Wochenbericht

Zukunftsprogramm Pflanzenschutz: Kein großer Wurf

Vergangene Woche präsentierte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir das „Zukunftsprogramm Pflanzenschutz“. Grundlage hierfür waren die Diskussionsvorschläge des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aus dem Frühjahr und mehr als 90 Stellungnahmen von Verbänden und Institutionen. Der Deutsche Bauernverband (DBV) hatte die erste Ideensammlung sowohl in eigenen Stellungnahmen als auch in gemeinsamen Positionspapieren mit seinen Landesverbänden und weiteren Verbänden grundsätzlich kritisiert, da hiermit keine Antworten auf die Zukunftsfragen des Ackerbaus oder des Pflanzenschutzes gegeben werden, sondern sich lediglich auf die Reduzierung des Pflanzenschutzeinsatzes fokussiert wird. Wie die Ernährungssicherung gewährleistet bzw. der Schutz der Kulturen verbessert werden kann, fehlt weitgehend in dem eher als "Reduktionsprogramm" einzuordnenden Papier.

Unabhängig von der grundsätzlichen Kritik sind in dem sogenannten Zukunftsprogramm aber auch eine Reihe von Anpassungen festzustellen, die im Wesentlichen auf die Kritik seitens der Landwirtschaftsverbände zurückzuführen sind. So wurden beispielsweise die Möglichkeiten der Einsparungen von Pflanzenschutzmitteln (PSM) durch technische Möglichkeiten aufgenommen, wenn auch keine Gelder für die Förderung genannt werden. Zudem wurde die Prüfung von Verboten von PSM in Trinkwasserschutzgebieten ersatzlos gestrichen.

Ferner wurde im Zusammenhang mit dem Refugialflächenansatz die 10 Prozent Flächenanteil gestrichen. Auch wird explizit auf Verbote verzichtet und klargestellt, dass sich das 50 Prozent Reduktionsziel auf ganz Deutschland bezieht und nicht auf den Betrieb oder die Fläche.

Gleichwohl fehlt nach wie vor ein Konzept, wie denn künftig die Ernten und die Wirtschaftlichkeit der Betriebe gesichert werden soll bzw. ein generelles Programm zur Stärkung des chemischen Pflanzenschutzes.

Die Publikation finden Sie hier.

(Foto: farbkombinat)

Tag der Thüringer Direktvermarkter 29. Oktober

Der Branchentreff der Thüringer Direktvermarkter steht dieses Jahr unter dem Motto Digitalisierung der Buchhaltung, E- Rechnungen, Fachkräftegewinnung, deren Ansprache und Ausbildung. Zu diesen Themen begrüßen wir im Haus des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum in Jena drei Referenten. Zur touristischen Vernetzung der Hofläden werden zwei Vertreter der Thüringer Tourismus GmbH eine neue Kooperation zum Thema Kulinarik und Tourismus in Thüringen vorstellen.

Direktvermarkter können sich kostenfrei für einen Tisch im Rahmen unserer Warenbörse anmelden und dort ihre Produkte anderen Hofläden zum Zukauf anbieten. Während der großzügigen, kulinarisch gut gefüllten Pausen ist ein Austausch mit Mitbewerbern sowie eine Vernetzung möglich. Das detaillierte Programm und die Anmeldung finden Sie ab sofort hier.

Die Tickets inklusive Versorgung kosten 20 Euro.

Gesamtverband der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände im Austausch

Am 03. und 04. September trafen sich die Vertreter der Mitgliedsverbände des Gesamtverban­des der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände im hessischen Wal­deck. Beratungsschwerpunkte waren hier u.a. aus dem Bereich der Bildung, der Überarbei­tungsstand der Ausbildungsordnung des Berufsbildes Landwirt. Die in diesem Zusammenhang in Überarbeitung befindliche Berufsbildungsfeststellungsverfahrensverordnung (BBFVer­fVO), die am 01. Januar 2025 in Kraft treten soll, stellt sich nach Einschätzung aller Beratungsteil­nehmer als wenig konkret, zeitaufwendig, sehr theoretisch und auch sehr bürokratisch dar.

