TBV - Journal

Mai 2022

 

Themenschwerpunkt:

Superfrucht oder Auslaufmodell? Rapsanbau zwischen Nachfragehoch und zunehmenden Anbaueinschränkungen

 
Inhalt:

Hoffestsaison 2022          3

KULAP in der neuen Förderperiode          6

Schlachtsituation in Thüringen   7

Landseniorenverband feiert Jubiläum     12

 

Kommentar von Gerd Halbauer, Vorsitzender des Fachausschusses Pflanzenbau

Wetter und Politik sorgen für Unsicherheit

Die Folgen des russischen Einmarsches in die Ukraine und der Sanktionspolitik spürt jeder Haushalt, sei es bei der Energieversorgung oder beim Lebensmitteleinkauf. Agrarimporte aus der Ukraine, vor allem Mais und Weizen, werden wohl ganz entfallen: Im Krieg können Äcker nicht bestellt und geerntet, vor allem aber können die Lager nicht geleert werden. Infolge dieser Entwicklung wird hierzulande auch Sonnenblumenöl knapp und Hamsterkäufe führen zu leeren Supermarktregalen.

Dadurch erlebt Rapsöl und mit ihm der Rapsanbau eine Renaissance im öffentlichen Bewusstsein, gilt es doch als vor Ort verfügbare und gesunde Alternative. Die neue Beliebtheit spiegelt sich auch an den Märkten wider: Die Terminmarktnotierungen für Raps in Paris bewegen sich seit einigen Monaten nahezu ungebremst nach oben. Zuletzt schloss der Raps erstmals viertstellig. Damit haben sich die Notierungen binnen zwei Jahren fast verdreifacht. Wird der Raps also zum Überflieger? Sehen wir hierzulande immer mehr Rapsfelder, quasi alles gelb bis zum Horizont? Und können wir als Erzeuger davon profitieren?

Aus meiner Sicht ist die Goldgräberstimmung nicht angebracht. Neben den explodierenden Betriebsmittelkosten liegt das vor allem an zwei unsicheren Kantonisten, die das gute Bild trüben: das Wetter und die Politik. Bereits die Bedingungen zur Aussaat waren nicht optimal. Vor dem großen Regen waren die Bestände noch gut, danach aber nicht ausreichend entwickelt und mit vielen Fehlstellen. Hinzu kommt, dass Raps zum optimalen Aufwuchs den meisten Niederschlag, ca. 200 Liter, benötigt. Davon sind wir weit entfernt! Stattdessen erleben wir aktuell erneut ein trockenes und heißes Frühjahr, was böse Erinnerungen an die Dürrejahre 2018 und 2019 wachwerden lässt. Dabei hatte es im Winter noch gut ausgesehen, waren die Niederschlagsdefizite der Dürrejahre 2018 und 2019 nahezu ausgeglichen worden. Heute ist es aber mancherorts bereits wieder so trocken, dass man vor lauter Staub hinter der Windschutzscheibe nichts mehr erkennen kann, wenn man unterwegs ist. Das heißt insbesondere für den Raps nichts Gutes. Hoffen wir, dass endlich ein paar Wolken aufziehen und dass die aktuelle Situation nur ein kurzes kritisches Intermezzo bleibt, so dass dem Raps noch eine lange Ausreife bei moderater Wärme, regelmäßig etwas Regen und ansonsten mit viel Sonnenschein für hohe Ölgehalte bevorsteht.

Zum einen, weil sie uns immer mehr Mittel entzieht, den Raps vor jenen Schädlingen zu schützen, die die Energiepflanze ebenfalls als bevorzugte Nahrungsquelle auserkoren haben. 2018 wurden die Neonicotinoide verboten, um unsere Insektenwelt zu retten. Im April 2020 verschwand mit Thiacloprid ein weiterer wichtiger Wirkstoff zur Schädlingsbekämpfung. Auch die in anderen europäischen Ländern mögliche Beizung des Saatguts wurde hierzulande nicht zugelassen. Weniger Schutz bedeutet mehr Behandlungslücken gegen Schädlinge und Krankheiten und damit auch mehr Verluste im Anbau.

