TBV - Journal

Juli 2025

Themenschwerpunkt:

Digitale Landwirtschaft braucht Sicherheit

Neue Anforderungen und Unterstützungsangebote

 
Inhalt:

Thüringen bereitet sich auf den Ernstfall vor    6

Anpassung der Ausgleichszulage ab 2026         6

Förderpolitik ab 2028                                       7

Flurfahrten                                                      8/ 9    

 

Cyberangriffe gehören zum Alltag, sie zählen zu den größten wirtschaftlichen Risiken für Unternehmen

von Ralf Gumpert, Kreisvorsitzender des Kreisbauernverbandes Ilm-Kreis

Digitalisierung ist längst Bestandteil unseres landwirtschaftlichen Alltags: Melkroboter, Fütterungssysteme, Wetterdaten, Ackerschlagkartei, Personalverwaltung – alles läuft heute digital oder ist zumindest digital unterstützt. Damit wachsen auch die Anforderungen an die Sicherheit unserer Systeme. Wer meint, Cybersicherheit sei ein Thema für Banken und Großkonzerne, der irrt. Auch wir Landwirte sind im Visier von Cyberkriminellen. Und auch wir tragen Verantwortung – für Daten, für Technik und für einen reibungslosen Betriebsablauf.
In unserem Unternehmen haben wir früh erkannt: Datenschutz und IT-Sicherheit sind keine Nebensache, sondern Teil moderner Betriebsführung. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) war für viele von uns der erste Weckruf. Sie hat nicht nur für mehr Sensibilität gesorgt, sondern auch gezeigt, wie schnell Verstöße zu echten Problemen werden können – sei es durch Bußgelder, Systemausfälle oder Vertrauensverlust bei Kunden, Pächtern und Partnern.
Der Thüringer Bauernverband unterstützt uns in diesen Fragen umfassend – mit Beratung, Schulungen und aktuellen Informationen. Dieses Angebot habe ich für mich selbst und für meine Mitarbeitenden genutzt. Gerade die praxisnahen Schulungen, in denen reale Vorfälle besprochen und konkrete Schutzmaßnahmen vermittelt werden, sind eine wertvolle Hilfe. Denn IT-Sicherheit beginnt beim Bewusstsein – und lebt vom richtigen Verhalten im Alltag.
Mit der NIS2-Richtlinie steht zudem ein neues Regelwerk in den Startlöchern, das auch größere landwirtschaftliche Betriebe betreffen kann. Zwar gelten die hohen Schwellenwerte zunächst nur für Betriebe mit über 50 Mitarbeitenden oder mehr als 10 Millionen Euro Umsatz, doch eines ist klar: Die Richtung ist vorgegeben. In Zukunft wird niemand mehr ganz außen vor bleiben. Dabei geht es nicht nur um gesetzliche Pfl ichten, sondern auch um betriebliche Resilienz. Ein einziger erfolgreicher Cyberangriff kann digitale Steuerungssysteme lahmlegen, sensible Daten offenlegen oder Betriebsprozesse komplett blockieren. Wer vorbereitet ist, reduziert Risiken, schützt Investitionen – und bewahrt sich die eigene Handlungsfähigkeit.
Mein Appell an alle Berufskollegen: Nutzen Sie vorhandene Unterstützungsangebote vom TBV, der Bitkom und anderen Anbietern. Prüfen Sie Ihre Systeme. Machen Sie sich mit den Anforderungen vertraut. Und vor allem: Binden Sie Ihre Mitarbeitenden ein – denn der beste Virenschutz nützt nichts, wenn ein unbedachter Klick alles ins Wanken bringt.
Landwirtschaft ist längst Hightech. Also sorgen wir gemeinsam dafür, dass sie auch sicher bleibt. 

 

 



Juni 2025

Themenschwerpunkt:

Weidetierhaltung in Gefahr

Thüringer Bauernverband bekräftigt Forderungen nach aktivem Wolfsmanagement

 
Inhalt:

10 Jahre IGS                                                      6

Landwirtschaftskonferenz Kyffhäuserkreis         6

Hüteesel                                                           10/ 11

Wahlen beim LuFAGV                                         13     

 

