TBV - Journal

April 2026

Themenschwerpunkt:

Landwirtschaft im Dialog

Vernetzen. Gestalten. Interessen einbringen.

 
Inhalt:

Update: Verbundene Unternehmen             3

Thüringer Milchtag                                    6

Biogasfachtagung                                     7  

agra 2026                                                 8 - 9  

 

Projekte sind kein Zusatz – sie sind Zukunftsarbeit

von Michael König, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Thüringer Bauernverbandes

Wer den Thüringer Bauernverband nur als Interessenvertretung wahrnimmt, greift zu kurz. Ja, wir vertreten die Anliegen unserer Mitgliedsbetriebe gegenüber Politik und Gesellschaft. Aber wir tun noch viel mehr: Wir gestalten aktiv die Zukunft der Landwirtschaft in Thüringen. Ein zentrales Instrument dafür ist unsere Projektarbeit. Mit dieser Ausgabe des TBV Journals geben wir einen Überblick über die aktuell laufenden Projekte im Verband. Das ist kein Zufall, sondern bewusst gewählt. Denn Projekte sind kein „Nebenbei“ – sie sind ein strategischer Bestandteil unserer Arbeit.
Seit 2021 bündeln wir unsere Aktivitäten im eigenen Referat Projektmanagement. Dahinter steht ein klarer Ansatz: Innovation muss unter Praxisbedingungen entstehen. Neue Anforderungen – ob aus Politik, Markt oder Gesellschaft – lassen sich nicht am Schreibtisch lösen. Sie müssen im Betrieb, auf dem Feld und im Stall erprobt werden. Genau das leisten unsere Projekte. Dabei verfolgen wir mehrere Ziele gleichzeitig. Es geht um Anpassung an klimatische Veränderungen, um Ressourcenschutz und Effizienz, um neue Einkommensperspektiven für Betriebe und um die Stärkung regionaler Wertschöpfung. Kurz gesagt: Es geht um die Zukunftsfähigkeit unserer Landwirtschaft. Die Bandbreite der Themen zeigt, wie umfassend dieser Ansatz ist. Wir arbeiten an Nachwuchsgewinnung, weil ohne junge Menschen keine Landwirtschaft bestehen kann. Wir entwickeln Vermarktungs- und Logistiklösungen, weil regionale Produkte nur dann eine Chance haben, wenn sie auch wirtschaftlich zum Verbraucher gelangen. Wir treiben Innovationen im Ackerbau voran, etwa beim bodenschonenden Strip-Till-Verfahren. Und wir setzen uns mit zentralen Umweltfragen auseinander – etwa beim Stickstoffmanagement oder im Dialog zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. All diese Projekte haben eines gemeinsam: Sie greifen konkrete Her-ausforderungen aus der Praxis auf und versuchen, tragfähige Lösungen zu entwickeln. Oft geht es dabei auch darum, Zielkonflikte aufzulösen – zwischen Ökologie und Ökonomie, zwischen politischen Vorgaben und betrieblicher Realität.
Ein aktuelles Beispiel dafür, wie wichtig dieser Austausch zwischen Praxis, Politik und Gesellschaft ist, war die agra 2026 – die wichtigste Landwirtschaftsausstellung in Mitteldeutschland. Über vier Tage hinweg wurde sie erneut zum zentralen Treffpunkt für Landwirte, Verbände, Wirtschaft und Politik. Zahlreiche Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern haben gezeigt: Die agra ist weit mehr als eine Messe. Sie ist Plattform für fachlichen Austausch, für klare Positionen und für die direkte Interessenvertretung unseres Berufsstandes. Gerade diese unmittelbaren Gespräche sind entscheidend. Hier werden Probleme benannt, Erwartungen formuliert und politische Entscheidungen vorbereitet. Und hier wird auch deutlich, wie wichtig es ist, dass wir als Verband nicht nur reagieren, sondern eigene Lösungen vorweisen können – Lösungen, die häufig aus unserer Projektarbeit entstehen. Für uns als Verband bedeutet das: Wir sind nicht nur Vermittler, sondern Mitgestalter. Wir bringen landwirtschaftliche Expertise in Entwicklungsprozesse ein und sorgen dafür, dass Ergebnisse am Ende auch in der Praxis ankommen. Ein weiterer Punkt ist mir wichtig: Projekte schaffen Netzwerke. Sie bringen Betriebe, Wissenschaft, Verwaltung und andere Partner zusammen. Diese Zusammenarbeit ist entscheidend, um komplexe Fragestellungen überhaupt lösen zu können. Landwirtschaft steht heute nicht mehr isoliert und genau das bildet unsere Projektarbeit ab. Gleichzeitig zeigen die Projekte auch, wie wichtig verlässliche Förderstrukturen sind. Viele unserer Vorhaben werden durch europäische und landespolitische Programme unterstützt. Das ist gut und notwendig. Denn Innovation kostet Zeit, Geld und Engagement und sie braucht Planungssicherheit. Mit der Übersicht in dieser Ausgabe wollen wir Transparenz schaffen und deutlich machen, woran wir konkret arbeiten. Vor allem aber wollen wir zeigen: Der Thüringer Bauernverband gestaltet aktiv die Rahmenbedingungen für eine leistungsfähige, nachhaltige und gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft.
Projekte sind dabei kein Selbstzweck. Sie sind ein Werkzeug. Ein Werkzeug, um Ant-worten zu finden auf die Fragen, die unsere Betriebe heute und morgen bewegen. Und genau deshalb sind sie so wichtig.