Zum anderen scheinen Biokraftstoffe aufgrund politischer Bewertungen trotz der aktuellen Lage hierzulande keine Zukunft zu haben. So forderte Greenpeace unlängst ein Verbot von Biokraftstoffen in Deutschland und auch unsere ehemalige Umwelt- und jetzige Entwicklungshilfeministerin Svenja Schulze will die Nutzung von Biokraftstoffen weltweit stoppen, um den Hunger zu bekämpfen. Statt auf wirtschaftliche Erfordernisse nachhaltige Antworten zu suchen, werden offenbar die alten Teller- und Tank-Diskussionen fortgeführt, die mehr und mehr die Gestalt von Glaubenskämpfen annehmen.

Unter diesen Bedingungen fällt es mir trotz der aktuellen Preise schwer, in eine Goldgräberstimmung zu verfallen, so gerne ich das auch würde. Dies ist besonders schade, da der Anbau von Raps neben der ökonomischen Chance auch aus ackerbaulicher Sicht als fester Bestandteil unserer Fruchtfolgen wertvoll ist.

Juni 2022

 

Themenschwerpunkt:

Neue Förderperiode startet. Neufassung und digitale Antragsstellung lassen viele Fragen offen

 
Inhalt:

BVVG-Flächenvergabe         3

Neue KULAP-Naturschutzmaßnahmen         6

Eröffnung Erfurter Radring  9

Jahrestagung Deutscher Landsenioren    12

 

Kommentar von Gunnar Jungmichel, Vorsitzender des TBV-Fachausschusses Gemeinsame Agrarpolitik

PORTIA, FAN-App, Monitoring – die Agrarverwaltung geht online

Digitalisierung ist ja für die meisten von uns nichts Neues: Sensoren messen den Nährstoffgehalt der Böden und die Kuh meldet per Telefonnachricht, dass sie Sehnsucht nach dem Bullen hat.

Nun zieht die Agrarverwaltung massiv nach. Ob dieser Digitalisierungsschub gelingt, ist offen, da die Funktionalität und das Zusammenspiel der einzelnen Teile wenig erprobt wurde. Das ist nun auch noch unsere Aufgabe: Mit der neuen Förderperiode werden wir Landwirtinnen und Landwirte in Thüringen damit quasi zu Teilnehmenden eines großen digitalen Experiments mit ungewissem Ausgang. Wohl dem, der seine Ruhe weg hat.

Bereits in wenigen Tagen, nämlich ab 1. Juli, soll es soweit sein – mit einem neuen Portal namens PORTIA soll die KULAP-Beantragung für die Förderperiode ab 2023 beginnen. Ein Portal „für alles“, über das zukünftig die gesamte Kommunikation mit der Verwaltung in Thüringen stattfinden soll. Immerhin gab es bereits eine Veröffentlichung des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR) mit dem Hinweis, dass sich doch jeder der in diesem Portal arbeiten möchte, um einen digitalen Personalausweis mit PIN kümmern sollte. Ich habe dies bereits getan und war überrascht, wie schnell mein bereits digital vorgerüsteter Ausweis (immerhin aus dem Jahr 2013!) eine PIN erhielt – und das hat noch nicht mal eine Gebühr gekostet! Jedoch sind nicht alle Landwirtinnen und Landwirte begeistert davon, ihren Ausweis per Ausweis App 2 über das Internet hochzuladen und per Thüringer Servicekonto einen Zutritt zum neuen Portal PORTIA zu erhalten. Ist ja auch schwer zu verstehen, dass man seine Daten hergeben muss, um seine Daten zu schützen!

Sollte das digitale Experiment funktionieren und wir problemlos damit arbeiten können, kann es für die Betriebe auch für Erleichterungen sorgen, wenn z.B. der Gang zur UNB, die die entsprechenden Maßnahmenpläne bestätigen muss, damit entfällt. Wie und vor allem wie schnell ggf. aufkommende Probleme während des laufenden Antragsverfahrens behoben werden können, kann aber nicht abgeschätzt werden.

