Januar 2026

Januar 2026

Themenschwerpunkt:

Landwirtschaft braucht Verlässlichkeit

Rückblick 2025 und der Blick nach vorn

 
Inhalt:

Jahresrückblick                                          4 - 7

Leadership Mission in Agriculture Policy     8

Änderungen zum Jahreswechsel                 9/12  

Kuhgarten                                                 10 - 11  

 

Gemeinsam Wirkung entfalten: Geschlossenheit bleibt unser stärkstes Werkzeug

von Toralf Müller, Vizepräsident des Thüringer Bauernverbandes

2025 war kein leichtes Jahr für die Landwirtschaft in Thüringen. Politische Unsicherheiten, zunehmende Regulierung, wachsende gesellschaftliche Erwartungen und ein wirtschaftliches Umfeld, das vielen Betrieben kaum Luft zum Atmen lässt, haben unseren Berufsstand stark gefordert. Und trotzdem, oder gerade deshalb, hat sich gezeigt, wie wichtig eine handlungsfähige, geschlossene Interessenvertretung ist.

Der Thüringer Bauernverband hat im vergangenen Jahr nicht nur reagiert, sondern gestaltet. Wir haben Fehlentwicklungen benannt, politische Vorhaben korrigiert und dort eingegriffen, wo Praxis und Verwaltung auseinanderzulaufen drohten. Klarstellungen bei der Düngebedarfsermittlung und beim Umgang mit überfrorenen Böden haben Rechtssicherheit geschaffen und unnötige Sanktionen verhindert. Das geplante Flächenregister als drohendes Bürokratiemonster konnte durch unseren gemeinsamen Druck gestoppt werden – es bleibt freiwillig. Auch bei der Ausgleichszulage haben wir erreicht, dass Mittel aufgestockt wurden, auch wenn klar bleibt: Das reicht noch nicht. Die Anerkennung der natürlichen Schwimmschicht als alternative TA-Luft-Minderungsmaßnahme und Aussetzung der Sanierungsfristen zeigt, dass Fachlichkeit am Ende stärker sein kann als Ideologie, wenn man beharrlich bleibt. Diese Erfolge sind keine Selbstläufer. Sie sind das Ergebnis vieler Gespräche, klarer Positionen und nicht zuletzt eines Berufsstandes, der bereit war, Haltung zu zeigen. Die Wiedereinführung der Agrardieselrückvergütung hat einmal mehr deutlich gemacht: Wenn wir uns bewegen, bewegt sich auch die Politik. Schweigen hingegen kostet. Mit Blick auf 2026 dürfen wir uns jedoch nichts vormachen. Die Herausforderungen werden größer, die Konflikte härter. Die Vorschläge der EU-Kommission zum künftigen Agrarhaushalt bedrohen die wirtschaftliche Basis unserer Betriebe, insbesondere in Ostdeutschland. Die Auflösung der Zwei-Säulen-Struktur, pauschale Kappungen und Renationalisierung würden Strukturen zerstören, Arbeitsplätze gefährden und Investitionen abwürgen. Das ist kein Reformansatz, das ist ein Strukturbruch. Hier werden wir als Verband keinen Millimeter nachgeben.

Gleichzeitig spitzt sich die Lage in vielen betrieblichen Kernfragen weiter zu: Ein wirksamer Pflanzenschutz wird immer stärker eingeschränkt, während Ertragssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit weiterhin erwartet werden. Genehmigungsverfahren im Stallbau dauern zu lange, Tierwohl kostet Geld, das oft nicht erwirtschaftet werden kann und der Strukturwandel in der Tierhaltung schreitet voran. Dazu kommen ungelöste Konflikte beim Wolfsmanagement, bei Seuchenvorsorge und bei der Bürokratie, die vielerorts eher lähmt als unterstützt.

Unsere Forderungen für 2026 sind deshalb klar und nicht verhandelbar: Planungssicherheit statt Dauerexperiment, praxistaugliche Regeln statt Symbolpolitik, ein eigenständiges Agrarbudget mit fairer Verteilung, ein funktionsfähiger Pflanzenschutz, echte Entlastung beim Bürokratieaufwand und Investitionsbedingungen, die Modernisierung ermöglichen statt verhindern. Landwirtschaft braucht Verlässlichkeit – keine ständig wechselnden Spielregeln. All das werden wir nur erreichen, wenn wir geschlossen auftreten. Die Landesvertreterversammlung und der agrarpolitische Jahresabschluss haben gezeigt, dass unser Verband wirkt, wenn er klar, sachlich und gemeinsam handelt. Dieser Zusammenhalt ist unsere größte Stärke. Er entscheidet darüber, ob wir Gestaltungspartner bleiben oder zum Spielball politischer Entscheidungen werden.

2026 wird uns nichts geschenkt. Aber wir haben 2025 bewiesen, dass wir etwas erreichen können, wenn wir zusammenstehen, wenn wir uns einbringen und wenn wir bereit sind, für unsere Betriebe, unsere Familien und unsere Regionen einzustehen. Genau darauf kommt es jetzt an.

 

 

 

 

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