Wir brauchen endlich ein aktives Wolfsmanagement

von Toralf Hildebrand, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Gotha

Seit Jahren begleiten uns die immer gleichen Bilder: gerissene Lämmer, panische Muttertiere, zerstörte Zäune – und die immer gleiche Reaktion von Politik und Behörden: Verständnis, Bekundungen, Prüfaufträge. Doch was wir brauchen, sind keine Worte mehr. Wir brauchen Taten. Und zwar jetzt. Als Geschäftsführer der Agrargesellschaft Mittleres Nessetal, die rund 450 Hektar Grünland bewirtschaftet und sich auf Mutterschafhaltung und Lämmermast spezialisiert hat, weiß ich, wovon ich spreche. Unsere Schafe beweiden das Land, erhalten die Artenvielfalt und prägen das Gesicht unserer Kulturlandschaft. Doch diese Arbeit wird immer mehr zur Zumutung. Denn mit der Rückkehr des Wolfes ist die tägliche Sorge um unsere Tiere zur bitteren Realität geworden. Im Jahr 2025 wurden in Thüringen bereits über 60 Schadensereignisse gemeldet – mehr als im gesamten Vorjahr. Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher liegen. Der Thüringer Bauernverband hat sich klar positioniert und in einem Brief an Umweltminister Tilo Kummer erneut gefordert, den Wolf ins Bundesjagdrecht aufzunehmen, seinen Schutzstatus auf nationaler Ebene zu senken und endlich eine praktikable rechtliche Grundlage zur Entnahme zu schaffen. Auch das EU-Parlament hat mit seiner Entscheidung zur Herabstufung des Schutzstatus in der FFH-Richtlinie ein wichtiges Zeichen gesetzt. Doch wenn nationale Gesetze dem nicht folgen, bleibt alles beim Alten. Es liegt nun an Bund und Ländern, diese Vorhaben zügig und in enger Abstimmung mit den Betroffenen umzusetzen.

Gleichzeitig sind Verbesserungen bei der Rissdokumentation notwendig. Die neue Spalte zum „optimalen Herdenschutz“ in der Schadensbewertung des Kompetenzzentrums Wolf, Biber, Luchs führt in der Praxis zu Irritationen – und kann leicht als pauschale Schuldzuweisung an Tierhalter verstanden werden. Hier braucht es eine differenzierte
Betrachtung und faire Verfahren. Die Weidetierhaltung steht unter massivem Druck – wirtschaftlich, organisatorisch und emotional. Es geht nicht allein um Tiere, es geht um Existenzen. Um Familienbetriebe, die das Rückgrat des ländlichen Raums bilden. Um junge Menschen, die überlegen, ob sie sich diese Zukunft noch antun sollen. Es geht um das Gleichgewicht sowie um tragfähige Lösungen, welche Sicherheit für unsere Tiere schaffen und unseren Betrieben eine Zukunftsperspektive bieten. Ein echtes Wolfsmanagement bedeutet: zählbare Grenzen für Wolfsterritorien, transparente und zügige Entschädigungen bei Rissen, eine Rücknahme des faktischen Totalverbotes jeder Entnahme und vor allem das Recht, Weidetierhaltung auch künftig wirtschaftlich betreiben zu können.

Wir Weidetierhalter sind nicht gegen den Wolf, aber wir sind dagegen, ihn auf Kosten unserer Tiere zu schützen. Es geht nicht um Emotionen, sondern um Verantwortung. Die Koalitionsparteien auf Bundes- und Landesebene müssen jetzt beweisen, dass
sie es ernst meinen mit dem Schutz des ländlichen Raumes. Die Weidetierhaltung ist systemrelevant – ökologisch, kulturell, wirtschaftlich. Wenn sie kippt, kippt weit mehr als nur ein Betriebszweig. Der Wolf braucht Management. Der Wolf muss lernen mit dem Menschen zu leben und nicht anders herum. Und wir brauchen Rechtssicherheit.

 

 



Mai 2025

Themenschwerpunkt:

Die Chance, alte Fehler zu korrigieren

Petition, Landwirte-Camp, neues Bundeskabinett und Koalitionsvertrag

 
Inhalt:

Petition & Landwirte-Camp      3

Rehkitzrettung                          6

Thüringentag                            8

Strip Till-Kooperation               12/ 13    

 

Nicht lockerlassen – Verantwortung beginnt mit klaren Entscheidungen

von Michael König, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Thüringer Bauernverbandes