 

 

 

März 2026

Themenschwerpunkt:

Gewachsene Strukturen sichern

Klausurtagung: TBV fordert klare Regeln und Rechtssicherheit

 
Inhalt:

Verbundene Unternehmen                          3/ 4

Studis treffen Bauern                                 6/ 7

Saatbaukonferenz                                      6  

Leicoma: Von der Rasse zur Marke              10 - 11  

 

Wenn Betriebsstrukturen infrage stehen, braucht es eine starke Stimme

von Doreen Rath, Vizepräsidentin des Thüringer Bauernverbandes

Die vergangenen Wochen haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig eine starke und handlungsfähige Interessenvertretung für die Landwirtschaft ist. Viele landwirtschaftliche Betriebe in Thüringen sehen sich derzeit mit Fragen konfrontiert, die weit über den normalen betrieblichen Alltag hinausgehen. Politische Entscheidungen, rechtliche Auslegungen und administrative Verfahren können unmittelbare Auswirkungen auf gewachsene Betriebsstrukturen, Investitionsentscheidungen und damit auf die wirtschaftliche Zukunft der Betriebe haben. Besonders deutlich wird dies aktuell beim Thema „verbundene Unternehmen“. Die Diskussion um die Einordnung bestimmter Unternehmensstrukturen im Rahmen der Agrarförderung hat in vielen Betrieben zu erheblicher Verunsicherung geführt. Für uns als Thüringer Bauernverband (TBV) war deshalb von Beginn an klar: Dieses Thema muss politisch und fachlich aufgearbeitet werden – sachlich, aber mit der nötigen Deutlichkeit.

Wir haben frühzeitig Gespräche mit dem zuständigen Ministerium geführt, den Austausch mit dem Deutschen Bauernverband gesucht und das Thema an Landes- und Bundesebene adressiert. In zahlreichen Gesprächen mit Politik, Verwaltung und Partnerverbänden haben wir deutlich gemacht, welche praktischen Auswirkungen bestimmte Auslegungen auf die Thüringer Agrarstruktur haben könnten. Inzwischen wurde vereinbart, offene Fragen in einem gemeinsamen Prozess mit den beteiligten Akteuren weiter zu klären und tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Das ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend wird nun sein, dass dabei praktikable und rechtssichere Ergebnisse für die landwirtschaftlichen Betriebe entstehen.