Ein weiterer Baustein der Digitalisierung ist die neue TLLLR-FAN-App, die es voraussichtlich ab dem 10. Juni in den bekannten App-Stores zum Download gibt und die für die neue KULAP-Förderperiode verpflichtend eingesetzt werden muss. Hierbei gilt es zukünftig die Kontrollfragen der Verwaltung mittels Beweisfotos selbst zu beantworten und z.B. die geforderten Kennarten mit georeferenzierten Handyfotos nachzuweisen. Gut beraten ist, wer die App bereits jetzt installiert und so die Ergebnisse des seit Anfang des Jahres laufenden Kontrollverfahrens per Satellitenmonitoring verfolgen, berichtigen und ergänzen kann.

Ich hoffe sehr, dass wir von der neuen vollständig onlinebasierten Beantragung begeistert sein werden. Neu eingeführt in einer Zeit, in der wir uns mit der Grundsteuerreform herumschlagen müssen, in der wir stets und ständig die Produkt- und Betriebsmittelpreise auf ihrer Achterbahnfahrt im Auge behalten müssen und so ganz nebenbei noch eine Ernte einfahren wollen. Wenn wir jedoch ab 1. Januar 2023 nach den Programmen wirtschaften wollen, müssen wir bis dahin auch eine Genehmigung erhalten haben. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als in der ein oder anderen Nachtschicht ins PORTIA einzusteigen und zu hoffen, dass die Kinderkrankheiten der Software ausbleiben und das Leistungsvermögen der beteiligten Verwaltungen ausreicht, um die kommenden Neuerungen erfolgreich zu stemmen. Selten hatte ein Experiment mehr Potenzial in die eine oder andere Richtung.

Schlechte Karten haben wohl die, die sich bis jetzt mit Hilfe von Maschinenring oder Agrarförderzentrum offline durchgeschlagen haben. Denn nun werden diese letzten überlebenden Bäuerinnen und Bauern auf ihrer analogen Eisscholle endgültig abgehängt. Ob sich dieses Schubsen, neudeutsch nennt man das Nudging – in die digitale Welt am Ende auszahlen wird, ist aus heutiger Sicht allerdings offen.

Juli 2022

 

Themenschwerpunkt:

Neue Förderperiode mit vielen Fragezeichen. Fehlende Regeln und neue digitale Hilfsmittel verunsichern Landwirte in der Erntezeit

 
Inhalt:

Deutscher Bauerntag 2022     3

Zukunft der erneuerbaren Energien     8

Bester Ausbildungsbetrieb gekürt     12

Braugerstenrundfahrt     18

 

Kommentar von Dr. Lars Fliege, Vizepräsident des Thüringer Bauernverbandes

Dem Irrsinn freien Lauf lassen

Die weltweite Erzeugung von Weizen wird aktuell auf 772 Millionen Tonnen geschätzt. Der Verbrauch liegt mit 784 Millionen Tonnen deutlich darüber. Die gesamte weltweite Getreideernte weist ein Defizit von etwa 30 Millionen Tonnen im Verhältnis zum Verbrauch auf. Die Endbestände sinken, die weltweite Nachfrage bleibt hoch. Ukraine hin oder her – Getreide ist und bleibt ein knappes Gut und unsere Regierung ist fest entschlossen, vier Prozent der Ackerfläche dauerhaft aus der Nutzung zu nehmen. Irrsinn Teil 1.

Heute ist der 17. Juli. Wir Landwirtinnen und Landwirte sind mitten in der Ernte. Die Bodenbearbeitung für die nachfolgenden Kulturen läuft; unsere Anbauplanung für das nächste Jahr sollte jetzt feststehen. Vorausgesetzt, wir nehmen weiter am System der Gemeinsamen Agrarpolitik teil – welche Kulturen dürfen wir denn im nächsten Jahr in welchem Umfang auf welchen Feldern überhaupt anbauen? Das wissen wir natürlich noch nicht, denn der deutsche Strategieplan muss ja erst von der EU-Kommission bestätigt werden. Wann wir mit klaren Regeln rechnen können, ist eine sehr provokante Frage, denn wir alle wissen ja, wie schwierig und langwierig die Verhandlungen und die anschließenden Gesetzgebungsverfahren auf europäischer-, wie auch auf Bundes- und Landesebene sind.