Die vergangenen Wochen waren ereignisreich – für den Berufsstand, für die Politik und für den Thüringer Bauernverband. Am 24. April wurde unsere Petition gegen das verpflichtende Flächenregister im Thüringer Landtag öffentlich angehört. Begleitet von einem Landwirte-Camp, intensiven Gesprächen mit Abgeordneten und einer klaren Botschaft: So nicht! Es ist und bleibt unsere Überzeugung, dass ein solches Register weder notwendig noch praxistauglich ist – und schlicht zu weiterer Bürokratie führt, die unsere Betriebe in ihrer Existenzfähigkeit gefährdet. Die Aussagen in der Anhörung – ob von IG BENA, weiteren Praxisvertretern oder Softwareanbietern – waren deutlich. Es gibt keinen Bedarf für ein weiteres System, das in Parallelität zu bestehenden Anwendungen läuft und zusätzliche Fehlerquellen öffnet. Die von Staatssekretär Malsch zugesicherte Freiwilligkeit ist ein erster Schritt. Doch wer sich mit dem Thema auskennt, weiß: Aus Freiwilligkeit wird allzu schnell faktischer Zwang – sei es durch Förderbedingungen oder Verwaltungspraxis. Deshalb werden wir weiterhin wachsam sein und fordern: vollständiger Verzicht auf dieses Bürokratiemonster. 

Gleichzeitig wurden in Berlin die Weichen neu gestellt: Mit der Wahl von Friedrich Merz zum Bundeskanzler, der Kabinettsbildung und dem neuen Koalitions-vertrag beginnt eine neue politische Etappe. Für die Landwirtschaft bedeutet das vor allem eines: Wir müssen genau hinschauen – und Druck machen. Der Koalitionsvertrag enthält viele Prüfaufträge, einige positive Ansätze – aber auch gefährliche Leerstellen. Die Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung ist ebenso vage formuliert wie die versprochenen Maßnahmen zum Bürokratieabbau. Wir begrüßen die angekündigte Vereinfachung der GAP-Förderung, die Stärkung der Tierhaltung durch Bestandsschutz und die steuerliche Risikoausgleichsrücklage. Gleichzeitig bleibt es ein Ärgernis, dass bei Mindestlohnregelungen für Saisonarbeitskräfte kein Spielraum vorgesehen ist – obwohl gerade hier die Wettbewerbsfähigkeit massiv leidet. Ebenfalls kritisch ist das geplante Naturflächenbedarfsgesetz – ein eindeutiger Angriff auf unser Eigentum und unsere Flächen.

Wir sagen klar: Flächensicherung hat oberste Priorität! Wer dem ländlichen Raum die Grundlage entzieht, handelt gegen jede Form von Nachhaltigkeit.
Ein Hoffnungsschimmer ist der neue Zuschnitt des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Die Übernahme der Zuständigkeit für Heimat und gleichwertige Lebensverhältnisse kann – bei kluger Ausgestaltung – zu einer echten Chance für unsere Regionen werden. Entscheidend wird sein, ob der neue Minister Rainer und sein Team diese Verantwortung annehmen – und nicht nur verwalten. Für uns als Thüringer Bauernverband gilt: Wir sind bereit, den Dialog zu führen. Aber wir erwarten auch, dass Zusagen eingehalten, Verfahren vereinfacht und Eigentum respektiert werden. Wir erwarten endlich eine Politik, die auf unsere Realität hört – nicht auf Schreibtischfantasien.

Die Petition zum Flächenregister hat gezeigt, was wir erreichen können, wenn wir geschlossen auftreten. Der Regierungswechsel in Berlin bietet nun die Chance, alte Fehler zu korrigieren. Beides ist Verpflichtung und Ansporn zugleich: Wir bleiben dran – mit Argumenten, mit Engagement und mit der Kraft unseres Berufsstandes – für unsere Betriebe, unsere Mitarbeiter, unsere Kollegen, unseren ländlichen Raum, unsere Heimat.

 

 



April 2025

Themenschwerpunkt:

Herausforderungen damals und heute

Gedenkjahr „500 Jahre Bauernkrieg“ 

 
Inhalt:

TBV-WhatsApp-Kanal abonnieren!     3

Exkursion KBV Ilm-Kreis/ Gotha         5

Wahlen in den KBV                            7

Junglandwirtestammtisch                 12    

 

Zwischen Aufbegehren und Verantwortung: 500 Jahre bäuerlicher Kampfgeist

von Toralf Müller, Vizepräsident des Thüringer Bauernverbandes

Vor 500 Jahren erhoben sich zehntausen-de Bauern gegen Unterdrückung, Willkür und soziale Ungerechtigkeit. Was heute als „Deutscher Bauernkrieg“ in die Geschichte eingegangen ist, war eine zutiefst mensch-liche Reaktion auf Missstände – getragen vom Wunsch nach Mitbestimmung, wirt-schaftlicher Sicherheit und gesellschaftlicher Anerkennung. Heute leben wir in einer an-deren Zeit. Wir sind keine Untertanen mehr, sondern Unternehmer, Arbeitgeber, Versorger und Bewirtschafter wertvoller Kultur-landschaften. Doch, manche Themen aus dem Jahr 1525 wirken erstaunlich vertraut: Wer heute als Landwirt tätig ist, weiß, was es heißt, sich unter zunehmendem wirtschaftlichen Druck behaupten zu müssen – sei es durch globale Märkte, politische Vorgaben oder den Klimawandel.