Auch auf unserer Klausurtagung in Altenburg wurde deutlich, wie groß der Diskussionsbedarf ist. Die Präsidiumsmitglieder haben die aktuelle Situation intensiv beraten und ihre Erfahrungen aus der Praxis eingebracht. Der Austausch mit Vertretern der Landesregierung machte deutlich, dass Klärungsbedarf besteht. Für den TBV ist deshalb klar: Die Interessen der landwirtschaftlichen Betriebe müssen in diesem Prozess konsequent vertreten werden. Es geht um Rechtssicherheit und um den Erhalt gewachsener Betriebsstrukturen in Thüringen. Gleichzeitig wurde auf der Klausurtagung deutlich, dass Interessenvertretung immer mehrere Ebenen umfasst. Neben agrarpolitischen Fragen spielen auch arbeits- und sozialpolitische Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle für die Betriebe. Hier leistet der Land- und Forstwirtschaftliche Arbeitgeberverband Thüringen eine wichtige Arbeit, indem er die Branche in tarif- und arbeitsrechtlichen Fragen vertritt und Lösungen entwickelt, die den besonderen Anforderungen der Landwirtschaft gerecht werden. Diese Beispiele zeigen: Landwirtschaftliche Interessenvertretung reicht weit über einzelne politische Themen hinaus. Umso wichtiger ist es, dass die Landwirtschaft auf allen Ebenen mit einer starken und geschlossenen Stimme auftritt.

Der TBV wird auch weiterhin mit Nachdruck dafür eintreten, dass politische Entscheidungen die Realität landwirtschaftlicher Betriebe berücksichtigen. Gerade in Zeiten zunehmender Regulierung, wirtschaftlicher Unsicherheiten und gesellschaftlicher Erwartungen braucht die Landwirtschaft eine starke, fachlich fundierte und gut vernetzte Interessenvertretung.

Unser Ziel bleibt klar: praktikable Lösungen, verlässliche Rahmenbedingungen und Zukunftsperspektiven für die landwirtschaftlichen Betriebe in Thüringen.

 

 

 

Februar 2026

Themenschwerpunkt:

ASP-Prävention ist Pflicht

Warum Thüringen jetzt konsequent handeln muss

 
Inhalt:

Grüne Woche in Berlin                                3

Agrarförderung                                          6

Ehrennadel übergeben                               9  

Pharmaplant                                             10 - 11  

 

Seuchenprävention braucht klare politische Entscheidungen

von Petra Hirsch, Vorstandsmitglied des Thüringer Bauernverbandes

Die Afrikanische Schweinepest ist längst Realität in Deutschland. Seit mehr als fünf Jahren zieht sich ihre Bekämpfung durch
mehrere Bundesländer. Hessen und Nordrhein-Westfalen kämpfen aktuell mit hunderten Fällen – ausgelöst mutmaßlich durch
menschliches Fehlverhalten. Das zeigt: Die Gefahr entsteht nicht schleichend, sie wird eingeschleppt. Und sie kann jederzeit auch Thüringen treffen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir vorbereitet sein müssen, sondern wie konsequent wir es sind. Seuchenprävention ist keine freiwillige Aufgabe engagierter Einzelner. Sie ist staatliche Kernverantwortung. Und sie braucht verlässliche politische Rahmenbedingungen, dauerhafte Finanzierung und klare Zuständigkeiten.

Mit der Einrichtung des Schwarzwild-Kompetenzzentrums im Jahr 2018 hat Thüringen früh reagiert. Das Zentrum bündelt die Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Jägerschaft, Verbänden und Behörden, koordiniert Präventionsmaßnahmen und bereitet ein mögliches Ausbruchsszenario strukturell vor. Dass diese Einrichtung beim Thüringer Bauernverband angesiedelt ist und vom Land finanziert wird, war und ist eine richtige Entscheidung. Aber Prävention darf kein Projektstatus bleiben. Sie muss langfristig abgesichert sein.

