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TBV

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Montag, 15 Februar 2021 14:30

Februar 2021

Insektenschutzpaket beschlossen. Aktionen und Proteste gehen weiter

Kommentar:
Öffentliche Leistungen brauchen öffentliches Geld
von Dr. Klaus Wagner, Präsident des Thüringer Bauernverbandes

Das Insektenschutzgesetz und die Pflanzenschutz- Anwendungsverordnung haben das Kabinett passiert. Werden sie rechtskräftig, sind damit weitreichende Einschränkungen für die Landbewirtschaftung verbunden. Die Landwirtschaft hat ihren Anteil am Rückgang der Insekten. Das ist richtig. Aber die Logik der Gesetzesvorhaben ist doch allzu simpel: weniger Pflanzenschutzmittel gleich mehr Insekten. Also verbietet man einfach die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Folgenabschätzung? Kompensation? Fehlanzeige!

Von dieser Art der Zieldefinierung, ohne zu wissen, wie das Ziel erreicht werden soll und welche Kollateralschäden die Zielerreichung mit sich bringt, ist nicht nur die Landwirtschaft betroffen. Atom- und Kohleausstieg sind beschlossen. Für Verbrennungsmotoren hat die EU-Kommission Abgasnormen festgelegt, die faktisch das Aus für den Verbrenner bedeuten. Andere Staaten gehen noch weiter und verbieten den Verbrenner gleich ganz. Das alles wird versehen mit dem Etikett der Transformation hin zu einer ökologisch sozialen Marktwirtschaft. Die Folge: Der eine Teil der Wirtschaft internationalisiert sein Geschäft. Der andere Teil macht mit, in der Hoffnung, von diesem Transformationsprozess zu profitieren. Internationalisierung ist für den einzelnen Landwirtschaftsbetrieb aber keine Option. Man stelle sich mal vor, der Atom- und Kohlausstieg wäre beschlossen worden, ohne Förderung erneuerbarer Energien über das EEG? Die EEG-Umlage beläuft sich allein 2020 auf ca. 26 Milliarden Euro. Für den Kohleausstieg investiert der Staat noch einmal 60 Milliarden Euro. Die Umstellung auf Elektromobilität wird mit direkten Kaufprämien und Steuervorteilen gefördert. Nur wir in der Landwirtschaft sollen froh und dankbar darüber sein, dass das EU-Agrarbudget auf dem bisherigen Niveau erhalten bleibt und ca. 5 Milliarden Euro pro Jahr in die heimische Landwirtschaft fließen? Ein Budget, das aus einem ganz anderen Sinn und Zweck heraus entstanden war (und für diesen nach wie vor berechtigt) als die Erbringung von Ökosystemdienstleistungen.

Der Schutz der Biodiversität ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Als Landwirtschaft sind wir uns unserer Verantwortung bewusst und wollen unseren Beitrag dazu leisten. Wir können das aber nicht allein, vor allem nicht ohne Kompensation. Es gilt wie in den anderen Fällen auch: Öffentliche Leistungen brauchen öffentliches Geld! Dazu brauchen wir die Unterstützung der politischen Akteure, die erkannt haben, dass Insektenschutz und Artenschutz nur mit der Landwirtschaft gehen. Die Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung muss durch den Bundesrat, das Insektenschutzgesetz durch den Bundestag. Hier müssen wir die Möglichkeiten nutzen, die unsere Demokratie bietet, um auf Änderungen zu drängen. Die Folgen müssen kompensiert, die Möglichkeiten des kooperativen Naturschutzes erhalten bleiben.

Inhalt:
  • Verbot Kükentöten 3
  • Gewässerschutzkooperationen 6
  • Betretungsrecht 7
  • Fachausschuss Vieh und Fleisch 9

 

