TBV - Journal

September 2025

Themenschwerpunkt:

Wohin steuert die Agrarpolitik?

Ein erstes Resümee zur Arbeit der Bundes- und Landesregierung

 
Inhalt:

Tierseuchen: Lumpy Skin Disease                3

Erntepressekonferenz                                6

NATURA-2000- Preis                                  8

Strip Till Thüringen 2.0                               12    

 

100 Tage Bundes- und Landesregierung – Wohin steuert die Agrarpolitik?

von Beate Köber-Fleck, Hauptgeschäftsführerin des Thüringer Bauernverbandes

Hundert Tage reichen nicht für ein endgültiges Urteil, wohl aber, um die Richtung zu erkennen. Die Bundesregierung hat mit der Wiedereinführung der Agrardiesel-Rückerstattung und der Abschaffung der Stoffstrombilanz erste Schritte getan. Das sind wichtige Entlastungen, die wir als Berufsstand lange und vehement eingefordert haben. Doch dabei darf es nicht bleiben. Die großen Aufgaben – Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und der längst überfällige Bürokratieabbau – stehen noch aus. Mit Blick auf die GAP ab 2028 muss klar sein: Ohne eine verlässliche Einkommenssicherung werden viele Betriebe keine Zukunft haben. In Thüringen konnten wir als Verband gemeinsam in den ersten 100 Tagen der neuen Landesregierung konkrete Verbesserungen erreichen. Unser beharrlicher Einsatz hat dazu geführt, dass die Ausgleichszulage (AGZ) nicht wie ursprünglich geplant auf 12 Millionen Euro gekürzt wird, sondern bis 2027 mit 16 Millionen Euro erhalten bleibt. Eine langjährige Forderung des TBV wurde erfüllt mit der Klarstellung beim Düngeverbot nach Bodenzustand, wodurch unsere Betriebe endlich wieder bedarfsgerecht düngen können. Auch die Thüringer Initiative zur Herabsetzung des Wolfsschutzstatus auf Bundesebene wäre ohne unseren Druck kaum möglich gewesen. Ebenso haben wir im Bundesrat erreicht, dass Thüringen unsere Anliegen zur
Saatgutordnung und zur Stärkung der Vermehrungsbetriebe unterstützt. Darüber hinaus ist es uns gelungen, das drohende Bürokratiemonster „Flächenregister“ vorerst zu stoppen – ein klarer Erfolg unserer kontinuierlichen Arbeit.

Gleichwohl bleibt der Bürokratieabbau insgesamt Stückwerk und bei der Grundsteuer A verweigert sich die Politik nach wie vor einer Lösung. Diese Beispiele zeigen, dass unser Engagement wirkt – aber sie machen auch deutlich, dass wir den Druck weiter hochhalten müssen.

Besonders besorgniserregend sind die Entwürfe der EU-Kommission zur GAP ab 2028. Kürzungen von mindestens 20 Prozent, Kappung und Degression würden gerade unsere  leistungsfähigen ostdeutschen Betriebe massiv treffen. Wer hier glaubt, die Folgen seien zu verkraften, verkennt die Realität. Es geht nicht nur um die Betriebe, sondern um die wirtschaftliche Grundlage ganzer Regionen. Von Bürokratieabbau kann keine Rede sein – im Gegenteil, es droht noch mehr Komplexität und weniger Transparenz.

Für uns als Berufsstand heißt das: Wir müssen unsere Positionen geschlossen und klar vertreten – in Erfurt, in Berlin und in Brüssel. Nur wenn wir mit starker Stimme auftreten, können wir erreichen, dass unsere Landwirtschaft nicht durch Kürzungen und Auflagen geschwächt, sondern für die Zukunft gestärkt wird.

 

 



August 2025

Themenschwerpunkt:

Ernte 2025: Zwischen Rekordmengen und Preisfrust

Erträge treffen auf schwache Preise und steigenden Kostendruck

 
Inhalt:

Agrarpolitik                                                   3

Flurfahrt mit dem Ministerpräsidenten           6

Update zur TA-Luft                                        7

Gefl ügelwirtschaftsverband stellt sich vor     13    

 

Rekorde auf dem Papier – Sorgen auf dem Feld

von Gerd Halbauer, Vorsitzender des Fachausschusses Pflanzenbau beim Thüringer Bauernverband