Die Erfahrungen aus Brandenburg und Sachsen zeigen: Ein ASP-Ausbruch bedeutet jahrelange Bekämpfung, kilometerlange Zäune, massive Einschränkungen für Betriebe und enorme Kosten für die öffentliche Hand. Wer hier spart, zahlt später ein Vielfaches. Prävention ist wirtschaftlich vernünftiger als Krisenmanagement.

Politik muss deshalb drei Dinge klarstellen: Erstens – Bestandsregulierung des Schwarzwildes ist Seuchenvorsorge. Jäger leisten hier einen zentralen Beitrag. Die Aufwandsentschädigung für erlegte Wildschweine ist kein Bonus, sondern ein notwendiges Instrument der Gefahrenabwehr. Diese Unterstützung muss dauerhaft gesichert bleiben. Zweitens – Meldestrukturen und Suchsysteme müssen funktionieren. Kadaversuchhunde, Drohnentechnik, Schulungen und klare Meldewege sind keine Details, sondern entscheidende Faktoren für schnelle Reaktionsfähigkeit. Hier braucht es kontinuierliche Investitionen, nicht erst nach einem Ausbruch.

Drittens – Die politische Kommunikation muss ehrlich sein. Ein Punkteintrag erfolgt häufig durch unsachgemäße Entsorgung kontaminierter Lebensmittel. Die Aufklärung an Autobahnen und Raststätten ist deshalb kein symbolischer Akt, sondern eine zentrale Schutzmaßnahme in einem Transitland wie Thüringen. Wer internationale Warenströme nutzt, muss auch deren Risiken ernst nehmen. Als Landwirtin weiß ich, welche Folgen ein Ausbruch für schweinehaltende Betriebe hätte, bis hin zur Existenzfrage. Als Jägerin weiß ich, dass Bestandsregulierung, Monitoring und Disziplin im Revier unverzichtbar sind. Doch ohne klare politische Rückendeckung, rechtssichere Rahmenbedingungen und verlässliche Finanzierung stoßen auch Engagement und Fachwissen an Grenzen.

Seuchenprävention darf nicht zwischen Umwelt-, Landwirtschafts- und Gesundheitsressort zerrieben werden. Sie braucht abgestimmtes Handeln, schnelle Entscheidungswege und eindeutige Zuständigkeiten.

Thüringen ist bislang verschont geblieben. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen. Doch Sicherheit entsteht nicht durch Hoffnung, sondern durch Vorbereitung.

Mein Appell an die Politik ist daher klar: Sichern Sie die Strukturen dauerhaft ab. Stärken Sie das Schwarzwild-Kompetenzzentrum. Erhalten Sie die Unterstützung für die Jägerschaft. Investieren Sie weiter in Prävention, bevor aus einer theoretischen Gefahr eine reale Krise wird. Seuchenprävention ist kein Randthema. Sie ist Voraussetzung für stabile landwirtschaftliche Produktion, für Tiergesundheit und für Vertrauen in staatliches Rrisenmanagement. Wer Versorgungssicherheit ernst meint, muss auch Vorsorge ernst nehmen.

 

 

 

Januar 2026

Themenschwerpunkt:

Landwirtschaft braucht Verlässlichkeit

Rückblick 2025 und der Blick nach vorn

 
Inhalt:

Jahresrückblick                                          4 - 7

Leadership Mission in Agriculture Policy     8

Änderungen zum Jahreswechsel                 9/12  

Kuhgarten                                                 10 - 11  

 

Gemeinsam Wirkung entfalten: Geschlossenheit bleibt unser stärkstes Werkzeug

von Toralf Müller, Vizepräsident des Thüringer Bauernverbandes

2025 war kein leichtes Jahr für die Landwirtschaft in Thüringen. Politische Unsicherheiten, zunehmende Regulierung, wachsende gesellschaftliche Erwartungen und ein wirtschaftliches Umfeld, das vielen Betrieben kaum Luft zum Atmen lässt, haben unseren Berufsstand stark gefordert. Und trotzdem, oder gerade deshalb, hat sich gezeigt, wie wichtig eine handlungsfähige, geschlossene Interessenvertretung ist.