Bis heute steht nicht fest, ob der vorgesehene jährliche Fruchtwechsel nun kommt oder nicht. Es ist unklar, ob und wenn ja, wieviel Fläche nun tatsächlich stillgelegt werden muss und ob wir diese Felder nach der Ernte (also jetzt!) bearbeiten und aktiv begrünen dürfen. Müssen die Flächen, die im nächsten Jahr für Sommerungen vorgesehen sind im kommenden Winter begrünt sein oder dürfen wir die raue Scholle/ den tiefen Grubberstrich im Herbst liegen lassen? Alles offen, aber wie durch ein Wunder, werden wir auf alle Fragen ganz bestimmt noch rechtzeitig eine fundierte, wissenschaftlich begründete und eindeutige Antwort bekommen. Irrsinn Teil 2.

Pünktlich zur Ernte startet auch das neue Antragsverfahren zum KULAP. Das ist toll, denn Landwirtinnen und Landwirte haben viel Spaß daran, sich für fünfjährige Maßnahmen zu verpflichten, ohne die Spielregeln der ersten Säule zu kennen. Das einzig Gute daran ist die Freiwilligkeit. Die Programme selbst sind mindestens für intensiv arbeitende Ackerbau- und Gemischtbetriebe nicht attraktiv, so dass die Teilnahmebereitschaft sehr begrenzt sein wird. Ich höre schon die Stimmen aus dem Thüringer Umweltministerium, die der Landwirtschaft vorwerfen werden, kein Interesse an mehr Biodiversität und Hamsterschutz zu haben. Dem widerspreche ich schon heute und gebe zu bedenken, dass es nicht damit getan ist, Mehrkosten auszugleichen. Alle Landwirtinnen und Landwirte müssen auch mit AUKM Geld verdienen dürfen. Wer arbeitet denn freiwillig ohne Aussicht auf Gewinn?

Die Antragstellung zum KULAP läuft hochmodern und digital über „PORTIA – das vielseitige Portal rund um verschiedene Förderaufgaben“. So steht es jedenfalls auf der Website des Thüringer Landwirtschaftsministeriums. Ich würde eher sagen: „PORTIA – das Portal für gut gelaunte Menschen die Lust auf graue Haare haben“. PORTIA ist nicht fertig. Es fehlen grundlegende Funktionalitäten wie beispielsweise eine Schnittstelle zum Import der FNN aus der VERA. Es kann nicht sein, dass man uns sozusagen ein Gebäude im Rohbau übergibt und wünscht, dass wir die arbeitsarme Erntezeit nutzen, um bis zum 5. September einzuziehen. Zumal ja im Sommer auch angesichts der gerade begonnenen Sommerferien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der UNB alle uneingeschränkt zur Verfügung stehen, um die notwendigen Abstimmungen vorzunehmen. Irrsinn Teil 3.

Wenn die ganze Sache nicht so tragisch wäre und Existenzen daran hängen würden, könnte man fast darüber lachen. Zum Lachen ist uns Landwirtinnen und Landwirten allerdings nicht. Mit Blick auf die beängstigenden Zustände in den Niederlanden möchte ich zum Ende Bauernpräsident Joachim Rukwied mit den Worten zitieren: „Die Zündschnur ist verdammt kurz“ und ergänzen „Funken gibt es derzeit mehr als genug.“

August 2022

 

Themenschwerpunkt:

Rote Gebiete, Bodenerosion und Trockenheit. Herausforderungen für den Ackerbau nehmen zu

 
Inhalt:

Sonder-Agrarministerkonferenz 3

Trockenheit und Ernte 7

Landjugend mit neuem Team 12

Landfrauen und Graffiti 13

 

Kommentar von Steffen Steinbrück, Vorsitzender des Fachausschusses Umwelt des Thüringer Bauernverbandes