Des Weite­ren wurde durch den Referenten Hartmut Fanck, Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) aus Kassel, der ab 2025 neu einzu­führende Beitragsmaßstab der Landwirtschaftlichen Krankenkasse vorgestellt. Er informierte hierbei auch über die finanziellen Auswirkungen des Parkinsonsyndroms, welches als Berufs­krank­heit anerkannt werden soll und damit künftig die Ausgaben der Landwirtschaftlichen Berufsgenos­senschaft erhöht.

Ein weiterer Beratungspunkt war die Einführung der sozia­len Konditionalität im Zu­sammenhang mit den GAP-Zahlungen, welche ab dem Jahr 2025 einge­führt wird. Diese Re­gelun­gen beinhalten weitere Verpflichtungen zur Einhaltung geltender Arbeits- und Beschäfti­gungs- sowie Arbeitsschutzbedingungen für den Erhalt von Zahlungen aus der 1. und 2. Säule.

                                                                                                                             

Wolf schlägt erneut in Thüringer Schafherde zu - Praxistaugliches Wolfsmanagement gefordert

Dass ein Wolf einen über 2 Meter hohen Zaun überwinden kann, um in die Schafherde rein- und wieder rauszukommen, ist nur schwer vorstellbar. Unglücklicherweise aber vor kurzem in der Nähe von Gossel (Ilm-Kreis) in dieser Form passiert. Die Herde, mit rund 430 Schafen und 20 Ziegen, war über Nacht in einem fest installierten vermeintlich „wolfssicheren“ Pferch mit Untergrabschutz untergebracht und trotzdem hat es der Wolf geschafft, am 20. August 2024 gegen halb 4 Uhr morgens ein rund 60 kg schweres Altschaf durch einen Kehlbiss gezielt zu reißen (siehe Foto) und eine Ziege an der Hinterhand (Becken sowie Hinterbeine) schwer zu verletzen.

Der betroffene Landwirtschaftsbetrieb hat sich daraufhin an das Kompetenzzentrum Wolf/ Biber/ Luchs gewendet und den Vorfall gemeldet. In der Theorie wäre der zuständige Rissgutachter unverzüglich zu dem Betrieb gefahren und hätte (frische) genetische Proben am verendeten Tier entnommen, um die Schadensursache noch einmal amtlich festzustellen. In diesem Fall waren jedoch alle vier Thüringer Rissgutachter aus verschiedensten Gründen verhindert. Somit konnte erst am darauffolgenden Tag ein Rissgutachter zum Betrieb kommen und Proben entnehmen.

Dass eine (zum Teil deutlich) verspätete Probenentnahme nach einem Raubtierübergriff an den betroffenen Nutztieren erfolgt, ist leider kein Einzelfall. Sobald die DNA-Proben nicht mehr frisch sind und in der Zwischenzeit andere artfremde Tiere (beispielsweise Fuchs, Mader oder gar ein streunender Haushund) die Möglichkeit hatten, am Nutztierkadaver zu schnüffeln, fressen etc., kann der Wolf als Verursacher nicht mehr eindeutig nachgewiesen werden und taucht somit auch nicht in der Schadensstatistik auf. Die Vermutung, dass der Wolf in diesem Fall als Verursacher erst einmal gezielt ausgeschlossen werden sollte, bestätigt auch die Frage des Kompetenzzentrums bei einer ersten Telefonanalyse, „ob es nicht auch ein Fuchs gewesen sein könnte?“, der für den Riss des Schafes verantwortlich war und zuvor einen über 2 Meter hohen Herdenschutzzaun überwunden hat. Zudem wurde dem Betrieb geraten, den Tierkadaver bis zum Eintreffen des Rissgutachters an der Fundstelle überdeckt liegen zu lassen, um eine Kontamination mit artfremden Tieren auszuschließen. Grundsätzlich gängige Praxis. In diesem Fall jedoch bedeutete das für die Herde, über eine längere Zeit gemeinsam mit ihrem verendeten Artgenossen in dem Pferch verbringen zu müssen, da der Rissgutachter erst am darauffolgenden Tag vor Ort erscheinen konnte. An dieser Stelle sei betont, dass der Rissgutachter die Probenentnahme sehr präzise und ordnungsgemäß durchgeführt hat. Das Ergebnis der amtlichen Untersuchung der DNA-Proben steht noch aus.