Der Thüringer Bauernverband hat im vergangenen Jahr nicht nur reagiert, sondern gestaltet. Wir haben Fehlentwicklungen benannt, politische Vorhaben korrigiert und dort eingegriffen, wo Praxis und Verwaltung auseinanderzulaufen drohten. Klarstellungen bei der Düngebedarfsermittlung und beim Umgang mit überfrorenen Böden haben Rechtssicherheit geschaffen und unnötige Sanktionen verhindert. Das geplante Flächenregister als drohendes Bürokratiemonster konnte durch unseren gemeinsamen Druck gestoppt werden – es bleibt freiwillig. Auch bei der Ausgleichszulage haben wir erreicht, dass Mittel aufgestockt wurden, auch wenn klar bleibt: Das reicht noch nicht. Die Anerkennung der natürlichen Schwimmschicht als alternative TA-Luft-Minderungsmaßnahme und Aussetzung der Sanierungsfristen zeigt, dass Fachlichkeit am Ende stärker sein kann als Ideologie, wenn man beharrlich bleibt. Diese Erfolge sind keine Selbstläufer. Sie sind das Ergebnis vieler Gespräche, klarer Positionen und nicht zuletzt eines Berufsstandes, der bereit war, Haltung zu zeigen. Die Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung hat einmal mehr deutlich gemacht: Wenn wir uns bewegen, bewegt sich auch die Politik. Schweigen hingegen kostet. Mit Blick auf 2026 dürfen wir uns jedoch nichts vormachen. Die Herausforderungen werden größer, die Konflikte härter. Die Vorschläge der EU-Kommission zum künftigen Agrarhaushalt bedrohen die wirtschaftliche Basis unserer Betriebe, insbesondere in Ostdeutschland. Die Auflösung der Zwei-Säulen-Struktur, pauschale Kappungen und Renationalisierung würden Strukturen zerstören, Arbeitsplätze gefährden und Investitionen abwürgen. Das ist kein Reformansatz, das ist ein Strukturbruch. Hier werden wir als Verband keinen Millimeter nachgeben.

Gleichzeitig spitzt sich die Lage in vielen betrieblichen Kernfragen weiter zu: Ein wirksamer Pflanzenschutz wird immer stärker eingeschränkt, während Ertragssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit weiterhin erwartet werden. Genehmigungsverfahren im Stallbau dauern zu lange, Tierwohl kostet Geld, das oft nicht erwirtschaftet werden kann und der Strukturwandel in der Tierhaltung schreitet voran. Dazu kommen ungelöste Konflikte beim Wolfsmanagement, bei Seuchenvorsorge und bei der Bürokratie, die vielerorts eher lähmt als unterstützt.

Unsere Forderungen für 2026 sind deshalb klar und nicht verhandelbar: Planungssicherheit statt Dauerexperiment, praxistaugliche Regeln statt Symbolpolitik, ein eigenständiges Agrarbudget mit fairer Verteilung, ein funktionsfähiger Pflanzenschutz, echte Entlastung beim Bürokratieaufwand und Investitionsbedingungen, die Modernisierung ermöglichen statt verhindern. Landwirtschaft braucht Verlässlichkeit – keine ständig wechselnden Spielregeln. All das werden wir nur erreichen, wenn wir geschlossen auftreten. Die Landesvertreterversammlung und der agrarpolitische Jahresabschluss haben gezeigt, dass unser Verband wirkt, wenn er klar, sachlich und gemeinsam handelt. Dieser Zusammenhalt ist unsere größte Stärke. Er entscheidet darüber, ob wir Gestaltungspartner bleiben oder zum Spielball politischer Entscheidungen werden.

