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Oranienburger Milchforum 2023

Am 21. September fand das Oranienburger Milchforum im Rahmen der Hundertjahrfeier der Milchwirtschaftlichen Lehr- und Untersuchungsanstalt (MLUA) in Oranienburg statt. Das Forum bot allen an der Milchwirtschaft Interessierten die Möglichkeit, sich weiterzubilden und untereinander auszutauschen. Das 28. Fachsymposium behandelte aktuelle Fragen zur Nachhaltigkeit und Ernährungsphysiologie sowie verschiedene Themen aus den Bereichen Analytik, Forschung, Marktanalysen und Verbraucherkommunikation.

Die Veranstaltung eröffnete Michael Behr, Geschäftsführer der MLUA Oranienburg. Er begrüßte die Teilnehmenden im Schloßpark der Orangerie und verwies auf die Tradition des Milchforums und wie wichtig es ist, sich in dieser schnelllebigen Zeit über aktuelle Themen der Milchbranche auszutauschen.

Durch das Programm führte Thomas Kützemeier (Editor in Chief bei FOOD-Lab International) und übergab zunächst an Carola von und zu Mühlen von der Initiative Milch, die über das Projekt „Lets do Zukunft - wie wir Branchen- und Verbraucherkommunikation nachhaltig gestalten“ berichtete. Hierbei ist die Initiative Milch auf mehreren Höfen unterwegs, die sich in Nachhaltigkeitsprogrammen engagieren und die Kreislaufwirtschaft vorantreiben. Es soll so ein breites Spektrum an „Kuh-Daten“ mit Unterstützung der Wissenschaft dargestellt werden. Hierbei stehen die Menschen vor Ort und Ihre verschiedenen Hofkonzepte im Mittelpunkt..

Die aktuelle Marktlage beschrieb Wohlfahrt von der ZMB Zentrale Milchmarkt Berichterstattung GmbH (ZMB). Sie stellte sehr anschaulich dar, wie sich die Lage derzeit auf dem Weltmarkt, gerade im Pulverbereich, zuspitzt. Auch wenn sich in Deutschland gerade ein Ende der Talfahrt der Milchauszahlungspreise infolge kurzfristiger Preissteigerungseffekte auf den sehr sensibel auf Verknappung reagierenden Spotmärkten abzeichnet, bleibt abzuwarten, ob sich die Wirtschaft in China wieder erholt und ob die neuen Nachfrageimpulse den Weltmarkt entspannen werden. Auf der Südhalbkugel prognostiziert Wohlfahrt durch den El-Nino-Effekt einen deutlichen Rückgang der Milcherzeugung. Die schwächeren Preise könnten zudem die Nachfrage wieder stimulieren. Laut ihrer vorsichtigen Prognose könnte zum Jahreswechsel eine Bodenbildung bei den Milchauszahlungspreisen in Deutschland erreicht werden, wenn sich die Milchmengen nicht weiter erhöhen und China mehr Milchpulver nachfragt.

Einen Blick in die Zukunft wagte Prof. Lisa Bachmann (Hochschule Neubrandenburg). Sie stellte das Stallbau- und Forschungsprojekt „Innovationen für gesunde und „glückliche“ Kühe (IGG) als Teil der Nutztierstrategie des Bundes vor und beschrieb einen der zwei geplanten Ställe der Zukunft in seiner aktuellen Planungsphase. Das Management- und Haltungskonzept umfasst u.a. die muttergebundene Aufzucht in der Familienherde, eine freie Liegefläche und alters- und laktationsgerechte Fütterung über smarte Fressgitter, Weidegang im Sommer und eine Auslauffläche im Winter sowie ein umfassendes Automatisierungs- und Digitalisierungskonzept. Der Stallbau soll 2024 begonnen werden und die Teilnehmenden durften schon einmal einen virtuellen Rundgang aus der Sicht der Kühe miterleben.

Sehr aufschlussreich war der Vortrag von Prof. Clemens Fuchs (Hochschule Neubrandenburg), der das Spannungsfeld der Milchviehhaltung zwischen Tierwohl und Wirtschaftlichkeit anhand einer Studie mit 34 Betrieben beschrieb. Er kalkulierte hierbei die durchschnittlichen Kosten für das Umsetzen der Tierwohlkriterien im Stall und den damit verbundenen Weidegang der Kühe auf mindestens 7 Cent/kg Milch. Aktuell wird in der Branche für das Zusatzmodul QM++ (Haltungsform 3) ein Mehrwert von 3-3,5 Cent im Handel erwirtschaftet. Gerade kleinere Betriebe werden in solchen Spannungsfeldern den wirtschaftlichen Druck schlechter standhalten.

In weiteren Vorträgen stellte Sören Koschnicke (CEM GmbH) ein System zur schnellen und präzisen Messung von Feuchte, Fett und Eiweiß in Milchprodukten vor und Frau Dr. Frederike Günnigmann (HIPRA Deutschland GmbH) beschrieb an mehreren Praxisbeispielen, wie Impfen gegen Mastitis funktionieren kann.

Einen sehr erfrischenden Vortrag erlebten die Tagungsteilnehmenden als Dr. Martin Kussmann (Kern – Kompetenzzentrum für Ernährung) über die Milch aus der Perspektive der Gesundheit und Nachhaltigkeit referierte. Er beschrieb zunächst die Vorzüge von Muttermilch. In den vorgestellten Studienergebnissen verdeutlichte er, wie wichtig ein möglichst langes Stillen für die Entwicklung der Säuglinge gerade in Bezug auf die Ausbildung einer gesunden Darmflora ist. Weiterhin beschrieb Kussmann, wie durch die Massenspektrometrie das molekulare Verständnis der biologischen Milchfunktion weiter erforscht wird und dadurch neue Zusammenhänge wissenschaftlich belegbar werden. In einer Metaanalyse stellte er klar heraus, dass der Verzehr von Kuhmilchprodukten keinen negativen Einfluss auf Marker der kardiometabolischen Gesundheit hat.

Der abschließende Vortrag von Prof. Dr. Sascha Rohn brachte neue Erkenntnisse zu den derzeit immer noch nur als „Nebenprodukt“ bei der Käseherstellung beschriebenen Molkeproteinen auf. In seinem vorgestellten Projekt zeigte sich bei Diabetespatienten (Diabetes Mellitus Typ 2) durch die Aufnahme eines Milchproteinpräparates zum Frühstück nach sechswöchigen Verzehr eine verbesserte Insulinsensitivität, eine Senkung des Blutzuckermarkers HbA1c und eine Zunahme der Muskelmasse bei gleichzeitiger Reduktion der Körper- und Leberfettmasse. Nach ersten Auswertungen lässt sich ein Zusammenhang in der Zusammensetzung der einzelnen Milchproteine (Caseine und Molkenproteine) und deren unterschiedlicher Kinetik bei der Verdauung und Resorption im Darm und die weitere Verstoffwechselung im Blut bzw. der Leber herstellen. Vertiefende Studien mit genau definierten Proteinverhältnissen (CAS:MOL) könnten hier für die Milchwirtschaft eine Basis zur Umsetzung und Verbesserung der Verwertung von Molkenproteinen ermöglichen und eine Diversifizierung am Markt darstellen.

Kützemeier bedankte sich bei den knapp 80 Teilnehmenden für die interessanten Beiträge sowie die sich anschließenden Diskussionen und beendete das Forum mit der Bitte, nächstes Jahr wieder zahlreich zu erscheinen.

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