Die Zahlen sprechen für sich: Weltweit steu-ert die Getreideernte 2025/26 auf ein Re-kordhoch von knapp 2,93 Milliarden Ton-nen zu – ein Plus von über zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Währenddessen korrigiert die EU-Kommission ihre Progno-sen für Deutschland und Europa leicht nach unten, dennoch bleibt auch hier das Ernte-volumen überdurchschnittlich hoch.
Was global nach einem Erfolg klingt, stellt für viele Betriebe in Thüringen eine wirtschaftliche Belastung dar. Steigende Lagerbestände und eine gesicherte Versorgung drücken die Erzeugerpreise – das klassische Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Der nasse Juni und Juli haben die Ernte verzögert, doch das sonnige Augustwetter ermöglichte letztlich doch den Einsatz der Mähdrescher. Das rettet die Ernte, aber nicht den Preis.
Seit Mai beobachten wir fallende Erzeugerpreise gegenüber dem Vorjahr (30 bis 40 Prozent unter dem Vorjahr, durch alle Kulturen). Preisbewegungen an den internationalen Börsen, oft von Spekulationen getrieben, verstärken die Marktschwankungen zusätzlich. Für viele Betriebe wird es damit immer schwerer, kostendeckend zu wirtschaften.
In Sachen Effizienz sind unsere Betriebe bereits am Limit. Technisch hochgerüstet, personell gut ausgebildet und nach guter fachlicher Praxis geführt. Trotzdem bleibt unsere Kostenstruktur im internationalen Vergleich deutlich höher. Eine Ursache liegt im politischen Rahmen: Sozial-, Umwelt- und Arbeitsstandards treiben die Produktionskosten in die Höhe. Was aus gesellschaftlicher Sicht nachvollziehbar sein mag, führt im Wettbewerb mit Weltmarktanbietern jedoch zu Wettbewerbsnachteilen, die oft übersehen werden.
Daher braucht es mehr als agrarpolitische Sonntagsreden. Es braucht eine klare politische Anerkennung der Marktstellung unserer heimischen Landwirtschaft – gerade bei Erntemengen, die weltweit in Rekorden gemessen werden, aber betriebswirtschaftlich kaum noch Spielräume lassen. Der Thüringer Bauernverband wird diesen Aspekt weiterhin in den politischen Raum tragen – zum Beispiel bei der Erntepressekonferenz mit dem Landwirtschaftsministerium.
Unsere Landwirtschaft kann Leistung – aber sie braucht auch Rahmenbedingungen, die faire Märkte ermöglichen. Wer Versorgungssicherheit langfristig will, muss Wirtschaftlichkeit heute mitdenken.

 

 



Juli 2025

Themenschwerpunkt:

Digitale Landwirtschaft braucht Sicherheit

Neue Anforderungen und Unterstützungsangebote

 
Inhalt:

Thüringen bereitet sich auf den Ernstfall vor    6

Anpassung der Ausgleichszulage ab 2026         6

Förderpolitik ab 2028                                       7

Flurfahrten                                                      8/ 9    

 

Cyberangriffe gehören zum Alltag, sie zählen zu den größten wirtschaftlichen Risiken für Unternehmen