Rissvorfälle wie diese zeigen, dass selbst bei Zaunschutzmaßnahmen, die über den geforderten Standardhöhen von 0,90 bis 1,20 Meter liegen, eine Überwindung durch ein Raubtier wie den Wolf nicht ausgeschlossen werden kann und damit selbst ein 100-prozentiger Schutz nicht gegeben ist. Bei dem vorliegenden Fall handelt es sich sogar um einen Festpferch, dessen Errichtung vom Umweltministerium unterstützt wurde. Von amtlicher Seite wird eine solche Anlage mit hohen Zäunen als „wolfsicher“ bezeichnet. Eine Fehleinschätzung, wie sich wieder einmal bestätigt. „Fakt ist, in der gesamten Bundesrepublik fehlt ein praxistaugliches Wolfsmanagement. Dies ist nach wie vor zu kritisieren. Eine romantische, märchenhafte Verklärung des Wolfes muss ein Ende haben. Regelmäßige Bekundungen der Politik zur Erhaltung und Förderung der Weidetierhaltung stehen im Wiederspruch zu den stattfindenden Wolfsangriffen. Nicht der Wolf muss geschützt werden, sondern die Weidetiere vor dem Wolf“, so der betroffene Landwirt.

Hintergrund:

Aus dem gesamten Bundesgebiet werden immer wieder solche Vorfälle bekannt. Die Gegend Gossel (Ilm-Kreis) gehört zum Territorium des Ohrdrufer Rudels. Per Fotofallenaufnahmen konnten in diesem Jahr mindestens 8 Wolfswelpen nachgewiesen werden, was die Gesamtzahl der Wölfe in diesem Gebiet auf etwa 13 Tiere erhöht (Quelle: TMUEN). Ansässige Weidetierhalterinnen und -halter müssen daher auch in Zukunft mit Wolfsangriffen rechnen, die für die Wölfe das Ziel haben werden, sich und ihren Nachwuchs zu versorgen sowie ihrem Nachwuchs das Jagen beizubringen.

 

Fotos: gerissenes Schaf/ verletzte Ziege (privat)

 Fotos zum Download: gerissenes Schaf und verletzte Ziege

Pflanzenschutzprogramm wird trotz Anpassungen wesentlichen Zukunftsfragen der Landwirtschaft nicht gerecht

Anlässlich des von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir vorgestellten Zukunftsprogramms Pflanzenschutz betont der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied: „Nach wie vor handelt es sich im Kern bei dem sogenannten Zukunftsprogramm Pflanzenschutz um ein Reduktionsprogramm Pflanzenschutz, welches wesentliche Zukunftsfragen wie die Verbesserung der Versorgungssicherheit bei Lebensmitteln unbeantwortet lässt.“

Auch wenn einige Anpassungen gegenüber dem ersten Entwurf aus dem Frühjahr festzustellen sind und Anregungen der landwirtschaftlichen Verbände aufgegriffen wurden, verfolgt das Programm nach wie vor im Wesentlichen ökologische Ziele. „Es bedarf nicht nur einer Förderung von Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz, sondern auch eines Programms zur Stärkung des chemischen Pflanzenschutzes im Sinne der Versorgungssicherheit und der Qualität der Ernten“, so Rukwied weiter. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) habe im Gegensatz zur Zukunftskommission Landwirtschaft oder den verschiedenen Länderinitiativen im Bereich Pflanzenschutz und Naturschutz die Chance für einen gesellschaftlichen Kompromiss vertan und stattdessen die Verbände lediglich im Sinne eines Anhörungsverfahrens beteiligt, kritisiert Rukwied.

Der Bauernverbandspräsident betont, dass den Bauern schon jetzt Wirkstoffe fehlen, um den immensen Befall durch Schädlinge und Krankheiten in den Griff zu bekommen: „Schädlinge zerstören unsere Lebensmittel. Wir sehen in diesem Jahr auf manchen Feldern Schädlings- oder Krankheitsbefall soweit das Auge reicht. Beispielsweise können durch die sich immer weiter verbreitende Stolbur-Erkrankung in einigen Regionen kaum noch Spätkartoffeln oder Zuckerrüben angebaut werden. Auch die Kirschessigfruchtfliege, der Japankäfer, der Rapserdfloh oder Blattläuse können ganze Ernten vernichten. Versorgungssicherheit geht nur mit einer breiten Palette an Wirkstoffen, auch um Resistenzen zu verhindern.“

Eine Teilnahme an der Veranstaltung zur Veröffentlichung zum Zukunftsprogramm Pflanzenschutz war nur mit persönlicher Einladung möglich. Vom DBV durfte nur eine Person daran teilnehmen. Weitere Informationen folgen.