Während sich die Bauern im 16. Jahrhundert gegen Frondienste und Abgaben wehrten, kämpfen wir heute gegen überbordende Bürokratie, mangelnde Wertschätzung für unsere Arbeit und wachsende gesellschaftliche Entfremdung gegenüber der Landwirtschaft. Auch heute geht es um Existenzsicherung, Teilhabe an politischen Entscheidungen und die Anerkennung unserer Lebensleistung.
Dabei dürfen wir aber nicht vergessen: Wir haben heute Möglichkeiten zur Mitgestaltung, die unseren Vorfahren verwehrt waren. Wir haben demokratische Strukturen, eine freie Meinungsäußerung und einen Bauernverband, der unsere Anliegen mit Nachdruck vertritt – in Thüringen, in Berlin, in Brüssel.
Das Gedenkjahr „500 Jahre Bauernkrieg“ sollte uns daran erinnern, dass die Ge-schichte der Landwirtschaft immer auch eine Geschichte des Ringens um Gerechtigkeit war. Und es sollte uns Mut machen, diesen Weg mit Klarheit, Solidarität und dem nötigen Selbstbewusstsein weiterzugehen. Denn die Herausforderungen mögen sich geändert haben – aber der bäuerliche Geist, der sich nicht unterkriegen lässt, der lebt weiter. In jedem von uns. Daher, macht alle mit! Lasst uns die Möglichkeiten zur Mitgestaltung in unseren demokratischen Strukturen – die freie Meinungsäußerung und unseren Verband nutzen, um unsere Anliegen zu vertreten und Akzeptanz dafür zu schaffen.

 

 



März 2025

Themenschwerpunkt:

Plattformen für den Dialog

Fachlicher Austausch zum Thüringer Milchtag & den Oßmannstedter Gesprächen

 
Inhalt:

Familienbetriebe wählen                     3

Oßmannstedter Gespräche                 5

Grundsteuerreform                             7

Strip-Till-Projekt                               12    

 

Landwirte und Imker – eine langjährige Partnerschaft

von Doreen Rath, Vizepräsidentin des Thüringer Bauernverbandes

Landwirte und Imker sind seit jeher Erntepartner – sie arbeiten mit und in der Natur, produzieren hochwertige Lebensmittel und tragen gemeinsam zum Erhalt unserer Kulturlandschaft bei. Wenn man es genau betrachtet, sind sich Landwirte und Imker in vielerlei Hinsicht doch erstaunlich ähnlich: sobald die ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr kommen, werden beide unruhig und müssen raus auf die Felder. Zudem stehen beide regelmäßig vor der Herausforderung, dass ihre „Mitarbeiter“ ihren eigenen Kopf haben – sei es die Biene, die lieber zur Nachbarwiese fliegt, oder die Milchkuh, die sich ausgerechnet den matschigsten Fleck auf der Weide zum Liegen aussucht.
Natürlich gibt es auch Reibungspunkte, insbesondere wenn es um die Themen Pflanzenschutz und Flächenbewirtschaftung geht. Da können die Meinungen schonmal weit auseinander gehen. Umso wichtiger sind eine sachlich fundierte Aufklärung, gegenseitiges Verständnis und ein bisschen Vertrauen. Oftmals liegt es aber auch an politischen Vorgaben, die beiden das Leben schwer machen. Zu nennen wäre hier beispielsweise das Beizverbot im Raps. Der Raps spielt in Deutschland eine zentrale Rolle – sowohl in der Fruchtfolge der Landwirte als auch als Trachtpflanze für Bienen. Mit seinem frühen Blühzeitpunkt, seinem hochwertigen Pollen und seinem reichen Nektarfluss ist er eine der wichtigsten
Nahrungsquellen für Honigbienen und viele andere Bestäuber und damit die „Cash-Crop“ für Imker. Gleichzeitig liefert Raps wertvolles Öl für Lebensmittel, Biodiesel und Viehfutter. Durch das Beizverbot müssen Landwirte nun häufiger großflächig mit Insektiziden spritzen, um Schädlinge wie den Rapserdfloh oder die Kleine Kohlfliege zu kontrollieren. Hierdurch entfaltet sich jedoch oft eine breitere Wirkung auf Nützlinge als das bei der Saatgutbeizung der Fall ist, die gezielter und wirkstoffsparender wirkt. Der Wegfall relevanter Lösungen und Wirkstoffe im Pflanzenschutz beim Raps führt unweigerlich zu Behandlungslücken gegen Schädlinge und Krankheiten, die für den deutschen Rapsanbau den Verlust von Wettbewerbsfähigkeit bedeuten. Wenn es so weiter geht, wird der Rapsanbau in Thüringen kaum noch ökonomisch abzubilden sein, was dann auch negative Folgen für Imker nach sich zieht. An dieser Stelle sollte also eine differenziertere Betrachtung des Beizverbotes erfolgen.