Rote Gebiete: Eine unendliche Geschichte

Blicken wir zunächst zurück: Am 21. Juni 2018 verklagte die EU-Kommission die Bundesrepublik Deutschland, da die Kommission die Anstrengungen Deutschlands zur Reduktion der Nitratgehalte als unzureichend einstufte. Bis heute ist die Ausgangssituation bezüglich der Grundwasserbelastung in Deutschland, welche an die EU-Kommission gemeldet wurde, nie wirklich aufgearbeitet. Den Schaden und die Arbeit haben nun die Landwirtinnen und Landwirte. Im Mai 2019 erhielten die Fachreferenten zusammen mit dem Ehrenamt der Landesbauernverbände die Möglichkeit, mit der Leiterin des Referats Landwirtschaft, Wald und Boden der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission Claudia Olazabal in Brüssel persönlich über die Gegebenheit in Deutschland zu sprechen. Briefe und aufwendige Stellungnahmen an die Ministerien, etliche Gespräche mit hochrangigen Politikerinnen und Politikern, aber auch Proteste führten nicht zu einer Überarbeitung der Düngeverordnung (DüV) und auch nicht zu einer neuen Einschätzung der Nitratbelastung des Grundwassers in Deutschland.

Trotz der widrigen Umstände gelang es in Thüringen, einen intensiven Austausch zwischen der Wasserwirtschaft und Landwirtschaft zu installieren. Dadurch konnte eine Überprüfung gemeldeter Messstellen erfolgen. Brunnen aus der Landwirtschaft konnten in das Messstellennetz aufgenommen werden und führten so zu einer Differenzierung der Kulissen. Die Betriebe hatten sich auf die herrschenden Umstände hinsichtlich der DüV widerwillig einstellen müssen. Dann kam im vergangenen Jahr die Nachricht: Die EU-Kommission hat Zweifel an der derzeitigen Ausweisung der Roten Gebiete in Deutschland. Zu unterschiedlich ist sie in den einzelnen Bundesländern, zu hoch ist die Reduzierung der Kulisse aufgrund einer differenzierteren und verursachergerechten Ausweisung. Ein Paradoxon sondergleichen!

Nach zahlreichen Sitzungen der Bund-Länder-Arbeitsgruppen sind nun die Eckpfeiler einer bundeseinheitlichen Methodik zur Ausweisung der Roten Gebiete zu Papier gebracht. Die EU-Kommission hat es nach einigen Nachfragen und Diskussionen positiv beschieden, der Bundesrat seinen Segen gegeben. Nun liegt es an den Ländern, in kurzer Zeit die neue Kulisse zu erstellen. In einer Sitzung der AG Nitratgebiete/Nährstoffeinträge erhielten wir einen ersten Überblick, welche Veränderungen es an der Kulisse geben wird. Zum Redaktionsschluss des Journals lag eine fertige Kulisse aber noch nicht vor. Wenn dies der Fall ist, werden wir Sie umgehend informieren.

Es bleibt aber dabei, dass wir die nächsten Jahre die Geschichte der Roten Gebiete nicht nur lesen, sondern auch schreiben und dabei die Belange des Berufsstandes immer im Fokus behalten müssen.

 

 

Oktober 2022

 

Themenschwerpunkt:

Gemeinsam Flagge zeigen. Landwirtschaft mit Zukunft braucht öffentliche Akzeptanzmen zu

 
Inhalt:

Grüne Tage Thüringen 4

Energiesicherungsgesetz 6

Verabschiedung von Dieter Mitschke 9

LandFrauentag 12

 

Kommentar von Katrin Hucke, Hauptgeschäftsführerin des Thüringer Bauernverbandes

Flagge zeigen, Akzeptanz gewinnen

Auf dem Bürgerfest in Erfurt aus Anlass des Tags der Deutschen Einheit gab es am Stand des Bauernverbandes ein längeres Gespräch eines Greenpeace-Mitglieds mit zwei von unseren Verbandsmitarbeitern – André Rathgeber und Axel Horn – über eine ganze Palette von Themen, die uns beschäftigen: Tierhaltung, Pflanzenschutzmitteleinsatz, Öko-Landbau usw. Ich war erstaunt, wie das Gespräch verlief: Statt Unterschiede zu betonen, wurde versucht, aufzuklären, richtigzustellen und gemeinsame Schnittmengen auszuloten. Auch viele kritische Punkte kamen zur Sprache, wobei die Ansichten hier oft gar nicht so weit auseinanderlagen. Das Erlebnis ist vielleicht nicht unbedingt repräsentativ, es zeigt aber, dass es sich lohnt, als Landwirtschaft die Öffentlichkeit zu suchen, unsere Arbeit zu erklären und um Akzeptanz dafür zu werben.

