Wochenbericht

Agrarpolitik: Austausch auf „Brüsseler Parkett“

Die Verordnungsvorschläge der EU-Kommission für den kommenden Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) und die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028 liegen seit Juli 2025 auf dem Tisch und sie haben eine bemerkenswerte Dynamik ausgelöst. Kaum veröffentlicht, sorgten sie europaweit für intensive Debatten und deutliche Reaktionen. Genau vor diesem Hintergrund trafen sich die Vertreter der Landesbauernverbände (LBV) am 2. und 3. Dezember in Brüssel zu einer Reihe hochkarätiger Gespräche mit Entscheidungsträgern des „Brüsseler Parketts“. Mit dabei: Vertreterinnen und Vertreter der EU-Kommission, des Europäischen Parlaments sowie COPA-COGECA, die Stimme der europäischen Landwirtschaft.

In der Brüsseler Verwaltung scheint klar zu sein, dass die Landwirtschaft mit der Ernährungssicherung zu den Prioritäten gehört. Die Einkommenssicherung ist unstrittig im Vergleich der volkswirtschaftlichen Betrachtung, denn diese liegt aktuell bei lediglich 41 Prozent. Dennoch gäbe es viele neue zusätzlich Prioritäten zu bedienen. Der neue ambitionierte MFR mit 2.000 Milliarden Euro erscheint dabei dennoch sehr schmal. Aus diesem Grund gilt es aus Sicht der Kommission zielgerichteter das Geld zu verteilen, flexibler die Programme zu gestalten und einfachere Strukturen mit weniger Fonds zu schaffen. Und genau hier setzt die Kritik an.

Im Austausch mit Parlamentariern und der Generalsekretärin von COPA-COGECA erhielten die LBV-Vertreter einen klaren Blick hinter die Kulissen. Schon der aktuelle GAP-Strategieplan, aber auch der neue geplante Nationale und Regionale Partnerschaftsplan zeigen eine deutliche Zentralisierung und damit eine Schwächung der Regionen. Die geplante Ein-Fonds-Struktur und die fehlende Zuordnung konkreter Mittel zu einzelnen Aufgabenfeldern werfen erhebliche Fragen auf. Für die LBV-Vertreter steht fest: Hier droht ein ernstzunehmender Verlust regionaler Gestaltungskraft und wirtschaftlicher Stabilität.

Im Europäischen Parlament laufen derweil die Vorbereitungen auf Hochtouren. Alle vorliegenden Texte werden bewertet, Chancen und Risiken abgewogen, mögliche Bündnisse ausgelotet. Im Januar 2026 starten dann die Verhandlungen zwischen Parlament, Kommission und Rat. Da sowohl die finanzielle Ausgestaltung als auch viele Strukturfragen noch völlig offen sind, ist jetzt der ideale Moment für eine klare Positionierung des DBV-Fachausschusses Agrarpolitik.

Die Sitzung des Fachausschusses fand bewusst in Brüssel statt und der Zeitpunkt hätte kaum besser gewählt sein können. Denn unmittelbar nach Sitzungsende trafen sich die Agrarminister der Bundesländer zu einer Sonder-Agrarministerkonferenz, ebenfalls in Brüssel. Eine kleine Delegation des DBV nutzte die Gelegenheit zum direkten Austausch und übergab das frisch beschlossene Positionspapier „Zukunftsfähige Landwirtschaft braucht eine starke GAP“ mit zehn zentralen Forderungen und Korrekturen an den Vorschlägen der EU-Kommission.

 

 

 

Silberne Ehrennadel für Reinhard Metzner

Der Thüringer Bauernverband würdigte die langjährigen Verdienste von Reinhard Metzner mit der Silbernen Ehrennadel. Die Auszeichnung überreichte Gunnar Jungmichel, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Saale-Orla-Kreis, im Rahmen der Vorstandssitzung des Kreisverbandes am 25. November in Knau.

Reinhard Metzner ist seit 1994 Mitglied des Kreisbauernverbandes und engagiert sich viele Jahre ehrenamtlich in verschiedenen Vorstandspositionen, zuletzt als stellvertretender Kreisvorsitzender. Seine Kolleginnen und Kollegen schätzen besonders seine ruhige und ausgleichende Art, die in bewegten Zeiten den sachlichen Blick bewahrt.

Als Ökolandwirt bewirtschaftet er zusammen mit seiner Frau Konstanze die Konstanze und Reinhard Metzner GbR in Burglemnitz mit einer Fläche von 155 Hektar. Ende 2022 gab er die Milchwirtschaft auf, konnte jedoch erfolgreich einen Nachfolger finden. Ende 2023 begann die schrittweise Übergabe des Betriebs an eine junge, familienfremde Familie, wodurch die Milchviehhaltung in der Region wieder aufgenommen wurde.

Mit seinem langjährigen Engagement für die Landwirtschaft, seiner ehrenamtlichen Arbeit im Kreisbauernverband und seiner nachhaltigen Betriebsführung leistet Reinhard Metzner einen bedeutenden Beitrag für die Region und das Gemeinwohl.