2026 wird uns nichts geschenkt. Aber wir haben 2025 bewiesen, dass wir etwas erreichen können, wenn wir zusammenstehen, wenn wir uns einbringen und wenn wir bereit sind, für unsere Betriebe, unsere Familien und unsere Regionen einzustehen. Genau darauf kommt es jetzt an.

 

 

 

 

Dezember 2025

Themenschwerpunkt:

Jahresausklang mit zahlreichen Veranstaltungen

Zwischen politischen Weichenstellungen und GAP-Diskussion

 
Inhalt:

Tagungen im Überblick                  3

Neues zur TA-Luft                         4 - 9

Exkursion                                      9  

Rückblick zum Projekt Strip Till      13  

 

Landwirtschaft zwischen Regulierung und Zukunftsaufgaben

von Beate Köber-Fleck, Hauptgeschäftsführerin des Thüringer Bauernverbandes

Die Luft bleibt dünn. Auch 2025 hat der Landwirtschaft und dem Verband viel abverlangt. Die Erwartungen an die neue GAP-Periode ab 2028, die fortlaufenden Anpassungen digitaler Verwaltungsinstrumente sowie die komplexen Anforderungen an Flächenmeldung und Bewirtschaftungsnachweise stellten die Betriebe vor Herausforderungen. Und doch zeigt sich, dass die Branche handlungsfähig bleibt. In den Gesprächen mit den Thüringer Ministerien und Behörden wurde deutlich, dass viele Fragen gemeinsam lösbar sind und der Austausch auf Augenhöhe stattfindet. Witterungsseitig zeigte sich das Jahr im Freistaat erneut sehr unterschiedlich. Die regional stark abweichenden Niederschläge führten zu teils deutlichen Unterschieden bei Bodenfeuchte und Erträgen. Einige Regionen konnten von guten Regenphasen profitieren, andere litten unter langanhaltendem
Feuchtemangel. Genau diese Vielfalt macht sichtbar, wie wichtig Anpassungsfähigkeit und vorausschauende Betriebsführung geworden sind und wie viel die Thüringer Landwirtschaft trotz widriger Bedingungen leistet. Durch Demonstrationen haben wir für 2025 erreicht, dass die Bundesregierung bei den geplanten Einschnitten zurückrudert. Der ursprünglich vorgesehene schrittweise Wegfall von Steuervergünstigungen, darunter der Agrardieselrabatt und die Kfz-Steuerbefreiung für landwirtschaftliche Fahrzeuge, wurde nicht wie angekündigt umgesetzt. Statt einer sofortigen Streichung wurden die Maßnahmen ausgesetzt. Damit zeigt sich klar: Der
Protest hat Wirkung gezeigt und politische Entscheidungen spürbar beeinflusst.

Die Diskussionen rund um die GAP ab 2028 prägten die europäische Agrarpolitik in diesem Jahr. Der aktuelle Entwurf stößt auf große Kritik, doch gerade deshalb ist es wichtig, dass die betroffenen Berufsstände ihre Stimme erheben. Der Verband bringt seine Argumente in Brüssel, Berlin und Erfurt klar ein und trägt dazu bei, dass praktische Erfahrung und regionale Besonderheiten in den politischen Prozess einfließen. Die nächsten Monate bieten die Chance, die Rahmenbedingungen entscheidend mitzugestalten.

Auch der Umbau der Nutztierhaltung bleibt ein zentrales Thema. Die politischen Ziele sind formuliert, doch die Finanzierung ist weiterhin unzureichend. Umso wichtiger war die Entscheidung unseres Umweltministers Tilo Kummer, bei der TA-Luft eine Regelung nach sächsischem Vorbild auf den Weg zu bringen. Dieser Schritt schafft erstmals ein Stück Planungssicherheit – ein Signal, das zeigt, dass sich beharrliche Argumentation lohnt.