von Ralf Gumpert, Kreisvorsitzender des Kreisbauernverbandes Ilm-Kreis

Digitalisierung ist längst Bestandteil unseres landwirtschaftlichen Alltags: Melkroboter, Fütterungssysteme, Wetterdaten, Ackerschlagkartei, Personalverwaltung – alles läuft heute digital oder ist zumindest digital unterstützt. Damit wachsen auch die Anforderungen an die Sicherheit unserer Systeme. Wer meint, Cybersicherheit sei ein Thema für Banken und Großkonzerne, der irrt. Auch wir Landwirte sind im Visier von Cyberkriminellen. Und auch wir tragen Verantwortung – für Daten, für Technik und für einen reibungslosen Betriebsablauf.
In unserem Unternehmen haben wir früh erkannt: Datenschutz und IT-Sicherheit sind keine Nebensache, sondern Teil moderner Betriebsführung. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) war für viele von uns der erste Weckruf. Sie hat nicht nur für mehr Sensibilität gesorgt, sondern auch gezeigt, wie schnell Verstöße zu echten Problemen werden können – sei es durch Bußgelder, Systemausfälle oder Vertrauensverlust bei Kunden, Pächtern und Partnern.
Der Thüringer Bauernverband unterstützt uns in diesen Fragen umfassend – mit Beratung, Schulungen und aktuellen Informationen. Dieses Angebot habe ich für mich selbst und für meine Mitarbeitenden genutzt. Gerade die praxisnahen Schulungen, in denen reale Vorfälle besprochen und konkrete Schutzmaßnahmen vermittelt werden, sind eine wertvolle Hilfe. Denn IT-Sicherheit beginnt beim Bewusstsein – und lebt vom richtigen Verhalten im Alltag.
Mit der NIS2-Richtlinie steht zudem ein neues Regelwerk in den Startlöchern, das auch größere landwirtschaftliche Betriebe betreffen kann. Zwar gelten die hohen Schwellenwerte zunächst nur für Betriebe mit über 50 Mitarbeitenden oder mehr als 10 Millionen Euro Umsatz, doch eines ist klar: Die Richtung ist vorgegeben. In Zukunft wird niemand mehr ganz außen vor bleiben. Dabei geht es nicht nur um gesetzliche Pfl ichten, sondern auch um betriebliche Resilienz. Ein einziger erfolgreicher Cyberangriff kann digitale Steuerungssysteme lahmlegen, sensible Daten offenlegen oder Betriebsprozesse komplett blockieren. Wer vorbereitet ist, reduziert Risiken, schützt Investitionen – und bewahrt sich die eigene Handlungsfähigkeit.
Mein Appell an alle Berufskollegen: Nutzen Sie vorhandene Unterstützungsangebote vom TBV, der Bitkom und anderen Anbietern. Prüfen Sie Ihre Systeme. Machen Sie sich mit den Anforderungen vertraut. Und vor allem: Binden Sie Ihre Mitarbeitenden ein – denn der beste Virenschutz nützt nichts, wenn ein unbedachter Klick alles ins Wanken bringt.
Landwirtschaft ist längst Hightech. Also sorgen wir gemeinsam dafür, dass sie auch sicher bleibt. 

 

 



Juni 2025

Themenschwerpunkt:

Weidetierhaltung in Gefahr

Thüringer Bauernverband bekräftigt Forderungen nach aktivem Wolfsmanagement

 
Inhalt:

10 Jahre IGS                                                      6

Landwirtschaftskonferenz Kyffhäuserkreis         6

Hüteesel                                                           10/ 11

Wahlen beim LuFAGV                                         13     

 

Wir brauchen endlich ein aktives Wolfsmanagement

von Toralf Hildebrand, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Gotha

Seit Jahren begleiten uns die immer gleichen Bilder: gerissene Lämmer, panische Muttertiere, zerstörte Zäune – und die immer gleiche Reaktion von Politik und Behörden: Verständnis, Bekundungen, Prüfaufträge. Doch was wir brauchen, sind keine Worte mehr. Wir brauchen Taten. Und zwar jetzt. Als Geschäftsführer der Agrargesellschaft Mittleres Nessetal, die rund 450 Hektar Grünland bewirtschaftet und sich auf Mutterschafhaltung und Lämmermast spezialisiert hat, weiß ich, wovon ich spreche. Unsere Schafe beweiden das Land, erhalten die Artenvielfalt und prägen das Gesicht unserer Kulturlandschaft. Doch diese Arbeit wird immer mehr zur Zumutung. Denn mit der Rückkehr des Wolfes ist die tägliche Sorge um unsere Tiere zur bitteren Realität geworden. Im Jahr 2025 wurden in Thüringen bereits über 60 Schadensereignisse gemeldet – mehr als im gesamten Vorjahr. Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher liegen. Der Thüringer Bauernverband hat sich klar positioniert und in einem Brief an Umweltminister Tilo Kummer erneut gefordert, den Wolf ins Bundesjagdrecht aufzunehmen, seinen Schutzstatus auf nationaler Ebene zu senken und endlich eine praktikable rechtliche Grundlage zur Entnahme zu schaffen. Auch das EU-Parlament hat mit seiner Entscheidung zur Herabstufung des Schutzstatus in der FFH-Richtlinie ein wichtiges Zeichen gesetzt. Doch wenn nationale Gesetze dem nicht folgen, bleibt alles beim Alten. Es liegt nun an Bund und Ländern, diese Vorhaben zügig und in enger Abstimmung mit den Betroffenen umzusetzen.