LEADER: Neue Spitze für regionale Aktionsgruppe im Saale-Holzland-Kreis

Die Mitgliederversammlung der Regionalen Aktionsgruppe (RAG) im Saale-Holzland-Kreis wählte einen neuen Vorstand. Aus dem Gremium wurde Ariane Bretschneider von der Agrargenossenschaft Buchheim – Crossen eG an die Spitze gewählt und übernahm damit den Staffelstab von Dr. Siegfried Stenzel. Sie wird künftig eng mit RAG-Vorsitzendem Landrat Johann Waschnewski zusammenarbeiten.

Für die berufsständische Vertretung des Bauernverbandes wurden fünf Vertreterinnen und Vertreter in den Vorstand gewählt. Das LEADER-Management, Ina John und Annett Tittmann, stellte den Arbeits- und den Finanzbericht vor. Im Mittelpunkt stehen die Förderung der ländlichen Entwicklung sowie Projekte zur Stärkung von Landwirtschaft, Infrastruktur und Dorfgemeinschaften. Zahlreiche neue Initiativen sollen nachhaltige Impulse für die Region setzen.

LEADER: Regionale Aktionsgruppe im Saale-Orla Kreis wählt neuen Vorstand

Bei der Mitgliederversammlung der LEADER-Aktionsgruppe Saale-Orla im Kulturbahnhof Bad Lobenstein hat Thomas Franke nach 18 Jahren den Vorsitz an Alexe von Wurmb übergeben. Das LEADER-Management, vertreten durch Alexander Pilling und Sören Kube, dankte Franke für sein langjähriges Engagement.

Neu im Vorstand sind Silke Eismann vom Thüringer Bauernverband, Regionalstelle Ost und Matthias Dietzel von der Remptendorfer Agrargenossenschaft, die frische Expertise aus dem Bereich der Landwirtschaft einbringen.

Die Mitgliederversammlung nutzte die Gelegenheit, aktuelle Projekte vorzustellen und die strategische Ausrichtung der kommenden Jahre zu besprechen. Mit dem neuen Vorstand setzt die LEADER-Aktionsgruppe auf Zusammenarbeit mit Bürgerinnen, Vereinen und Institutionen, um die Region weiterzuentwickeln.

Spitzenleistungen im Rampenlicht: Thüringen ehrt die besten Auszubildenden der Grünen Berufe 2025

Applaus, Kamerablitzlichter und stolze Gesichter prägten am 27. November den Festsaal des Schlossvippacher Rathauses. Dort wurden die 14 besten Absolventinnen und Absolventen der Grünen Berufe 2025 ausgezeichnet – ein Höhepunkt für den landwirtschaftlichen Nachwuchs in Thüringen. Die Veranstaltung, seit Jahren fest im Kalender verankert, wurde erneut vom Thüringer Landwirtschaftsministerium gemeinsam mit den Grünen Verbänden ausgerichtet.

Rund 450 junge Menschen hatten in diesem Jahr ihre Ausbildung in einem der Grünen Berufe abgeschlossen. Die Besten von ihnen, aus den Bereichen Landwirtschaft, Agrarservice, Tierhaltung, Forstwirtschaft, Pferdewirtschaft, Hauswirtschaft, Gartenbau, Gartenbauwerkstatt sowie Milchwirtschaft, wurden nun feierlich geehrt. Neben Urkunden und Pokalen gab es auch Sachpreise, gestiftet von den jeweiligen Berufsverbänden.

Jubel brandete auf, als Til Werner, frischgebackener Landwirt aus der Wipperdorfer Agrargesellschaft mbH, als jahrgangsbester Absolvent seines Berufsfelds aufgerufen wurde. Dr. Klaus Wagner, Präsident des Thüringer Bauernverbandes, würdigte Werners Leistungen in einer pointierten Laudatio und sparte auch nicht mit Lob für den Ausbildungsbetrieb. Das Ergebnis, so Wagner, zeige eindrucksvoll, was engagierte Auszubildende und starke Betriebe gemeinsam erreichen können.

Ebenfalls geehrt wurde auch in diesem Jahr wieder der „Ausbildungsbetrieb des Jahres 2025 in den Grünen Berufen“. Der Preis würdigt besonderes Engagement, hohe Qualität und überdurchschnittliche Leistungen der jeweiligen Ausbildungsbetriebe. Der Titel ging in diesem Jahr an die Pöltzschtal AGRAR GmbH in Berga-Wünschendorf, die mit einer modernen und vielseitigen Ausbildungsstruktur, umfassenden Einblicken in unterschiedliche landwirtschaftliche Bereiche, einer engagierten Nachwuchsarbeit sowie der Unterstützung bei Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen überzeugte. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro dotiert.