Um Zukunft gestalten zu können, bedarf es eben dieser öffentlichen Akzeptanz. Das gilt nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für alle Wirtschaftsbereiche.

Die Präsenz auf öffentlichen Veranstaltungen wie dem Erfurt Bürgerfest Anfang Oktober ist daher von zentraler Bedeutung, kommt man hier doch mit einem allgemeinen, nicht-landwirtschaftlich geprägten Publikum ins Gespräch. Als Verband müssen wir hier weiterarbeiten, unsere Anstrengungen verstärken. Wir müssen auf die Bürgerfeste, Stadtmärkte und städtischen Veranstaltungen gehen und uns auch kontroversen Meinungen stellen.

Das vom Deutschen Bauernverband neu entwickelte Bild des Zukunftsbauern sollten wir hierbei für uns nutzen. Ein erster Anfang wurde zum Deutschen Bauerntag in Lübeck gemacht, nun liegt es an uns, das Label mit Leben füllen.

Um für Akzeptanz zu werben, brauchen wir die Unterstützung unserer Landwirtschaftsbetriebe, auch wenn der unmittelbare Nutzen kurzfristig nicht messbar ist. Zum Beispiel ist ein bereitgestellter Traktor für viele Menschen in der Stadt ein Ereignis, etwas, was weit weg von ihrem Alltag existiert und daher besonderes Interesse auf sich zieht. Unserer Landwirtschaftsbetriebe müssen auch weiter ihre Tore öffnen, den Menschen die Möglichkeit geben, sich selbst ein Bild von der Landwirtschaft zu machen. Einige beteiligen sich bei dem Projekt Lernort Bauernhof, viele andere lassen Schulklassen und Besuchsgruppen auf ihr Gelände oder veranstalten regelmäßig Hoffeste. Besser werden müssen wir bei dem Angebot von Praktika in den Betrieben, nicht nur aus Gründen der Nachwuchsgewinnung, sondern auch, um so Multiplikatoren zu gewinnen, die unsere Arbeitsweise in die Gesellschaft hinein kommunizieren.

Die Landwirtschaft, diese Zuversicht wurde auch auf dem Agrarpolitischen Forum vermittelt, wird auch in Zukunft ihren Weg finden und gehen. Eine Voraussetzung hierfür ist die Außendarstellung, die Kommunikation in die Gesellschaft hinein. Als Verband werden wir hierbei unterstützen, uns in die Öffentlichkeit stellen und die Flagge der Landwirtschaft hochhalten. Erfolgreich können wir aber nur gemeinsam agieren – gemeinsam als Berufsstand, als Verband und als Thüringer Landwirtschaft.

 

November 2022

 

Themenschwerpunkt:

Frühzeitig Interesse an Landwirtschaft wecken. Erfolgreiche Nachwuchsgewinnung braucht praktische Erfahrungen

 
Inhalt:

Neuausweisung der Roten Gebiete   3

Nachhaltigkeitsforum   6

Ausbildungsverbund Südthüringen   9

100 Jahre Thüringer Tierseuchenkasse   12

 

Kommentar von Dirk Reichelt, Vorsitzender des Fachausschusses Bildung im Thüringer Bauernverband

Berufliche Orientierung – frühzeitig Interesse an Landwirtschaft wecken

Ein Besuch von Kindergartenkindern im Landwirtschaftsbetrieb – das ist für die Kleinen ein Start, sich für Tiere und Pflanzen, gesunde Ernährung und die Landwirtschaft in ihren Heimatorten zu interessieren. Viele Betriebe haben traditionell gute Beziehungen zu ihren ortsnahen Kindergärten. Eine Fortsetzung folgt häufig in der Zusammenarbeit mit Grund- und Realschulen, auch Gymnasien. Hier wird es aber schon etwas anspruchsvoller in inhaltlicher und organisatorischer Art.

