein müssen, sondern wie konsequent wir es sind. Seuchenprävention ist keine freiwillige Aufgabe engagierter Einzelner. Sie ist staatliche Kernverantwortung. Und sie braucht verlässliche politische Rahmenbedingungen, dauerhafte Finanzierung und klare Zuständigkeiten.

Mit der Einrichtung des Schwarzwild-Kompetenzzentrums im Jahr 2018 hat Thüringen früh reagiert. Das Zentrum bündelt die Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Jägerschaft, Verbänden und Behörden, koordiniert Präventionsmaßnahmen und bereitet ein mögliches Ausbruchsszenario strukturell vor. Dass diese Einrichtung beim Thüringer Bauernverband angesiedelt ist und vom Land finanziert wird, war und ist eine richtige Entscheidung. Aber Prävention darf kein Projektstatus bleiben. Sie muss langfristig abgesichert sein.

Die Erfahrungen aus Brandenburg und Sachsen zeigen: Ein ASP-Ausbruch bedeutet jahrelange Bekämpfung, kilometerlange Zäune, massive Einschränkungen für Betriebe und enorme Kosten für die öffentliche Hand. Wer hier spart, zahlt später ein Vielfaches. Prävention ist wirtschaftlich vernünftiger als Krisenmanagement.

Politik muss deshalb drei Dinge klarstellen: Erstens – Bestandsregulierung des Schwarzwildes ist Seuchenvorsorge. Jäger leisten hier einen zentralen Beitrag. Die Aufwandsentschädigung für erlegte Wildschweine ist kein Bonus, sondern ein notwendiges Instrument der Gefahrenabwehr. Diese Unterstützung muss dauerhaft gesichert bleiben. Zweitens – Meldestrukturen und Suchsysteme müssen funktionieren. Kadaversuchhunde, Drohnentechnik, Schulungen und klare Meldewege sind keine Details, sondern entscheidende Faktoren für schnelle Reaktionsfähigkeit. Hier braucht es kontinuierliche Investitionen, nicht erst nach einem Ausbruch.

Drittens – Die politische Kommunikation muss ehrlich sein. Ein Punkteintrag erfolgt häufig durch unsachgemäße Entsorgung kontaminierter Lebensmittel. Die Aufklärung an Autobahnen und Raststätten ist deshalb kein symbolischer Akt, sondern eine zentrale Schutzmaßnahme in einem Transitland wie Thüringen. Wer internationale Warenströme nutzt, muss auch deren Risiken ernst nehmen. Als Landwirtin weiß ich, welche Folgen ein Ausbruch für schweinehaltende Betriebe hätte, bis hin zur Existenzfrage. Als Jägerin weiß ich, dass Bestandsregulierung, Monitoring und Disziplin im Revier unverzichtbar sind. Doch ohne klare politische Rückendeckung, rechtssichere Rahmenbedingungen und verlässliche Finanzierung stoßen auch Engagement und Fachwissen an Grenzen.

Seuchenprävention darf nicht zwischen Umwelt-, Landwirtschafts- und Gesundheitsressort zerrieben werden. Sie braucht abgestimmtes Handeln, schnelle Entscheidungswege und eindeutige Zuständigkeiten.

Thüringen ist bislang verschont geblieben. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen. Doch Sicherheit entsteht nicht durch Hoffnung, sondern durch Vorbereitung.

Mein Appell an die Politik ist daher klar: Sichern Sie die Strukturen dauerhaft ab. Stärken Sie das Schwarzwild-Kompetenzzentrum. Erhalten Sie die Unterstützung für die Jägerschaft. Investieren Sie weiter in Prävention, bevor aus einer theoretischen Gefahr eine reale Krise wird. Seuchenprävention ist kein Randthema. Sie ist Voraussetzung für stabile landwirtschaftliche Produktion, für Tiergesundheit und für Vertrauen in staatliches Rrisenmanagement. Wer Versorgungssicherheit ernst meint, muss auch Vorsorge ernst nehmen.