Gleichzeitig sind Verbesserungen bei der Rissdokumentation notwendig. Die neue Spalte zum „optimalen Herdenschutz“ in der Schadensbewertung des Kompetenzzentrums Wolf, Biber, Luchs führt in der Praxis zu Irritationen – und kann leicht als pauschale Schuldzuweisung an Tierhalter verstanden werden. Hier braucht es eine differenzierte
Betrachtung und faire Verfahren. Die Weidetierhaltung steht unter massivem Druck – wirtschaftlich, organisatorisch und emotional. Es geht nicht allein um Tiere, es geht um Existenzen. Um Familienbetriebe, die das Rückgrat des ländlichen Raums bilden. Um junge Menschen, die überlegen, ob sie sich diese Zukunft noch antun sollen. Es geht um das Gleichgewicht sowie um tragfähige Lösungen, welche Sicherheit für unsere Tiere schaffen und unseren Betrieben eine Zukunftsperspektive bieten. Ein echtes Wolfsmanagement bedeutet: zählbare Grenzen für Wolfsterritorien, transparente und zügige Entschädigungen bei Rissen, eine Rücknahme des faktischen Totalverbotes jeder Entnahme und vor allem das Recht, Weidetierhaltung auch künftig wirtschaftlich betreiben zu können.

Wir Weidetierhalter sind nicht gegen den Wolf, aber wir sind dagegen, ihn auf Kosten unserer Tiere zu schützen. Es geht nicht um Emotionen, sondern um Verantwortung. Die Koalitionsparteien auf Bundes- und Landesebene müssen jetzt beweisen, dass
sie es ernst meinen mit dem Schutz des ländlichen Raumes. Die Weidetierhaltung ist systemrelevant – ökologisch, kulturell, wirtschaftlich. Wenn sie kippt, kippt weit mehr als nur ein Betriebszweig. Der Wolf braucht Management. Der Wolf muss lernen mit dem Menschen zu leben und nicht anders herum. Und wir brauchen Rechtssicherheit.

 

 



Mai 2025

Themenschwerpunkt:

Die Chance, alte Fehler zu korrigieren

Petition, Landwirte-Camp, neues Bundeskabinett und Koalitionsvertrag

 
Inhalt:

Petition & Landwirte-Camp      3

Rehkitzrettung                          6

Thüringentag                            8

Strip Till-Kooperation               12/ 13    

 

Nicht lockerlassen – Verantwortung beginnt mit klaren Entscheidungen

von Michael König, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Thüringer Bauernverbandes

Die vergangenen Wochen waren ereignisreich – für den Berufsstand, für die Politik und für den Thüringer Bauernverband. Am 24. April wurde unsere Petition gegen das verpflichtende Flächenregister im Thüringer Landtag öffentlich angehört. Begleitet von einem Landwirte-Camp, intensiven Gesprächen mit Abgeordneten und einer klaren Botschaft: So nicht! Es ist und bleibt unsere Überzeugung, dass ein solches Register weder notwendig noch praxistauglich ist – und schlicht zu weiterer Bürokratie führt, die unsere Betriebe in ihrer Existenzfähigkeit gefährdet. Die Aussagen in der Anhörung – ob von IG BENA, weiteren Praxisvertretern oder Softwareanbietern – waren deutlich. Es gibt keinen Bedarf für ein weiteres System, das in Parallelität zu bestehenden Anwendungen läuft und zusätzliche Fehlerquellen öffnet. Die von Staatssekretär Malsch zugesicherte Freiwilligkeit ist ein erster Schritt. Doch wer sich mit dem Thema auskennt, weiß: Aus Freiwilligkeit wird allzu schnell faktischer Zwang – sei es durch Förderbedingungen oder Verwaltungspraxis. Deshalb werden wir weiterhin wachsam sein und fordern: vollständiger Verzicht auf dieses Bürokratiemonster. 

Gleichzeitig wurden in Berlin die Weichen neu gestellt: Mit der Wahl von Friedrich Merz zum Bundeskanzler, der Kabinettsbildung und dem neuen Koalitions-vertrag beginnt eine neue politische Etappe. Für die Landwirtschaft bedeutet das vor allem eines: Wir müssen genau hinschauen – und Druck machen. Der Koalitionsvertrag enthält viele Prüfaufträge, einige positive Ansätze – aber auch gefährliche Leerstellen. Die Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung ist ebenso vage formuliert wie die versprochenen Maßnahmen zum Bürokratieabbau. Wir begrüßen die angekündigte Vereinfachung der GAP-Förderung, die Stärkung der Tierhaltung durch Bestandsschutz und die steuerliche Risikoausgleichsrücklage. Gleichzeitig bleibt es ein Ärgernis, dass bei Mindestlohnregelungen für Saisonarbeitskräfte kein Spielraum vorgesehen ist – obwohl gerade hier die Wettbewerbsfähigkeit massiv leidet. Ebenfalls kritisch ist das geplante Naturflächenbedarfsgesetz – ein eindeutiger Angriff auf unser Eigentum und unsere Flächen.