Wählt ein Betrieb die eigene Ausbildung als Lösung der Fachkräftethematik, so lohnt sich etwas Mühe in der Vorbereitung der Aktivitäten. Wie erreiche ich altersgerecht die Heranwachsenden? Welchen Wissensstand haben sie über die schulische Ausbildung erhalten oder auch nicht? Wie errege ich die Aufmerksamkeit und ein Interesse für landwirtschaftliche Tätigkeiten? Welche Themen sprechen die Jugendlichen an?

Am besten gelingt dies über das eigene Erleben und das Mitmachen im Betrieb. In der 9. Klasse absolvieren alle Schülerinnen und Schüler obligatorisch berufliche Praktika. Hier ist sie, die Chance zur Nachwuchsgewinnung. Für potenzielle Azubis und Unternehmen gleichermaßen besteht hier die Möglichkeit herauszufinden, ob ein gemeinsamer Nenner gefunden werden kann oder nicht.

Aber Achtung! Es gilt, die jungen Menschen ernst zu nehmen und mit einem qualifizierten Praktikum für eine Ausbildung im Betrieb zu interessieren. Empfehlenswert ist, wenn sie in verschiedene Bereiche des Unternehmens „hineinschnuppern“ können, Ansprechpartner für Fragen zur Verfügung stehen und klare organisatorische und rechtliche Abstimmungen zu Praktikumsbeginn vereinbart werden.

Auch spielt die subjektive Wahrnehmung zur Wertschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie zum Arbeitsklima eine Rolle und mündet in einer Ausbildungsentscheidung. Bitte machen Sie es Lehrern, Eltern und potenziellen Praktikanten leicht und publizieren Sie Ihr Angebot von betrieblichen Praktika z.B. auf der Firmenwebseite. Das Bildungsministerium unterstützt über ein Projekt (ausführlicher auf den Folgeseiten dieses Journals) branchenübergreifend Schulen und Unternehmen gleichermaßen bei der passgenauen Besetzung von Praktikumsplätzen. Wir konnten erreichen, dass hier die Bewerbung der „Grünen Berufe“ nicht vergessen wird. Mit einer Registrierung Ihrer Angebote unter www.thaff-thueringen.de verbessern Sie Ihre Chance zur qualifizierten Fachkräftegewinnung.

Einen Leitfaden zur Organisation beruflicher Praktika steht für unsere Mitgliedsbetriebe auch zum Herunterladen zur Verfügung.

 

Dezember 2022

 

Themenschwerpunkt:

Landwirtschaft in schwerem Fahrwasser. Agrar- und Umweltpolitik sorgen für große Unzufriedenheit

 
Inhalt:

Bauernproteste in Goslar    3

Jahrestagung IG Bena    8

Schutz der Rehkitze    9

Workshop „Stark sein im Gegenwind“    14

 

Kommentar von Katrin Hucke, Hauptgeschäftsführerin des Thüringer Bauernverbandes

In schwerem Fahrwasser

Gleichzeitig mit unserer Jahresabschlussveranstaltung in Apfelstädt hat der Deutsche Bauernverband mit seinem Situationsbericht die landwirtschaftlichen Buchführungsergebnisse veröffentlicht. Hierbei zeigte sich, dass sich die Wirtschaftsergebnisse im Vergleich zu den Vorjahren verbessert haben. Das Ergebnis darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Landwirtschaft insgesamt in schwerem Fahrwasser befindet. Die Politik will oder kann keine langfristigen Perspektiven für die Landwirtinnen und Landwirte aufzeigen. Im Gegenteil: Viele der neuen Regeln aus Brüssel und Berlin werden unseren Betrieben das Leben schwer machen, Investitionen verhindern, die Wirtschaftlichkeit infrage stellen. Das drohende Verbot des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten, das EU Nature Restoration Law oder die Baurechtsnovelle sind einige der vielen Felder, auf denen um die Zukunft der Landwirtschaft gerungen wird.