 

 

 

Januar 2026

Themenschwerpunkt:

Landwirtschaft braucht Verlässlichkeit

Rückblick 2025 und der Blick nach vorn

 
Inhalt:

Jahresrückblick                                          4 - 7

Leadership Mission in Agriculture Policy     8

Änderungen zum Jahreswechsel                 9/12  

Kuhgarten                                                 10 - 11  

 

Gemeinsam Wirkung entfalten: Geschlossenheit bleibt unser stärkstes Werkzeug

von Toralf Müller, Vizepräsident des Thüringer Bauernverbandes

2025 war kein leichtes Jahr für die Landwirtschaft in Thüringen. Politische Unsicherheiten, zunehmende Regulierung, wachsende gesellschaftliche Erwartungen und ein wirtschaftliches Umfeld, das vielen Betrieben kaum Luft zum Atmen lässt, haben unseren Berufsstand stark gefordert. Und trotzdem, oder gerade deshalb, hat sich gezeigt, wie wichtig eine handlungsfähige, geschlossene Interessenvertretung ist.

Der Thüringer Bauernverband hat im vergangenen Jahr nicht nur reagiert, sondern gestaltet. Wir haben Fehlentwicklungen benannt, politische Vorhaben korrigiert und dort eingegriffen, wo Praxis und Verwaltung auseinanderzulaufen drohten. Klarstellungen bei der Düngebedarfsermittlung und beim Umgang mit überfrorenen Böden haben Rechtssicherheit geschaffen und unnötige Sanktionen verhindert. Das geplante Flächenregister als drohendes Bürokratiemonster konnte durch unseren gemeinsamen Druck gestoppt werden – es bleibt freiwillig. Auch bei der Ausgleichszulage haben wir erreicht, dass Mittel aufgestockt wurden, auch wenn klar bleibt: Das reicht noch nicht. Die Anerkennung der natürlichen Schwimmschicht als alternative TA-Luft-Minderungsmaßnahme und Aussetzung der Sanierungsfristen zeigt, dass Fachlichkeit am Ende stärker sein kann als Ideologie, wenn man beharrlich bleibt. Diese Erfolge sind keine Selbstläufer. Sie sind das Ergebnis vieler Gespräche, klarer Positionen und nicht zuletzt eines Berufsstandes, der bereit war, Haltung zu zeigen. Die Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung hat einmal mehr deutlich gemacht: Wenn wir uns bewegen, bewegt sich auch die Politik. Schweigen hingegen kostet. Mit Blick auf 2026 dürfen wir uns jedoch nichts vormachen. Die Herausforderungen werden größer, die Konflikte härter. Die Vorschläge der EU-Kommission zum künftigen Agrarhaushalt bedrohen die wirtschaftliche Basis unserer Betriebe, insbesondere in Ostdeutschland. Die Auflösung der Zwei-Säulen-Struktur, pauschale Kappungen und Renationalisierung würden Strukturen zerstören, Arbeitsplätze gefährden und Investitionen abwürgen. Das ist kein Reformansatz, das ist ein Strukturbruch. Hier werden wir als Verband keinen Millimeter nachgeben.

Gleichzeitig spitzt sich die Lage in vielen betrieblichen Kernfragen weiter zu: Ein wirksamer Pflanzenschutz wird immer stärker eingeschränkt, während Ertragssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit weiterhin erwartet werden. Genehmigungsverfahren im Stallbau dauern zu lange, Tierwohl kostet Geld, das oft nicht erwirtschaftet werden kann und der Strukturwandel in der Tierhaltung schreitet voran. Dazu kommen ungelöste Konflikte beim Wolfsmanagement, bei Seuchenvorsorge und bei der Bürokratie, die vielerorts eher lähmt als unterstützt.