Donnerstag, 10 September 2020 16:08

September 2020

Nach der Trockenheit ist vor den bürokratischen Hürden

von Dr. Klaus Wagner, Präsident des Thüringer Bauernverbandes

Kommentar: Als im April die Niederschläge gefühlt nahezu ausblieben, hing über uns allen das Damoklesschwert eines dritten Dürrejahres mit schlechten Ernteergebnissen. Zum Glück änderte sich die Lage im Mai und vor allem im Juni. Es fielen vielerorts teils ergiebige Niederschläge. Es waren letztlich diese Niederschläge, die unsere Ernte „gerettet“ haben, die uns mit einem blauen Auge davonkommen ließen und die es uns ermöglichen weiterzumachen. Spätestens jetzt sollte aber auch dem Letzten klar sein, dass wir nicht so weitermachen können wie bisher. Wir müssen uns an die klimatischen Veränderungen anpassen. Weniger Niederschläge und wenn doch, zu anderen Zeiten als gewohnt, milde Winter, mehr Starkregenereignisse und steigende Temperaturen. Auch wenn der Sommer 2020 glücklicherweise nicht so heiß war wie 2019, stehen wir vor immensen Herausforderungen. Auch das durch die Dürre der letzten zwei Jahre entstandene Bodenwasserdefizit besteht weiter und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit nicht ausgeglichen werden können. Wir müssen uns dieser Realität stellen und unsere Betriebe darauf vorbereiten. Als Landwirt zu wirtschaften, bedeutete schon immer mit einer Vielzahl von Risiken und unvorhersehbaren Widrigkeiten umzugehen. Deshalb bin ich optimistisch, dass dies gelingen wird. Es bedarf hierzu allerdings auch der Unterstützung von Seiten der Politik und der Gesellschaft: Wir brauchen eine verstärkte Erforschung trockenresistenter Sorten, auch mit dem kontrollierten Einsatz CRISPR/CAS-Techniken, wir brauchen die Entwicklung von neuen Anbautechniken, wie Strip Till, kurz: Wir müssen die Möglichkeit bekommen, unsere Flächen auch zukünftig nach dem neuesten Stand der Technik zu bewirtschaften, statt den Weg in eine idealisierte Vergangenheit zu gehen, wie von der Grünen politischen Seite propagiert wird. Wir müssen den neusten Stand der Technik nutzen können, auch gerade um unsere Pflanzen, unsere Ernte zu schützen. Dies bedeutet vor allem den Einsatz geeigneter Pflanzenschutzmittel. Hier darf es keine weiteren Nutzungseinschränkungen geben, im Gegenteil: Bei akuter Gefahr, wie dem diesjährigen Feldmausbefall muss es mehr Möglichkeiten geben, diese zu bekämpfen. Da die meisten von der Feldmausplage betroffenen Flächen in Schutzgebieten des Feldhamsters und der Haselmaus liegen, es sich um FFH-Gebiete oder Rastplätze von Zugvögeln handelt, ist derzeit der Einsatz von Rodentiziden, konkret des Pflanzenschutzmittels Ratron, verboten. Die Folge ist, dass ein Großteil der Ernte aufgefressen wurde und eine erfolgreiche Aussaat vielerorts nicht möglich ist. Die Notfallzulassung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat daran nichts geändert, weshalb sie diesen Namen nicht verdient. Den betroffenen Landwirt*innen – auch ich gehöre dazu – bleiben so weiterhin die Hände gebunden. Statt mit der Aussaat die Grundlage für eine erfolgreiche Ernte und damit unser aller Lebensmittelversorgung zu legen, füttern wir derzeit die Feldmäuse. Sollten wir in Zukunft auf technische Innovationen verzichten müssen, uns der Schutz unserer Pflanzen und der Ernte noch weiter erschwert werden, wird unsere Wettbewerbsfähigkeit auf offenen Märkten eingeschränkt und die Versorgung unserer Bevölkerung mit heimischen Lebensmitteln gefährdet werden. Wir Landwirte müssen uns den klimatischen Veränderungen stellen. Damit wir hier erfolgreich sein können, müssen sich aber auch Politik und Gesellschaft entscheiden: Wollen sie qualitativ hochwertige Lebensmittel, mittels kurzer Wege transportiert, vor Ort gehandelt und verarbeitet oder wollen sie zukünftig alles aus dem Ausland importieren? Wenn wir uns entscheiden, den nachhaltigen Weg zu gehen und unsere heimische Landwirtschaft zu erhalten, müssen technische Neuerungen angeschoben und diese auch eingesetzt werden dürfen. Nicht zuletzt müssen Politik und Gesellschaft der Landwirtschaft zugleich auch einen angemessenen Platz in der Wertschöpfungskette zubilligen, denn nur wirtschaftlich starke Unternehmen können diesen Weg in die Zukunft gehen, können die Innovationen in die Fläche und auf die Felder bringen.