Wir sagen klar: Flächensicherung hat oberste Priorität! Wer dem ländlichen Raum die Grundlage entzieht, handelt gegen jede Form von Nachhaltigkeit.
Ein Hoffnungsschimmer ist der neue Zuschnitt des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Die Übernahme der Zuständigkeit für Heimat und gleichwertige Lebensverhältnisse kann – bei kluger Ausgestaltung – zu einer echten Chance für unsere Regionen werden. Entscheidend wird sein, ob der neue Minister Rainer und sein Team diese Verantwortung annehmen – und nicht nur verwalten. Für uns als Thüringer Bauernverband gilt: Wir sind bereit, den Dialog zu führen. Aber wir erwarten auch, dass Zusagen eingehalten, Verfahren vereinfacht und Eigentum respektiert werden. Wir erwarten endlich eine Politik, die auf unsere Realität hört – nicht auf Schreibtischfantasien.

Die Petition zum Flächenregister hat gezeigt, was wir erreichen können, wenn wir geschlossen auftreten. Der Regierungswechsel in Berlin bietet nun die Chance, alte Fehler zu korrigieren. Beides ist Verpflichtung und Ansporn zugleich: Wir bleiben dran – mit Argumenten, mit Engagement und mit der Kraft unseres Berufsstandes – für unsere Betriebe, unsere Mitarbeiter, unsere Kollegen, unseren ländlichen Raum, unsere Heimat.

 

 



April 2025

Themenschwerpunkt:

Herausforderungen damals und heute

Gedenkjahr „500 Jahre Bauernkrieg“ 

 
Inhalt:

TBV-WhatsApp-Kanal abonnieren!     3

Exkursion KBV Ilm-Kreis/ Gotha         5

Wahlen in den KBV                            7

Junglandwirtestammtisch                 12    

 

Zwischen Aufbegehren und Verantwortung: 500 Jahre bäuerlicher Kampfgeist

von Toralf Müller, Vizepräsident des Thüringer Bauernverbandes

Vor 500 Jahren erhoben sich zehntausen-de Bauern gegen Unterdrückung, Willkür und soziale Ungerechtigkeit. Was heute als „Deutscher Bauernkrieg“ in die Geschichte eingegangen ist, war eine zutiefst mensch-liche Reaktion auf Missstände – getragen vom Wunsch nach Mitbestimmung, wirt-schaftlicher Sicherheit und gesellschaftlicher Anerkennung. Heute leben wir in einer an-deren Zeit. Wir sind keine Untertanen mehr, sondern Unternehmer, Arbeitgeber, Versorger und Bewirtschafter wertvoller Kultur-landschaften. Doch, manche Themen aus dem Jahr 1525 wirken erstaunlich vertraut: Wer heute als Landwirt tätig ist, weiß, was es heißt, sich unter zunehmendem wirtschaftlichen Druck behaupten zu müssen – sei es durch globale Märkte, politische Vorgaben oder den Klimawandel.

Während sich die Bauern im 16. Jahrhundert gegen Frondienste und Abgaben wehrten, kämpfen wir heute gegen überbordende Bürokratie, mangelnde Wertschätzung für unsere Arbeit und wachsende gesellschaftliche Entfremdung gegenüber der Landwirtschaft. Auch heute geht es um Existenzsicherung, Teilhabe an politischen Entscheidungen und die Anerkennung unserer Lebensleistung.
Dabei dürfen wir aber nicht vergessen: Wir haben heute Möglichkeiten zur Mitgestaltung, die unseren Vorfahren verwehrt waren. Wir haben demokratische Strukturen, eine freie Meinungsäußerung und einen Bauernverband, der unsere Anliegen mit Nachdruck vertritt – in Thüringen, in Berlin, in Brüssel.
Das Gedenkjahr „500 Jahre Bauernkrieg“ sollte uns daran erinnern, dass die Ge-schichte der Landwirtschaft immer auch eine Geschichte des Ringens um Gerechtigkeit war. Und es sollte uns Mut machen, diesen Weg mit Klarheit, Solidarität und dem nötigen Selbstbewusstsein weiterzugehen. Denn die Herausforderungen mögen sich geändert haben – aber der bäuerliche Geist, der sich nicht unterkriegen lässt, der lebt weiter. In jedem von uns. Daher, macht alle mit! Lasst uns die Möglichkeiten zur Mitgestaltung in unseren demokratischen Strukturen – die freie Meinungsäußerung und unseren Verband nutzen, um unsere Anliegen zu vertreten und Akzeptanz dafür zu schaffen.