Unsere Forderungen für 2026 sind deshalb klar und nicht verhandelbar: Planungssicherheit statt Dauerexperiment, praxistaugliche Regeln statt Symbolpolitik, ein eigenständiges Agrarbudget mit fairer Verteilung, ein funktionsfähiger Pflanzenschutz, echte Entlastung beim Bürokratieaufwand und Investitionsbedingungen, die Modernisierung ermöglichen statt verhindern. Landwirtschaft braucht Verlässlichkeit – keine ständig wechselnden Spielregeln. All das werden wir nur erreichen, wenn wir geschlossen auftreten. Die Landesvertreterversammlung und der agrarpolitische Jahresabschluss haben gezeigt, dass unser Verband wirkt, wenn er klar, sachlich und gemeinsam handelt. Dieser Zusammenhalt ist unsere größte Stärke. Er entscheidet darüber, ob wir Gestaltungspartner bleiben oder zum Spielball politischer Entscheidungen werden.

2026 wird uns nichts geschenkt. Aber wir haben 2025 bewiesen, dass wir etwas erreichen können, wenn wir zusammenstehen, wenn wir uns einbringen und wenn wir bereit sind, für unsere Betriebe, unsere Familien und unsere Regionen einzustehen. Genau darauf kommt es jetzt an.

 

 

 

 

Dezember 2025

Themenschwerpunkt:

Jahresausklang mit zahlreichen Veranstaltungen

Zwischen politischen Weichenstellungen und GAP-Diskussion

 
Inhalt:

Tagungen im Überblick                  3

Neues zur TA-Luft                         4 - 9

Exkursion                                      9  

Rückblick zum Projekt Strip Till      13  

 

Landwirtschaft zwischen Regulierung und Zukunftsaufgaben

von Beate Köber-Fleck, Hauptgeschäftsführerin des Thüringer Bauernverbandes

Die Luft bleibt dünn. Auch 2025 hat der Landwirtschaft und dem Verband viel abverlangt. Die Erwartungen an die neue GAP-Periode ab 2028, die fortlaufenden Anpassungen digitaler Verwaltungsinstrumente sowie die komplexen Anforderungen an Flächenmeldung und Bewirtschaftungsnachweise stellten die Betriebe vor Herausforderungen. Und doch zeigt sich, dass die Branche handlungsfähig bleibt. In den Gesprächen mit den Thüringer Ministerien und Behörden wurde deutlich, dass viele Fragen gemeinsam lösbar sind und der Austausch auf Augenhöhe stattfindet. Witterungsseitig zeigte sich das Jahr im Freistaat erneut sehr unterschiedlich. Die regional stark abweichenden Niederschläge führten zu teils deutlichen Unterschieden bei Bodenfeuchte und Erträgen. Einige Regionen konnten von guten Regenphasen profitieren, andere litten unter langanhaltendem
Feuchtemangel. Genau diese Vielfalt macht sichtbar, wie wichtig Anpassungsfähigkeit und vorausschauende Betriebsführung geworden sind und wie viel die Thüringer Landwirtschaft trotz widriger Bedingungen leistet. Durch Demonstrationen haben wir für 2025 erreicht, dass die Bundesregierung bei den geplanten Einschnitten zurückrudert. Der ursprünglich vorgesehene schrittweise Wegfall von Steuervergünstigungen, darunter der Agrardieselrabatt und die Kfz-Steuerbefreiung für landwirtschaftliche Fahrzeuge, wurde nicht wie angekündigt umgesetzt. Statt einer sofortigen Streichung wurden die Maßnahmen ausgesetzt. Damit zeigt sich klar: Der
Protest hat Wirkung gezeigt und politische Entscheidungen spürbar beeinflusst.

Die Diskussionen rund um die GAP ab 2028 prägten die europäische Agrarpolitik in diesem Jahr. Der aktuelle Entwurf stößt auf große Kritik, doch gerade deshalb ist es wichtig, dass die betroffenen Berufsstände ihre Stimme erheben. Der Verband bringt seine Argumente in Brüssel, Berlin und Erfurt klar ein und trägt dazu bei, dass praktische Erfahrung und regionale Besonderheiten in den politischen Prozess einfließen. Die nächsten Monate bieten die Chance, die Rahmenbedingungen entscheidend mitzugestalten.