Samstag, 10 Oktober 2020 16:08

Oktober 2020

Corona & die Schweinepest: Der Platz wird knapp

von Dr. Lars Fliege, Vizepräsident des Thüringer Bauernverbandes e.V.

Kommentar: Seit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest beim Wildschwein in Brandenburg hat sich einiges getan auf dem Schweinefleischmarkt, und das nicht im positiven Sinne. Neben dem Einbruch der Preise für Schlachtschweine und Ferkel treibt uns Ferkelerzeuger und Mäster die äußerst angespannte Lage in unseren Ställen um. Corona-bedingte Einschränkungen in Schlachthöfen sorgen dafür, dass der Absatz auf allen Ebenen stockt. Die Mastschweine werden schwerer, neue Ferkel werden geboren, der Platz wird knapper, der Überhang wächst. Wir können zwar von heute auf morgen die Besamung der Sauen stoppen, doch das hilft uns kurzfristig nicht weiter. Wir brauchen neun Monate, bis die heute tragenden Muttertiere ihre Ferkel zur Welt gebracht haben, die Ferkel zu Mastschweinen herangewachsen sind und schlussendlich geschlachtet werden können. Die eigentliche Frage lautet: Werden wir in neun Monaten einen Überhang an schlachtreifen Schweinen in Deutschland haben? Wenn wir diese Frage mit „Ja“ beantworten, dann sollten wir heute die Besamungen der Sauen reduzieren. Wenn wir „Nein“ sagen, können wir aus unserer jeweiligen betrieblichen Verantwortung heraus jetzt nicht einfach aufhören. Niemand kann heute sagen, was die richtige Entscheidung ist. Sicher ist nur – in neun Monaten wird Sommer sein und in Deutschland wird gegrillt werden. Sicher ist auch, dass nicht nur Gemüse und Käse auf dem Grill landen werden und sicher ist, dass wir Landwirte Unternehmer sind, die davon leben, etwas zu unternehmen. Wir leben nicht davon Betriebszweige oder Produktionsrichtungen einzustellen.

Montag, 02 November 2020 16:08

November 2020

Erster Schritt ist gemacht - nun muss die Detailarbeit kommen

von Steffen Steinbrück, Vorsitzender des Fachausschusses Umweltschutz beim Thüringer Bauernverband