Die grundsätzliche Richtung der Politik ist nicht oder nur wenig zu ändern. So ist die politisch gewollte Extensivierung der Landwirtschaft aktuell ebenso wenig umzukehren wie der, zumindest in Kauf genommene, Abbau der Tierbestände. Als Verband können wir aber einige der schlimmsten Auswüchse verhindern, können helfen, Ideen und Wege aufzuzeigen, wie man sich am besten an die Entwicklung anpassen kann.

Das haben wir auch in diesem Jahr getan. Die neuen Regelungen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) wurden immer konkreter und zugleich auch immer komplizierter. Hier haben wir als Verband viel Aufklärungsarbeit geleistet, haben gemeinsamen mit der Landvolkbildung und den beteiligten Ministerien eine Schulungsreihe zu Neuerungen in der Förderperiode ab 2023 gestartet. Nach dem holprigen Start des, für die KULAP-Programme eingerichteten Webportals PORTIA, haben wir versucht, offene Fragen durch die Einrichtung einer Telegramgruppe zu beantworten und programmseitige Korrekturen durchzusetzen. Nachdem bekannt wurde, dass das satellitengestützte Flächenmonitoring nicht so funktioniert, wie die Agrarverwaltung gedacht hatte, haben wir uns erfolgreich dafür eingesetzt, dass die damit verbundene Auszahlung der Basisprämie im Dezember nicht gefährdet wird. Hier haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zahlstelle mit den Agrarförderzentren viel geleistet. Gerade in solchen Situationen ist es wichtig, dranzubleiben und nachzuhaken, aber auch immer wieder auf die sachliche Ebene zurückzukommen und im Gesprächsmodus zu bleiben. Das fällt manchmal schwer, ist aber in unser aller Interesse unabdingbar.

Auch die zähen Verhandlungen zu dem Rahmenvertrag für die von der Erdkabeltrasse SüdLink betroffenen Flächenbewirtschafterinnen und -bewirtschafter haben wir gegen alle Widerstände fortgeführt. Hoffentlich gelingt es uns, diese zum Jahresende noch zum Abschluss zu bringen.

Mit der gleichen Ausdauer haben wir in diesem Jahr das Thema Rote Gebiete begleitet und werden das auch nächstes Jahr tun. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Nach der durch die EU-Kommission erzwungenen methodischen Anpassung gibt es in Thüringen keinen größeren Flächenzuwachs der Roten Gebiete. Die teilweise mehr betroffenen Betriebe werden wir weiterhin unterstützen. Zugleich haben wir ein Projekt gestartet, um das Thema Stickstoffmanagement in der Landwirtschaft auf eine fachliche fundierte Grundlage zu stellen.

Besonders schmerzlich war es in diesem Jahr zu sehen, dass es die politischen Entscheidungsträger in Berlin nicht geschafft haben, den schweinehaltenden Betrieben einen zukunftssichernden Weg aufzuzeigen. Eine Umsetzung der Vorschläge der Borchert-Kommission ist heute so weit weg wie nie. Um unseren schweinehaltenden Betrieben Mut zu machen und die aktuellen Rahmenbedingungen mit ihren Chancen und Hindernissen auszuleuchten organisieren wir gemeinsam mit der Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Thüringen im Februar 2023 einen neuen Schweinegipfel. Dies zeigt, dass wir auch im neuen Jahr unsere Arbeit fortführen und im Interesse der Landwirtschaft streiten werden. Wir werden weiterhin versuchen, Perspektiven aufzuzeigen und Antworten auf die Fragen zu verlangen, die von der Politik bislang unbeantwortet bleiben.

 

Thüringer Bauernverband e.V.
Alfred-Hess-Straße 8
99094 Erfurt

Tel.: +49 (0)361 262 530
Fax: +49 (0)361 262 532 25
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Kontakt
1000 Zeichen noch.