Auch der Umbau der Nutztierhaltung bleibt ein zentrales Thema. Die politischen Ziele sind formuliert, doch die Finanzierung ist weiterhin unzureichend. Umso wichtiger war die Entscheidung unseres Umweltministers Tilo Kummer, bei der TA-Luft eine Regelung nach sächsischem Vorbild auf den Weg zu bringen. Dieser Schritt schafft erstmals ein Stück Planungssicherheit – ein Signal, das zeigt, dass sich beharrliche Argumentation lohnt.

Im Energiesektor bleibt der Druck hoch, gleichzeitig entstehen neue Chancen: Die Nachfrage nach Photovoltaik und Windkraft ist ungebrochen und viele Betriebe prüfen ihre Möglichkeiten. Der Verband unterstützt hierbei gezielt und trägt dazu bei, Fehlentwicklungen zu vermeiden und nachhaltige Perspektiven zu eröffnen. Unsere Positionierungen werden fortlaufend weiterentwickelt, damit die Betriebe auch in einem dynamischen Umfeld sicher agieren können.

Die großen agrarpolitischen Themen, Wolf, Grundsteuerreform, Pflanzenschutz, begleiten uns weiterhin. Gleichzeitig gewinnt die Klimabilanzierung an Bedeutung. Immer mehr Betriebe stellen sich dieser Aufgabe aktiv und bauen damit ein Fundament für künftige Marktanforderungen und Förderzugänge. Das zeigt: Die Landwirtschaft gestaltet nicht nur mit, sie geht voran.

Die Landesverwaltung hat zugesagt, die ausstehenden Fördermittel bis Ende Dezember 2025 auszuzahlen. Das schafft Zuversicht für viele Betriebe, die auf einen verlässlichen Jahresabschluss angewiesen sind. Der Verband wird die Entwicklung weiter eng begleiten, damit die zugesagte Entlastung tatsächlich bei den Betrieben ankommt.

Trotz aller Herausforderungen zeigt das Jahr eindrücklich, wie leistungsfähig unsere Geschäftsstelle ist und wie wichtig das Engagement der Ehrenamtlichen bleibt. Landwirtinnen und Landwirte, die ihre Erfahrungen einbringen, öffentlich Position beziehen und fachlich mitarbeiten, geben der Landwirtschaft Gesicht und Gewicht. Die kommenden Monate werden anspruchsvoll bleiben – doch die Thüringer Landwirtschaft hat mehrfach bewiesen, dass sie Krisen nicht nur übersteht, sondern daraus gestärkt hervorgehen kann.

 

 

 

 

November 2025

Themenschwerpunkt:

Nachwuchs sichern – Zukunft gestalten

Berufsausbildung in den grünen Berufen als Schlüssel zur Fachkräftesicherung

 
Inhalt:

PORTIA-Umfrage                                      3

Rund ums Thema Bildung                         4 - 9

Strip Till-Projekttreffen                            9  

Positionspapier Grünlandverband             13  

 

Berufsausbildung in den grünen Berufen – Schlüssel zur Fachkräftesicherung

von Dirk Reichelt, Vorsitzender des Fachausschusses Bildung beim Thüringer Bauernverband