Kommentar: Nach landwirtschaftlichen Demonstrationen zum Jahreswechsel 2019/20, einem Diskussionsforum auf der Erfurter Messe und monatelanger Arbeit in Arbeitsgruppen steht die Diskussion der Nitratüberschussgebiete in Thüringen vor einem bedeutenden Punkt – der neuen Ausweisung der überarbeiteten Roten Gebiete zum 1. Januar 2021. Das Ergebnis zeigt, dass ein deutlich positiver Schritt gelungen ist. Durch zahlreiche Zuarbeiten aus den landwirtschaftlichen Betrieben (für die wir nochmals herzlich danken) und intensive Diskussionen zwischen Berufsstand, den Landesministerien und der Landwirtschafts-/Umweltverwaltung konnten die Roten Gebiete auf eine fachlich belastbarere Basis gestellt werden. Dabei ist zunächst festzuhalten, dass in kaum einem anderen Bundesland ein so offener fachlicher Austausch zwischen Berufsstand und Verwaltung möglich war wie in Thüringen, was an sich schon eine zu würdigende Besonderheit darstellt. Zweifelhafte Messstellen wurden überprüft und, wo notwendig, herausgenommen, neue Brunnen und Messstellen hinzugefügt und beides nach den Vorgaben der neuen Düngeverordnung intensiv abgewogen und in eine neue Kulisse überführt. Durch die Facharbeit konnte der ursprüngliche Umfang der Roten Gebiete deutlich reduziert und konkretisiert werden. Dies ist für viele Betriebe, die damit nicht unter die teils fachfremden Vorgaben der neuen Düngeverordnung fallen werden, eine spürbare Erleichterung, auch wenn allen bewusst ist, dass unverändert Betriebe verbleiben, die sich schweren Herausforderungen und deren Folgen gegenüber sehen. Beispielhaft sei hier nur die 20prozentige Stickstoffdüngerreduzierung erwähnt. Aus Sicht von uns Landwirt*innen ist die neue Kulisse dabei nicht das Ende der Diskussionen, sie ist erst der Anfang! Denn zum einen hat die lange Facharbeit gezeigt, dass die neue Kulisse und ihre Basis, trotz aller Verbesserungen, unverändert Diskussionspunkte aufwerfen, die beantwortet werden müssen. Zu oft bleiben Fragen, auf die noch keine klaren Antworten gegeben werden können. Fragen wie z.B. „Warum gibt es Messstellen, die teils hohe N-Werte um die 100 mg/l aufweisen, wenn die dort wirtschaftenden Landwirt*innen seit Jahren nur noch N-Salden von unter 30 kg/ha aufweisen?“, „Wie kann es sein, dass Messstellen hohe Werte aufweisen, obwohl andere in unmittelbarer Nähe liegende Brunnen deutlich geringere Werte haben? oder „Wie entwickelt sich der Humusgehalt der Böden bei 20 Prozent Düngungsreduktion?“. Hier werden in den nächsten Jahren noch weitere intensive, ergebnisoffene Detailprüfungen und Kooperationen notwendig sein, um standortangepasste N-Reduktionsstrategien zu erarbeiten und umzusetzen. Und es müssen, selbst nach Aussage des Bundeslandwirtschaftsministeriums, auch noch spezielle Lösungen für Gebiete mit wenig Niederschlag entwickelt werden. Und zweitens brauchen die Betriebe, die unverändert von einem Roten Gebiet betroffen sind, nun verstärkt Unterstützung, um die betriebswirtschaftlich absehbaren Folgen schultern zu können und, wo nötig, Bewirtschaftungsanpassungen vorzunehmen, insbesondere wenn sie bereits über Jahre Strategien zur N-Reduktion fahren und diese sich – aus welchen Gründen auch immer – noch nicht in der Grundwasserqualität widerspiegeln. N-Management und Gewässerschutz müssen Hand in Hand gehen – fachorientiert und auf die wirklichen Verursacher ausgerichtet – nur dann werden wir langfristig Erfolg haben.

Dienstag, 15 Dezember 2020 16:08

Dezember 2020

Kampf gegen Windmühlen?