Im Energiesektor bleibt der Druck hoch, gleichzeitig entstehen neue Chancen: Die Nachfrage nach Photovoltaik und Windkraft ist ungebrochen und viele Betriebe prüfen ihre Möglichkeiten. Der Verband unterstützt hierbei gezielt und trägt dazu bei, Fehlentwicklungen zu vermeiden und nachhaltige Perspektiven zu eröffnen. Unsere Positionierungen werden fortlaufend weiterentwickelt, damit die Betriebe auch in einem dynamischen Umfeld sicher agieren können.

Die großen agrarpolitischen Themen, Wolf, Grundsteuerreform, Pflanzenschutz, begleiten uns weiterhin. Gleichzeitig gewinnt die Klimabilanzierung an Bedeutung. Immer mehr Betriebe stellen sich dieser Aufgabe aktiv und bauen damit ein Fundament für künftige Marktanforderungen und Förderzugänge. Das zeigt: Die Landwirtschaft gestaltet nicht nur mit, sie geht voran.

Die Landesverwaltung hat zugesagt, die ausstehenden Fördermittel bis Ende Dezember 2025 auszuzahlen. Das schafft Zuversicht für viele Betriebe, die auf einen verlässlichen Jahresabschluss angewiesen sind. Der Verband wird die Entwicklung weiter eng begleiten, damit die zugesagte Entlastung tatsächlich bei den Betrieben ankommt.

Trotz aller Herausforderungen zeigt das Jahr eindrücklich, wie leistungsfähig unsere Geschäftsstelle ist und wie wichtig das Engagement der Ehrenamtlichen bleibt. Landwirtinnen und Landwirte, die ihre Erfahrungen einbringen, öffentlich Position beziehen und fachlich mitarbeiten, geben der Landwirtschaft Gesicht und Gewicht. Die kommenden Monate werden anspruchsvoll bleiben – doch die Thüringer Landwirtschaft hat mehrfach bewiesen, dass sie Krisen nicht nur übersteht, sondern daraus gestärkt hervorgehen kann.

 

 

 

 

November 2025

Themenschwerpunkt:

Nachwuchs sichern – Zukunft gestalten

Berufsausbildung in den grünen Berufen als Schlüssel zur Fachkräftesicherung

 
Inhalt:

PORTIA-Umfrage                                      3

Rund ums Thema Bildung                         4 - 9

Strip Till-Projekttreffen                            9  

Positionspapier Grünlandverband             13  

 

Berufsausbildung in den grünen Berufen – Schlüssel zur Fachkräftesicherung

von Dirk Reichelt, Vorsitzender des Fachausschusses Bildung beim Thüringer Bauernverband