Wieder hat ein Ausbildungsjahr begonnen – und Dank gilt allen, die über Berufsmessen, Aktivitäten an Schulen, über ihre Internetauftritte oder andere geeignete Maßnahmen für eine Berufsausbildung im Bereich der Landwirtschaft geworben haben. Dieses Engagement ist unverzichtbar, um junge Menschen für die grünen Berufe zu begeistern und ihnen attraktive berufliche Perspektiven aufzuzeigen.
Die Berufsausbildung in den grünen Berufen ist ein zentraler Baustein zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau und verwandten Bereichen. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels und steigender Qualifikationsanforderungen kommt ihr eine entscheidende Bedeutung zu: Sie eröffnet jungen Menschen Zukunftschancen und sichert zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Allerdings beginnen viele Jugendliche ihre Ausbildung mit eingeschränkter Ausbildungsreife. Dies stellt sowohl die Ausbildungsbetriebe als auch die Berufsschulen vor erhebliche Herausforderungen. Umso wichtiger ist ein enges Zusammenspiel aller Beteiligten: Betriebe, Berufsschulen, überbetriebliche Ausbildungsstätten, Eltern und unterstützende Partner müssen gemeinsam daran arbeiten, vorhandene Defizite auszugleichen und die Motivation der Auszubildenden zu stärken.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für gelingende Ausbildung ist Kommunikation. Regelmäßige Gespräche mit den Auszubildenden, klare Zielvereinbarungen und ein offenes Ohr für ihre Anliegen tragen entscheidend zum Erfolg bei. So können Schwierigkeiten frühzeitig erkannt und die persönliche sowie fachliche Entwicklung der jungen Menschen gezielt gefördert werden. Auch ausbildungsvorgelagerte Praktika bieten wertvolle Chancen, Erwartungen und Anforderungen beider Seiten abzugleichen. Betriebe, die sich aktiv an Programmen wie „Tag in der Praxis (TIP)“ oder den Angeboten der Praxiskoordinatoren von IHK, HWK und den Schulämtern in Thüringen beteiligen, zeigen Weitsicht und Engagement. Besonders hervorzuheben sind die Aktivitäten der Ausbildungsbetriebe in Ausbildungsverbünden – insbesondere in Südthüringen sowie in den Landkreisen Saale-Orla, Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Holzland. Diese Initiativen, koordiniert durch die Kreisbauernverbände, leisten einen bedeutenden Beitrag zur Qualitätssicherung und Fachkräfteentwicklung in der Region. Durch gemeinsame Ausbildungsstrukturen, intensiven Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung entsteht ein starkes Netzwerk, das jungen Menschen praxisnahe Perspektiven eröffnet und den Betrieben hilft, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Allen Ausbilderinnen und Ausbildern gebührt an dieser Stelle besondere Anerkennung. Mit ihrem Einsatz, ihrer Geduld und ihrer Begeisterung tragen sie maßgeblich dazu bei, dass die grünen Berufe auch künftig engagierte und gut ausgebildete Fachkräfte hervorbringen – eine unverzichtbare Grundlage für eine nachhaltige und leistungsfähige Landwirtschaft in Thüringen.

 

 

 

Oktober 2025

Themenschwerpunkt:

Zum Wohl der Tiere

Handlungsspielraum für bewährte Praxis und Innovation zulassen

 
Inhalt:

Tierschutzpreis                                        4/8

Europagespräch                                       6

Erneuerbare Energien                               7  

Zeugnisübergaben                                   12/13    

 