Die Debatte um den Raps zeigt: Landwirte und Imker sitzen bei vielen Herausforderungen im selben Boot – oder besser gesagt: auf der gleichen Blüte. Nur durch Dialog und gemeinsame Lösungen können wir eine nachhaltige, vielfältige und produktive Kulturlandschaft bewahren. Denn letztlich gilt: „Wo Bauern säen und Bienen fliegen, wächst eine Zukunft für alle.“ 

 

 



Februar 2025

Themenschwerpunkt:

Zwischen Biosicherheit und Existenzsorgen

Tierseuchen im Blick

 
Inhalt:

Grüne Woche                                               3

Aus den Fachausschüssen                            7

LKK: Neuer Beitragsmaßstab umgesetzt       8

Berufswettbewerb der Landjugend               12      

 

Beunruhigende Zeiten für Tierhalter

von Toralf Müller, Vizepräsident des Thüringer Bauernverbandes

Wir Tierhalter scheinen immer mehr zwischen Extremen festzustecken: Auf der einen Seite konfrontieren uns die ständigen politischen Daumenschrauben und der gesellschaftliche Druck – vom Papierkram ganz zu schweigen – auf der anderen Seite die reelle und ständig zunehmende Gefahr von Tierseuchen. Fast täglich erreichen uns Meldungen zum aktuellen Tierseuchengeschehen in Deutschland und der Welt. Viruserkrankungen wie die Afrikanische Schweinepest oder die Aviäre Influenza (Geflügelpest) treten mittlerweile jährlich immer wieder auf. Und auch die Blauzungenkrankheit, die im vergangenen Frühjahr zu uns übergeschwappt ist, wird uns noch eine Weile beschäftigen.

Seit Anfang Januar sehen sich die Tierhalter mit dem Ausbruch der eigentlich längst schon in Vergessenheit geratenen Maul- und Klauenseuche einer weiteren existenzbedrohenden Gefahr ausgesetzt.

Man hat das Gefühl, sobald die eine Tierseuche vorüber ist, kommt die nächste. Diese Seuchen bedrohen nicht nur die Gesundheit der Tiere, sondern auch die wirtschaftliche Existenz vieler Betriebe. Denn, bricht eine Tierseuche aus, bedeutet dies nicht nur in vielen Fällen die Keulung des gesamten Bestandes, sondern auch die Errichtung von Sperrzonen mit Transport und Vermarktungsbeschränkungen für den betroffenen und allen Betrieben innerhalb der jeweiligen Sicherheitszonen. Der jüngst erfolgte Ausbruch der Maul- und Klauenseuche verdeutlicht noch einmal, welche spürbaren Auswirkungen das Ganze auf die gesamte Branche hat, auf Grund internationaler Handelsbeziehungen. Der Export von Fleisch- und Milchprodukten in Drittländer ist schlagartig zum Erliegen gekommen und für Kälber aus ganz Deutschland wurde ein Transportstopp in die Niederlande verhängt. Zwar wurde dieser Ende Januar wieder aufgehoben, aber Marktverzerrungen bei Milch- und Fleischprodukten gibt es nach wie vor. Nach aktuellem Kenntnisstand handelt es sich in Brandenburg, glücklicherweise um einen Einzelfall. Trotzdem führt es uns vor Augen, wie schnell so ein Viruseintrag passieren kann und wie schnell Tierseuchen auch Thüringen erreichen könnten. Deshalb ist höchste Wachsamkeit und ein verstärkter Fokus auf Biosicherheit geboten. Dazu gehört nicht nur die strikte Einhaltung der Hygienevorschriften, sondern auch die Schulung der Mitarbeiter, um potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.