Die Auszeichnungsveranstaltung machte einmal mehr deutlich, wie bedeutend der berufliche Nachwuchs für die Zukunft der Thüringer Agrar- und Umweltwirtschaft ist. In Zeiten wachsender Herausforderungen steht fest: Ohne gut ausgebildete Fachkräfte gibt es keine nachhaltige Landwirtschaft. Und genau diese Fachkräfte standen an diesem Nachmittag im Mittelpunkt.

TBV positioniert sich zu Änderungen im ILU ab 2026

Der Thüringer Bauernverband (TBV) hat im Fachausschuss Betriebswirtschaft seine Position zur künftigen Ausgestaltung der Investitionsförderung (ILU) ab 2026 erarbeitet und zentrale Forderungen im Partnergespräch mit dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum am 2. Dezember klar formuliert.

Klar ist, die Investitionsförderung bleibt für die Thüringer Landwirtschaft ein wesentliches Instrument, um den steigenden Anforderungen in den Bereichen Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz gerecht zu werden. Aus Sicht des TBV reicht das derzeitige Fördervolumen jedoch nicht aus. Er fordert daher eine deutliche Aufstockung der Mittel, sowohl in der aktuellen als auch in der kommenden Förderperiode, um den regionalen Bedingungen und betrieblichen Erfordernissen gerecht zu werden.

Da Investitionen langfristige Vorläufe benötigen, kritisiert der Verband kurzfristige Änderungen an Förderparametern. Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Planungen und Finanzierungsgespräche lassen sich nicht in engen Zeitfenstern umsetzen. Der TBV fordert deshalb, die angedachten Beihilfesätze frühestens ab 2027 einzuführen, um Planbarkeit und Verlässlichkeit sicherzustellen. Ebenso lehnt er die Vorgabe ab, bereits zum Antragsstichtag vollständige Genehmigungen wie Bau- oder BImSchG-Genehmigungen vorlegen zu müssen. Stattdessen sollten Genehmigungsbehörden Verfahren beschleunigen und bestehende bürokratische Hürden abbauen.

Die angedachte Absenkung der Fördersätze wird kritisch bewertet. Schon geringere Anpassungen bedeuten insbesondere bei großen Bauvorhaben erhebliche Mehrbelastungen und gefährden die Wirtschaftlichkeit geplanter Investitionen, zumal erhebliche Preissteigerungen im Baubereich seit Jahren nicht ausreichend berücksichtigt werden. Die Streichung der Basisförderung sieht der TBV als unstrittig an, den Wegfall der Förderung allgemeiner Aufwendungen wie Planungs-, Gutachter- oder Architektenleistungen jedoch nicht, da diese unmittelbar mit den Investitionsprojekten verbunden sind und weiterhin förderfähig bleiben sollten.

Auch die geplante Reduzierung des maximal förderfähigen Investitionsvolumens – von derzeit 5 Millionen Euro auf 3 oder sogar 2 Millionen Euro – lehnt der TBV ab. Eine solche Begrenzung hätte ähnliche negative Wirkungen wie die Absenkung der Beihilfesätze und würde dazu führen, dass Investitionen verschoben oder aufgegeben werden. Der Verband spricht sich stattdessen klar dafür aus, das Förderbudget an den tatsächlichen Investitionsbedarf anzupassen.

Ein Losverfahren hält der TBV lediglich im Bereich der Maschinenförderung für denkbar. Für bauliche Investitionen ist ein solches Verfahren aus seiner Sicht ungeeignet, da Planungssicherheit und Genehmigungsprozesse eine verbindliche Förderperspektive erfordern. Hinsichtlich der Auswahlkriterien begrüßt der Verband zwar grundsätzlich die geplanten Anpassungen, fordert jedoch eine stärkere Berücksichtigung der Tierhaltungsbetriebe, da dort ein besonders hoher Investitionsbedarf besteht.

>>>Zum Positionspapier zur künftigen Ausgestaltung der Investitionsförderung<<<

Auszahlungen der Agrarbeihilfen: Terminplan steht, Kritik am Verfahren bleibt

Auf Nachfrage beim Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TMWLLR) wurde bestätigt, dass derzeit die Vorbereitungen für die Auszahlung der Ausgleichszulage sowie der Direktzahlungen laufen.

Die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete soll [ecr]planmäßig Mitte Dezember – voraussichtlich am 18. Dezember – ausgezahlt werden.

Die Direktzahlungen, einschließlich Einkommensgrundstützung, Umverteilungsprämie, gekoppelter Prämien und Ökoregelungen, sind für das Jahresende vorgesehen und sollen spätestens zwischen dem 24. und 27. Dezember auf den Konten eingehen. Die genauen Beihilfesätze werden erst in den nächsten Tagen im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Wir werden rechtzeitig darüber informieren.

Der Thüringer Bauernverband hat deutliche Kritik gegenüber dem TMWLLR geäußert. Hintergrund ist, dass noch Mitte November zahlreiche neue Rückfragen über die FAN-App veröffentlicht wurden, darunter auch umfangreiche Abfragen zur Steueridentifikationsnummer bei verbundenen Unternehmen.

 

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