von Katrin Hucke, Hauptgeschäftsführerin des Thüringer Bauernverbandes

Kommentar: Die Stimmung in der Landwirtschaft ist zum Ende des Pandemiejahres 2020 schlecht. Ein Blick auf die VEZG-Notierung des Schlachtschweinepreises zeigt mit nur noch 1,19 EUR/kg Schlachtgewicht einen neuen Tiefpunkt, die absehbaren Folgen des Aktionsprogramms Insektenschutz lässt viele Landwirt* innen um ihre Existenz fürchten. Beide Beispiele illustrieren treffend die Ursachen für die schwierige Situation, in der sich die Landwirtschaft auch 2020 befand: Es ist auf der einen Seite die angespannte Lage auf den Märkten und der (Preis-)Druck von Seiten des Einzelhandels. Ein Preissturz wie durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest und des Corona-bedingten Schlachtstaus wird über den Markt nicht kompensiert, auch die viel zu niedrigen Milchpreise spotten nach wie vor jeder Beschreibung. Auf der anderen Seite beglücken uns unsere Politiker*innen mit immer neuen GRÜNEN Ideen, die selten auf Fakten beruhen, die den Landwirt*innen aber teuer zu stehen kommen. So führte das absurde politische Theater zwischen den Thüringer Regierungsparteien und Ministerien bei der Frage der Feldmausbekämpfung aufgrund der Halsstarrigkeit der GRÜNEN Umweltministerin zu keinem brauchbaren Ergebnis. Die betroffenen Landwirt*innen und mit ihnen der ländliche Raum zahlten den Preis. Es war nicht das einzige Mal in diesem Jahr, dass (insbesondere GRÜNE) politische Protagonisten offenbarten, wie wenig landwirtschaftliche Expertise und wie wenig Interesse sie an Belangen der Thüringer Landwirtschaft haben. Als Bauernverband haben wir auch 2020 versucht, die Interessen des Berufsstandes zu wahren und energisch für deren Berücksichtigung gestritten. Blickt man zurück, fragen sicher viele: War es ein vergeblicher Kampf, ein Kampf gegen Windmühlen? Ich denke nicht. So haben wir Anfang des Jahres als geeinter Berufsstand gegen die Düngeverordnung und die Ausweisung der Roten Gebiete mobil gemacht. Wir standen mit hunderten Traktoren vor dem Landtag und haben die politisch Verantwortlichen gezwungen, uns zuzuhören und die notwendigen Messstellen zuzulassen. Zusammen mit dem Engagement des Deutschen Bauernverbandes auf Bundesebene gelang es so, die Roten Gebiete in Thüringen um rund 127.000 ha landwirtschaftliche Fläche zu reduzieren. Das kann sich sehen lassen und wäre ohne uns nicht erreicht worden. Nun müssen wir die Kraft in vernünftige Maßnahmen stecken und zusammen mit der Wasserwirtschaft darauf hinwirken, die leider noch ausgewiesenen Gebiete zu verkleinern. Auch auf europäischer Ebene gelang es den deutschen Bauernverbänden im Verbund mit ihren europäischen Kolleg* innen, die Höhe des Budgets für die zukünftige GAP zu erhalten. Auch wenn die Ausgestaltung nicht endgültig klar ist, zeigen die wütenden öffentlichen Reaktionen von Seiten der Umweltverbände und deren politischer Vertretung klar, dass diese ihre Ideen nicht wie gewünscht durchsetzen konnten. Auch der bundesdeutsche Gesetzesentwurf gegen unlautere Handelspraktiken ist ein erstes positives Ergebnis des Drucks der Bauernverbände im Kampf gegen die Marktmacht des Einzelhandels. Umfragen zeigen auch, dass es uns gelungen ist, die Preisproblematik stärker in das Bewusstsein der Verbraucher*innen zu rücken. Gleiches gilt für die Kosten des Tierwohls. Wir müssen den Druck auf die politischen Akteure aufrechterhalten, damit diese Themen auf der Tagesordnung bleiben. 2020 war insgesamt ein schwieriges Jahr für die Landwirtschaft, 2021 wird es absehbar auch sein. Wir müssen auch im neuen Jahr verhindern, dass die Landwirtschaft zwischen Markt und GRÜNEN Fantasien zerrieben wird. Erfolge und Misserfolge werden sich in diesem Kampf abwechseln. Gerade aber der Blick auf das in diesem Jahr Erreichte zeigt, was wir als Verband und als Berufsstand bewirken können, wenn wir einig und geschlossen handeln. Aufgeben ist keine Option.