Neben der Eigenverantwortung der Betriebe ist es aber auch Aufgabe der Politik, die Landwirte in Thüringen und Deutschland nicht allein zu lassen. Zur strikten Eindämmung einer Tierseuche muss es ein übergreifendes Miteinander von Tierhaltern, Behörden und Politik geben.

Der TBV wird sich weiterhin mit Nachdruck für die Interessen unserer Landwirtinnen und Landwirte einsetzen und den Dialog mit den zuständigen Akteuren suchen, um im Falle eines Falles praktische und realistische Lösungen zu finden.

 

 



Januar 2025

Themenschwerpunkt:

Wahlen beim Thüringer Bauernverband

Neue Verbandsspitze in der Verantwortung 

 
Inhalt:

Projektabschlüsse                               6 – 7

Aus den Fachausschüssen                   8

Neues in 2025                                     3/ 12

„Neuland“ Lupinenkaffee                     10 – 11       

 

Der ländliche Raum ist keine Sparquelle

von Michael König, stellvertretender Hauptgeschäftsführer

Die Landwirtschaft steht zwischen immer größeren Herausforderungen und einer Politik, die oft an der Realität vorbeigeht. Gerade in diesen Zeiten zeigt sich, wie unverzichtbar die Arbeit des Thüringer Bauernverbandes (TBV) ist. Die politischen Veränderungen – von Neuwahlen auf Bundesebene bis hin zur neuen Brombeerkoalition in Thüringen – bieten für unseren Berufsstand die Möglichkeit, unsere Forderungen weiter mit Nachdruck zu verfolgen und wieder mehr Verständnis für die Belange der Landwirtschaft zu wecken. Die Proteste im vergangenen Jahr haben bewiesen, dass wir gehört werden können. Doch die Teilerfolge zeigen auch: Es darf nicht dabei bleiben, einzelne Belastungen
abzuwehren. Vielmehr müssen wir dafür kämpfen, dass die essenziellen Leistungen der Landwirtschaft – von der Lebensmittelversorgung bis zur Landschaftspflege – endlich die Anerkennung und Unterstützung erhalten, die sie verdienen. Die scheidenden TBV-Vizepräsidenten, Udo Große und Dr. Lars Fliege, haben in ihren Abschiedsworten zur Landesvertreterversammlung betont, wie wichtig Engagement im Verband ist. Diese Botschaft muss für uns alle ein Aufruf sein, gemeinsam für unseren Berufsstand einzustehen. Nur mit einer starken, geeinten Stimme können wir den Herausforderungen begegnen und unsere Zukunft aktiv gestalten. Die neue TBV-Führung hat nun die Aufgabe,
Thüringer Landwirte vor steigenden Kosten, unsinnigen Auflagen und belastenden Gesetzesvorhaben zu schützen. Gleichzeitig muss der Dialog mit Politik und Gesellschaft weiter intensiviert werden, um ein breiteres Bewusstsein für die Leistungen der Landwirtschaft zu schaffen. Es ist an der Zeit, dass die Politik den ländlichen Raum nicht
länger als Sparquelle sieht, sondern als unverzichtbaren Partner für eine nachhaltige Entwicklung anerkennt. Erste positive Signale der neuen Thüringer Landesregierung – wie die Aussetzung des Flächenregisters und der Erhalt der Ausgleichszulage in vollem Umfang – stimmen optimistisch. Doch diese Schritte sind erst der Anfang. Der TBV, getragen von Ehrenund Hauptamt, wird mit aller Kraft dafür sorgen, dass wir nicht nur kurzfristige Erfolge erzielen, sondern langfristig faire und tragfähige Rahmenbedingungen schaffen. Die Landwirtschaft leistet täglich unverzichtbare Arbeit für die Gesellschaft. Es liegt an uns, dafür zu kämpfen, dass diese Arbeit nicht durch immer neue Hindernisse
erschwert, sondern durch politische Unterstützung gestärkt wird. Der TBV bleibt entschlossen, dieser Verantwortung gerecht zu werden – für unsere Betriebe, unsere Zukunft und den ländlichen Raum.

 

 

Thüringer Bauernverband e.V.
Alfred-Hess-Straße 8
99094 Erfurt

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Fax: +49 (0)361 262 532 25
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