 

TEAG - Tag der offenen Tür am 14. September 2024

Bereits zum achten Mal bietet Ihnen die TEAG einen Blick hinter die Kulissen der Energiewirtschaft. Erfahren Sie an sieben Standorten in ganz Thüringen, wie Energie auf die verschiedensten Weisen entsteht und wie sie auf den Weg zu Ihnen nach Hause geschickt wird. Schauen Sie unseren Monteuren über die Schulter und erfahren Sie, wie die TEAG-Gruppe die nachhaltige Energieerzeugung ausbaut und die sichere Energieversorgung aufrechterhält.

An folgenden sieben Standorten wird ein umfangreiches Programm geboten:

  • Heizkraftwerk Bad Salzungen: Rundgang Heizkraftwerk inkl. Besichtigung Gasmotoren-Anlage, 30-Meter-Hindernisparcours, Bau eines Rinnen- und Röhrensystems, Seifenblasenwerkstatt
  • Wasserkraftwerk Falken: Rundgang durch Wasserkraftwerk/Außenanlagen, Kinderklettergarten und Bungee-Trampolinspringen, Freiwillige Feuerwehr
  • Umspannwerk Nordhausen: Geführte Rundgänge Umspannwerk/Schalthaus, TEAG-Jobmesse, Mitmachaktionen, Kinderkraftwerk
  • TEAG Akademie Erfurt: Rundgang Ausbildungszentrum, Vorführung Arbeiten in der Höhe am Strommast, TEAG-Jobmesse
  • Photovoltaikanlage und Trinkwasseraufbereitungsanlage Rottmar: in Zusammenarbeit mit den Wasserwerken Sonneberg; Drohnenflüge mit Wärmebildkamera, Experimente rund um Solarzellen, Rinnen- und Röhrensystem für den Weg des Wassers
  • Umspannwerk Remptendorf: Rundgang Umspannwerk, Erklärungen zur Stromverteilung in Thüringen, Einblick in die Arbeit der TEN-Monteure, Kinderkraftwerk
  • Elektromobilitätstag in Nohra: geführte Testfahrten, Informationen zur Ladeinfrastruktur, Kindermitmachaktionen 

Wissenschaftsshows für Groß und Klein

In diesem Jahr bietet die TEAG an allen Standorten (außer Nohra) zusätzlich ein besonderes Programm rund um Energie und Physik mit unterschiedlichsten Wissenschaftsshows an. Lassen Sie sich und Ihre Kinder von der Physik begeistern und erleben Sie bei verschiedensten Experimenten, was die Wissenschaft an Spannung zu bieten hat.

Alle Shows finden zeitgleich um 12:00 Uhr, 13:30 Uhr und um 15:00 Uhr an den jeweiligen Standorten statt. 

 

TEAG – Jobmesse

Bereits zum zweiten Mal findet zum Tag der offenen Tür am Standort Erfurt sowie am Standort Nordhausen eine Jobmesse statt, bei der die Möglichkeit besteht sich direkt mit den Ansprechpartnern der Unternehmen der TEAG-Gruppe vor Ort auszutauschen und sich über die aktuellen Jobangebote zu informieren.

Die TEAG als einer der größten Arbeitgeber der Region ist auf der Suche nach Mitarbeitenden für verschiedenste Bereiche.

Weitere Informationen sowie das Programm zum Tag der offenen Tür 2024 finden Sie hier.

Neue Antragsrunde Tierwohlförderung gestartet

Seit gestern ist die neue Antragsrunde zur Förderung des Tierwohls in Thüringen gestartet. Bis zum 30. September können über das Antragsportal PORTIA entsprechende Anträge gestellt werden. Die Verpflichtung gilt für vier Jahre und betrifft die Tierwohlmaßnahme Rind (Sommerweidehaltung), Schwein und genetische Ressourcen.

Nähere Informationen zur Antragstellung hat das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft in einem Informationsblatt bereitgestellt. Wer noch einmal die Förderbedingungen zur Tierwohlförderung nachlesen möchte findet Details hier.

 

Thüringer Bauernverband e.V.
Alfred-Hess-Straße 8
99094 Erfurt

Tel.: +49 (0)361 262 530
Fax: +49 (0)361 262 532 25
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Kontakt
1000 Zeichen noch.