 

 



März 2025

Themenschwerpunkt:

Plattformen für den Dialog

Fachlicher Austausch zum Thüringer Milchtag & den Oßmannstedter Gesprächen

 
Inhalt:

Familienbetriebe wählen                     3

Oßmannstedter Gespräche                 5

Grundsteuerreform                             7

Strip-Till-Projekt                               12    

 

Landwirte und Imker – eine langjährige Partnerschaft

von Doreen Rath, Vizepräsidentin des Thüringer Bauernverbandes

Landwirte und Imker sind seit jeher Erntepartner – sie arbeiten mit und in der Natur, produzieren hochwertige Lebensmittel und tragen gemeinsam zum Erhalt unserer Kulturlandschaft bei. Wenn man es genau betrachtet, sind sich Landwirte und Imker in vielerlei Hinsicht doch erstaunlich ähnlich: sobald die ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr kommen, werden beide unruhig und müssen raus auf die Felder. Zudem stehen beide regelmäßig vor der Herausforderung, dass ihre „Mitarbeiter“ ihren eigenen Kopf haben – sei es die Biene, die lieber zur Nachbarwiese fliegt, oder die Milchkuh, die sich ausgerechnet den matschigsten Fleck auf der Weide zum Liegen aussucht.
Natürlich gibt es auch Reibungspunkte, insbesondere wenn es um die Themen Pflanzenschutz und Flächenbewirtschaftung geht. Da können die Meinungen schonmal weit auseinander gehen. Umso wichtiger sind eine sachlich fundierte Aufklärung, gegenseitiges Verständnis und ein bisschen Vertrauen. Oftmals liegt es aber auch an politischen Vorgaben, die beiden das Leben schwer machen. Zu nennen wäre hier beispielsweise das Beizverbot im Raps. Der Raps spielt in Deutschland eine zentrale Rolle – sowohl in der Fruchtfolge der Landwirte als auch als Trachtpflanze für Bienen. Mit seinem frühen Blühzeitpunkt, seinem hochwertigen Pollen und seinem reichen Nektarfluss ist er eine der wichtigsten
Nahrungsquellen für Honigbienen und viele andere Bestäuber und damit die „Cash-Crop“ für Imker. Gleichzeitig liefert Raps wertvolles Öl für Lebensmittel, Biodiesel und Viehfutter. Durch das Beizverbot müssen Landwirte nun häufiger großflächig mit Insektiziden spritzen, um Schädlinge wie den Rapserdfloh oder die Kleine Kohlfliege zu kontrollieren. Hierdurch entfaltet sich jedoch oft eine breitere Wirkung auf Nützlinge als das bei der Saatgutbeizung der Fall ist, die gezielter und wirkstoffsparender wirkt. Der Wegfall relevanter Lösungen und Wirkstoffe im Pflanzenschutz beim Raps führt unweigerlich zu Behandlungslücken gegen Schädlinge und Krankheiten, die für den deutschen Rapsanbau den Verlust von Wettbewerbsfähigkeit bedeuten. Wenn es so weiter geht, wird der Rapsanbau in Thüringen kaum noch ökonomisch abzubilden sein, was dann auch negative Folgen für Imker nach sich zieht. An dieser Stelle sollte also eine differenziertere Betrachtung des Beizverbotes erfolgen.

Die Debatte um den Raps zeigt: Landwirte und Imker sitzen bei vielen Herausforderungen im selben Boot – oder besser gesagt: auf der gleichen Blüte. Nur durch Dialog und gemeinsame Lösungen können wir eine nachhaltige, vielfältige und produktive Kulturlandschaft bewahren. Denn letztlich gilt: „Wo Bauern säen und Bienen fliegen, wächst eine Zukunft für alle.“ 

 

 



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