Themenschwerpunkt:
ASP-Prävention ist Pflicht
Warum Thüringen jetzt konsequent handeln muss
Inhalt:
Grüne Woche in Berlin 3
Agrarförderung 6
Ehrennadel übergeben 9
Pharmaplant 10 - 11
Seuchenprävention braucht klare politische Entscheidungen
von Petra Hirsch, Vorstandsmitglied des Thüringer Bauernverbandes
Die Afrikanische Schweinepest ist längst Realität in Deutschland. Seit mehr als fünf Jahren zieht sich ihre Bekämpfung durch
mehrere Bundesländer. Hessen und Nordrhein-Westfalen kämpfen aktuell mit hunderten Fällen – ausgelöst mutmaßlich durch
menschliches Fehlverhalten. Das zeigt: Die Gefahr entsteht nicht schleichend, sie wird eingeschleppt. Und sie kann jederzeit auch Thüringen treffen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir vorbereitet sein müssen, sondern wie konsequent wir es sind. Seuchenprävention ist keine freiwillige Aufgabe engagierter Einzelner. Sie ist staatliche Kernverantwortung. Und sie braucht verlässliche politische Rahmenbedingungen, dauerhafte Finanzierung und klare Zuständigkeiten.
Mit der Einrichtung des Schwarzwild-Kompetenzzentrums im Jahr 2018 hat Thüringen früh reagiert. Das Zentrum bündelt die Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Jägerschaft, Verbänden und Behörden, koordiniert Präventionsmaßnahmen und bereitet ein mögliches Ausbruchsszenario strukturell vor. Dass diese Einrichtung beim Thüringer Bauernverband angesiedelt ist und vom Land finanziert wird, war und ist eine richtige Entscheidung. Aber Prävention darf kein Projektstatus bleiben. Sie muss langfristig abgesichert sein.
Die Erfahrungen aus Brandenburg und Sachsen zeigen: Ein ASP-Ausbruch bedeutet jahrelange Bekämpfung, kilometerlange Zäune, massive Einschränkungen für Betriebe und enorme Kosten für die öffentliche Hand. Wer hier spart, zahlt später ein Vielfaches. Prävention ist wirtschaftlich vernünftiger als Krisenmanagement.
Politik muss deshalb drei Dinge klarstellen: Erstens – Bestandsregulierung des Schwarzwildes ist Seuchenvorsorge. Jäger leisten hier einen zentralen Beitrag. Die Aufwandsentschädigung für erlegte Wildschweine ist kein Bonus, sondern ein notwendiges Instrument der Gefahrenabwehr. Diese Unterstützung muss dauerhaft gesichert bleiben. Zweitens – Meldestrukturen und Suchsysteme müssen funktionieren. Kadaversuchhunde, Drohnentechnik, Schulungen und klare Meldewege sind keine Details, sondern entscheidende Faktoren für schnelle Reaktionsfähigkeit. Hier braucht es kontinuierliche Investitionen, nicht erst nach einem Ausbruch.
Drittens – Die politische Kommunikation muss ehrlich sein. Ein Punkteintrag erfolgt häufig durch unsachgemäße Entsorgung kontaminierter Lebensmittel. Die Aufklärung an Autobahnen und Raststätten ist deshalb kein symbolischer Akt, sondern eine zentrale Schutzmaßnahme in einem Transitland wie Thüringen. Wer internationale Warenströme nutzt, muss auch deren Risiken ernst nehmen. Als Landwirtin weiß ich, welche Folgen ein Ausbruch für schweinehaltende Betriebe hätte, bis hin zur Existenzfrage. Als Jägerin weiß ich, dass Bestandsregulierung, Monitoring und Disziplin im Revier unverzichtbar sind. Doch ohne klare politische Rückendeckung, rechtssichere Rahmenbedingungen und verlässliche Finanzierung stoßen auch Engagement und Fachwissen an Grenzen.
Seuchenprävention darf nicht zwischen Umwelt-, Landwirtschafts- und Gesundheitsressort zerrieben werden. Sie braucht abgestimmtes Handeln, schnelle Entscheidungswege und eindeutige Zuständigkeiten.
Thüringen ist bislang verschont geblieben. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen. Doch Sicherheit entsteht nicht durch Hoffnung, sondern durch Vorbereitung.
Mein Appell an die Politik ist daher klar: Sichern Sie die Strukturen dauerhaft ab. Stärken Sie das Schwarzwild-Kompetenzzentrum. Erhalten Sie die Unterstützung für die Jägerschaft. Investieren Sie weiter in Prävention, bevor aus einer theoretischen Gefahr eine reale Krise wird. Seuchenprävention ist kein Randthema. Sie ist Voraussetzung für stabile landwirtschaftliche Produktion, für Tiergesundheit und für Vertrauen in staatliches Rrisenmanagement. Wer Versorgungssicherheit ernst meint, muss auch Vorsorge ernst nehmen.
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