Mehr Verlässlichkeit für unsere Betriebe

von Toralf Müller, Vizepräsident des Thüringer Bauernverbandes

Von Tierseuchen über Stallumbau bis hin zur Haltungskennzeichnung – die Themenbreite zeigt, wie viel Verantwortung auf den Schultern unserer Tierhalter liegt. Die Anforderungen steigen stetig, die Erwartungen von Politik und Gesellschaft ebenso. Doch zwischen neuen Auflagen, technischen Vorgaben und moralischen Ansprüchen darf nicht verloren gehen, worum es in der Landwirtschaft
im Kern geht: um das Wohl der Tiere, die Fachkompetenz der Menschen, die sie betreuen und um die Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten. Tierhaltung braucht nicht immer neue Vorschriften, sondern den nötigen Handlungsspielraum, um bewährte Praxis fortzuführen und Innovation zuzulassen. Die Rahmenbedingungen sind komplex: neue Anforderungen durch TA-Luft, Stallumbaupflichten, Tierhaltungskennzeichnung oder steigende Dokumentationspflichten. Einzeln aber vor allem auch in Summe betrachtet, drohen diese Maßnahmen unsere Betriebe zu überfordern. Unsere Betriebe sollen Tierwohlstandards erhöhen, Emissionen mindern, Ställe umbauen und zugleich international konkurrenzfähig bleiben. Und das mit immer weniger Planungssicherheit. Diese Gleichung geht nicht auf. Die Politik ist gefordert, Verlässlichkeit zu schaffen, Fristen realistisch zu gestalten und bewährte Systeme stärker einzubinden, statt neue Bürokratieebenen zu schaffen. Denn wenn wir Tierhaltung in Thüringen erhalten wollen, müssen die politischen Entscheidungsträger endlich anfangen wieder von der Praxis her zu denken.

 

 

September 2025

Themenschwerpunkt:

Wohin steuert die Agrarpolitik?

Ein erstes Resümee zur Arbeit der Bundes- und Landesregierung

 
Inhalt:

Tierseuchen: Lumpy Skin Disease                3

Erntepressekonferenz                                6

NATURA-2000- Preis                                  8

Strip Till Thüringen 2.0                               12    

 

100 Tage Bundes- und Landesregierung – Wohin steuert die Agrarpolitik?

von Beate Köber-Fleck, Hauptgeschäftsführerin des Thüringer Bauernverbandes

Hundert Tage reichen nicht für ein endgültiges Urteil, wohl aber, um die Richtung zu erkennen. Die Bundesregierung hat mit der Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückerstattung und der Abschaffung der Stoffstrombilanz erste Schritte getan. Das sind wichtige Entlastungen, die wir als Berufsstand lange und vehement eingefordert haben. Doch dabei darf es nicht bleiben. Die großen Aufgaben – Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und der längst überfällige Bürokratieabbau – stehen noch aus. Mit Blick auf die GAP ab 2028 muss klar sein: Ohne eine verlässliche Einkommenssicherung werden viele Betriebe keine Zukunft haben. In Thüringen konnten wir als Verband gemeinsam in den ersten 100 Tagen der neuen Landesregierung konkrete Verbesserungen erreichen. Unser beharrlicher Einsatz hat dazu geführt, dass die Ausgleichszulage (AGZ) nicht wie ursprünglich geplant auf 12 Millionen Euro gekürzt wird, sondern bis 2027 mit 16 Millionen Euro erhalten bleibt. Eine langjährige Forderung des TBV wurde erfüllt mit der Klarstellung beim Düngeverbot nach Bodenzustand, wodurch unsere Betriebe endlich wieder bedarfsgerecht düngen können. Auch die Thüringer Initiative zur Herabsetzung des Wolfsschutzstatus auf Bundesebene wäre ohne unseren Druck kaum möglich gewesen. Ebenso haben wir im Bundesrat erreicht, dass Thüringen unsere Anliegen zur
Saatgutordnung und zur Stärkung der Vermehrungsbetriebe unterstützt. Darüber hinaus ist es uns gelungen, das drohende Bürokratiemonster „Flächenregister“ vorerst zu stoppen – ein klarer Erfolg unserer kontinuierlichen Arbeit.

Gleichwohl bleibt der Bürokratieabbau insgesamt Stückwerk und bei der Grundsteuer A verweigert sich die Politik nach wie vor einer Lösung. Diese Beispiele zeigen, dass unser Engagement wirkt – aber sie machen auch deutlich, dass wir den Druck weiter hochhalten müssen.

Besonders besorgniserregend sind die Entwürfe der EU-Kommission zur GAP ab 2028. Kürzungen von mindestens 20 Prozent, Kappung und Degression würden gerade unsere  leistungsfähigen ostdeutschen Betriebe massiv treffen. Wer hier glaubt, die Folgen seien zu verkraften, verkennt die Realität. Es geht nicht nur um die Betriebe, sondern um die wirtschaftliche Grundlage ganzer Regionen. Von Bürokratieabbau kann keine Rede sein – im Gegenteil, es droht noch mehr Komplexität und weniger Transparenz.