Samstag, 02 Januar 2021 16:08

Januar 2021

Eine Perspektive geben

von Dr. Gerd Schaller, Revisionskommission des Thüringer Bauernverbandes

Kommentar: Auch im begonnen Jahr haben wir nach der biblischen Verheißung „Solange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1. Mose 8.22), eine weitere Chance, unserer Berufung im Aufgabendreieck: Verfügbarmachung agrarischer Rohstoffe (Lebensmittel)/ Umwelt- und Naturschutz/ Einkommenserzielung nachzugehen und dabei der besonderen Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung gerecht zu werden. Dafür wünsche ich uns einen Geist der Kraft, Liebe und Besonnenheit, der uns auch bei der Durchsetzung berufsständischer Interessen tragen möge. Mut machendes Beispiel erfolgreicher berufsständischer Arbeit bleibt der im zurückliegenden Jahr erzielte Kompromiss bei der Findung und Abgrenzung angemessener Nährstoffüberschussgebiete im Freistaat Thüringen. Dass die Beharrlichkeit der Organe des TBV in Erfurt, unterstützt durch die Spontanität und Kreativität, der im Herbst 2019 formierten Bewegung „Land schafft Verbindung“ (LsV) erst dieses Ergebnis ermöglichten, bleibt gleichermaßen unbestritten wie bemerkenswert. Dabei zeigte sich neben dem Potenzial einer solchen Zusammenarbeit auch das weite Feld an leidenschaftlich für den Berufsstand engagiertem Nachwuchs, den es, falls noch nicht erfolgt, für die Mitarbeit im TBV zu mobilisieren gilt. In Frage kommen sowohl die, in den arbeitsteilig organisierten bzw. familiengeführten Betrieben abhängig beschäftigten Mitarbeiter*innen als auch die, in den Familienbetrieben selbständig wirtschaftenden Landwirt*innen. Ein Schlüssel zu diesem Potenzial der Erneuerung unseres Verbandes könnte, wie mir scheinen will, im Stolz darauf liegen, diesem Berufsstand anzugehören – Bäuerin/Bauer zu sein. Grundlage dafür bleibt die Wahrnehmung unseres Verbandes als einflussreiche, integrierende Kraft, die auf dem Fundament einer wissensbasierten Meinungsbildung und Argumentation steht. Mit der gelungenen Neubesetzung der ehrenamtlichen Spitzenfunktionen behält der TBV nicht nur seine Handlungsfähigkeit, sondern auch seine Aufgeschlossenheit und Wandlungsfähigkeit gegenüber bevorstehenden Herausforderungen. Wünschenswert bliebe, dass mehr geeignete, möglichst auch weibliche Mitglieder in Zukunft den Mut zu einer Kandidatur fassen. Zusammen mit einem weiteren Kollegen habe ich das Privileg, im Rahmen der Revision gemeinsam mit einer Kollegin für den Verband tätig zu werden. Mit der Wahl von Claudia Schulze aus Leimbach in die Revisionskommission liegt die Frauenquote in den neubesetzten Ehrenämtern bei ca. 14 Prozent. Gut, dass diese Situation mit ca. 79 Prozent Frauen im Hauptamt des TBV quasi ausgeglichen wird. Auch für den Berufsstand gilt es 2021 zahlreiche Problemfelder einer Lösung näher zu bringen: Wie die mit den Begriffen Umwelt- und Klimakrise sowie Artensterben beschriebenen Entwicklungen (Insektenschutz, TA-Luft, PSM-Zulassung, EEG, DÜV, GAP, Wasserschutz, Schlachthöfe, SüdLink, alternative Züchtungsmethoden, etc.). Die Eigentümer- bzw. Hofnachfolge, die untrennbar mit der Einkommenssituation der Betriebe, dem Leitbild der Alterssicherung der Landwirte und der Attraktivität der landwirtschaftlichen Berufsbilder in Zusammenhang steht, wird ein Thema bleiben. Ob eine Regulierung der Agrarstruktur und eine Ausschließung außerlandwirtschaftlichen Kapitals dafür geeignete Lösungsansätze bieten, stelle ich an dieser Stelle in Zweifel. Die lange vernachlässigte Erlangung von Einkommen über eine „anständige“ Entlohnung in der Primärproduktion und der Verarbeitung erbrachter Leistungen am Markt (insb. im Lebensmitteleinzelhandel, insb. bei Milchprodukten) wird Thema bleiben, ebenso wie die Einflussnahme auf die zunehmende Entfremdung weiter Bevölkerungsteile von der Agrarwirtschaft und deren Entwicklung, mit Initiativen wie der „Heimischen Landwirtschaft“ oder Projekten wie dem „Lernort Bauernhof“. Weiterhin müssen wir uns der Aufrechterhaltung einer flächendeckenden, den natürlichen Gegebenheiten angemessenen und weitgehend aus sich heraus tragfähigen Landnutzung bei einem adäquaten Ausgleich für natürlich benachteiligte Gebiete widmen. Diesen Inhalten mit lösungsorientierten, inspirierenden Ansätzen eine Perspektive zu geben, ist ureigene Aufgabe des Berufsstandes. Der TBV und seine regionalen Untergliederungen bleiben dafür ein Werkzeug, das es weiter zu vervollkommnen gilt: Durch Solidarität, durch Mitgliedschaft, durch aktive Mitarbeit.

Freitag, 07 August 2020 13:32

DBV Bauerninfo Schwein 23/2019

Nationaler Aktionsplan Kupierverzicht greift ab 01.07.19

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