Wieder hat ein Ausbildungsjahr begonnen – und Dank gilt allen, die über Berufsmessen, Aktivitäten an Schulen, über ihre Internetauftritte oder andere geeignete Maßnahmen für eine Berufsausbildung im Bereich der Landwirtschaft geworben haben. Dieses Engagement ist unverzichtbar, um junge Menschen für die grünen Berufe zu begeistern und ihnen attraktive berufliche Perspektiven aufzuzeigen.
Die Berufsausbildung in den grünen Berufen ist ein zentraler Baustein zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau und verwandten Bereichen. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels und steigender Qualifikationsanforderungen kommt ihr eine entscheidende Bedeutung zu: Sie eröffnet jungen Menschen Zukunftschancen und sichert zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Allerdings beginnen viele Jugendliche ihre Ausbildung mit eingeschränkter Ausbildungsreife. Dies stellt sowohl die Ausbildungsbetriebe als auch die Berufsschulen vor erhebliche Herausforderungen. Umso wichtiger ist ein enges Zusammenspiel aller Beteiligten: Betriebe, Berufsschulen, überbetriebliche Ausbildungsstätten, Eltern und unterstützende Partner müssen gemeinsam daran arbeiten, vorhandene Defizite auszugleichen und die Motivation der Auszubildenden zu stärken.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für gelingende Ausbildung ist Kommunikation. Regelmäßige Gespräche mit den Auszubildenden, klare Zielvereinbarungen und ein offenes Ohr für ihre Anliegen tragen entscheidend zum Erfolg bei. So können Schwierigkeiten frühzeitig erkannt und die persönliche sowie fachliche Entwicklung der jungen Menschen gezielt gefördert werden. Auch ausbildungsvorgelagerte Praktika bieten wertvolle Chancen, Erwartungen und Anforderungen beider Seiten abzugleichen. Betriebe, die sich aktiv an Programmen wie „Tag in der Praxis (TIP)“ oder den Angeboten der Praxiskoordinatoren von IHK, HWK und den Schulämtern in Thüringen beteiligen, zeigen Weitsicht und Engagement. Besonders hervorzuheben sind die Aktivitäten der Ausbildungsbetriebe in Ausbildungsverbünden – insbesondere in Südthüringen sowie in den Landkreisen Saale-Orla, Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Holzland. Diese Initiativen, koordiniert durch die Kreisbauernverbände, leisten einen bedeutenden Beitrag zur Qualitätssicherung und Fachkräfteentwicklung in der Region. Durch gemeinsame Ausbildungsstrukturen, intensiven Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung entsteht ein starkes Netzwerk, das jungen Menschen praxisnahe Perspektiven eröffnet und den Betrieben hilft, qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Allen Ausbilderinnen und Ausbildern gebührt an dieser Stelle besondere Anerkennung. Mit ihrem Einsatz, ihrer Geduld und ihrer Begeisterung tragen sie maßgeblich dazu bei, dass die grünen Berufe auch künftig engagierte und gut ausgebildete Fachkräfte hervorbringen – eine unverzichtbare Grundlage für eine nachhaltige und leistungsfähige Landwirtschaft in Thüringen.

 

 

 

Oktober 2025

Themenschwerpunkt:

Zum Wohl der Tiere

Handlungsspielraum für bewährte Praxis und Innovation zulassen

 
Inhalt:

Tierschutzpreis                                        4/8

Europagespräch                                       6

Erneuerbare Energien                               7  

Zeugnisübergaben                                   12/13    

 

Mehr Verlässlichkeit für unsere Betriebe

von Toralf Müller, Vizepräsident des Thüringer Bauernverbandes

Von Tierseuchen über Stallumbau bis hin zur Haltungskennzeichnung – die Themenbreite zeigt, wie viel Verantwortung auf den Schultern unserer Tierhalter liegt. Die Anforderungen steigen stetig, die Erwartungen von Politik und Gesellschaft ebenso. Doch zwischen neuen Auflagen, technischen Vorgaben und moralischen Ansprüchen darf nicht verloren gehen, worum es in der Landwirtschaft
im Kern geht: um das Wohl der Tiere, die Fachkompetenz der Menschen, die sie betreuen und um die Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen, unter denen sie arbeiten. Tierhaltung braucht nicht immer neue Vorschriften, sondern den nötigen Handlungsspielraum, um bewährte Praxis fortzuführen und Innovation zuzulassen. Die Rahmenbedingungen sind komplex: neue Anforderungen durch TA-Luft, Stallumbaupflichten, Tierhaltungskennzeichnung oder steigende Dokumentationspflichten. Einzeln aber vor allem auch in Summe betrachtet, drohen diese Maßnahmen unsere Betriebe zu überfordern. Unsere Betriebe sollen Tierwohlstandards erhöhen, Emissionen mindern, Ställe umbauen und zugleich international konkurrenzfähig bleiben. Und das mit immer weniger Planungssicherheit. Diese Gleichung geht nicht auf. Die Politik ist gefordert, Verlässlichkeit zu schaffen, Fristen realistisch zu gestalten und bewährte Systeme stärker einzubinden, statt neue Bürokratieebenen zu schaffen. Denn wenn wir Tierhaltung in Thüringen erhalten wollen, müssen die politischen Entscheidungsträger endlich anfangen wieder von der Praxis her zu denken.

 

 

Thüringer Bauernverband e.V.
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99094 Erfurt

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Fax: +49 (0)361 262 532 25
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