Für uns als Berufsstand heißt das: Wir müssen unsere Positionen geschlossen und klar vertreten – in Erfurt, in Berlin und in Brüssel. Nur wenn wir mit starker Stimme auftreten, können wir erreichen, dass unsere Landwirtschaft nicht durch Kürzungen und Auflagen geschwächt, sondern für die Zukunft gestärkt wird.

 

 



August 2025

Themenschwerpunkt:

Ernte 2025: Zwischen Rekordmengen und Preisfrust

Erträge treffen auf schwache Preise und steigenden Kostendruck

 
Inhalt:

Agrarpolitik                                                   3

Flurfahrt mit dem Ministerpräsidenten           6

Update zur TA-Luft                                        7

Gefl ügelwirtschaftsverband stellt sich vor     13    

 

Rekorde auf dem Papier – Sorgen auf dem Feld

von Gerd Halbauer, Vorsitzender des Fachausschusses Pflanzenbau beim Thüringer Bauernverband

Die Zahlen sprechen für sich: Weltweit steu-ert die Getreideernte 2025/26 auf ein Re-kordhoch von knapp 2,93 Milliarden Ton-nen zu – ein Plus von über zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Währenddessen korrigiert die EU-Kommission ihre Progno-sen für Deutschland und Europa leicht nach unten, dennoch bleibt auch hier das Ernte-volumen überdurchschnittlich hoch.
Was global nach einem Erfolg klingt, stellt für viele Betriebe in Thüringen eine wirtschaftliche Belastung dar. Steigende Lagerbestände und eine gesicherte Versorgung drücken die Erzeugerpreise – das klassische Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Der nasse Juni und Juli haben die Ernte verzögert, doch das sonnige Augustwetter ermöglichte letztlich doch den Einsatz der Mähdrescher. Das rettet die Ernte, aber nicht den Preis.
Seit Mai beobachten wir fallende Erzeugerpreise gegenüber dem Vorjahr (30 bis 40 Prozent unter dem Vorjahr, durch alle Kulturen). Preisbewegungen an den internationalen Börsen, oft von Spekulationen getrieben, verstärken die Marktschwankungen zusätzlich. Für viele Betriebe wird es damit immer schwerer, kostendeckend zu wirtschaften.
In Sachen Effizienz sind unsere Betriebe bereits am Limit. Technisch hochgerüstet, personell gut ausgebildet und nach guter fachlicher Praxis geführt. Trotzdem bleibt unsere Kostenstruktur im internationalen Vergleich deutlich höher. Eine Ursache liegt im politischen Rahmen: Sozial-, Umwelt- und Arbeitsstandards treiben die Produktionskosten in die Höhe. Was aus gesellschaftlicher Sicht nachvollziehbar sein mag, führt im Wettbewerb mit Weltmarktanbietern jedoch zu Wettbewerbsnachteilen, die oft übersehen werden.
Daher braucht es mehr als agrarpolitische Sonntagsreden. Es braucht eine klare politische Anerkennung der Marktstellung unserer heimischen Landwirtschaft – gerade bei Erntemengen, die weltweit in Rekorden gemessen werden, aber betriebswirtschaftlich kaum noch Spielräume lassen. Der Thüringer Bauernverband wird diesen Aspekt weiterhin in den politischen Raum tragen – zum Beispiel bei der Erntepressekonferenz mit dem Landwirtschaftsministerium.
Unsere Landwirtschaft kann Leistung – aber sie braucht auch Rahmenbedingungen, die faire Märkte ermöglichen. Wer Versorgungssicherheit langfristig will, muss Wirtschaftlichkeit heute mitdenken.

 

 



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