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September 2021

Themenschwerpunkt:

Erntebilanz 2021: Vor lauter Regen keine Ernte

 
Inhalt:

Flurfahrt in Südthüringen 3

Erntebilanz 2021 4

Lage schweinehaltender Betriebe 7

Gemeinschaftstagung Landwirte und Tierärzte 8

 
Kommentar:

Was bleibt nach dem Regen?

von Gerd Hallbauer, Vorsitzender des Fachausschusses Ackerbau im Thüringer Bauernverband

Im gesamten Freistaat sind in den vergangenen Monaten große Regenmengen gefallen. Mit 145 Litern auf dem Quadratmeterfiel im August im Landesdurchschnitt mehr als doppelt so viel Regen wie im vieljährigen Mittel. Die Folgen waren überall im Land in Form von Lagergetreide sichtbar. Die scheinbar nicht aufhörenden Niederschläge verzögerten auch den Ernteablauf, was wiederum zu Qualitätsverlusten führte. Auch die Erträge waren, vor allem angesichts der Erwartungen im Frühjahr, nicht befriedigend.

Wie anders sah es demgegenüber in den vergangenen zwei Jahren aus: Damals litten unsere Ackerflächen unter einer starken Dürre. Das Getreide verdorrte auf den Feldern, der Mais stand vielerorts nur kniehoch, die Erträge waren aufgrund des Wassermangels vielerorts katastrophal, Dürrehilfen wurden notwendig.

Wir alle spüren es: Das Wetter ist in den letzten Jahren in seiner Gesamtheit unvorhersehbarer und extremer geworden, es verläuft weniger in den gewohnten Bahnen. Ich denke, wir werden uns in den nächsten Jahren auf solche Wetterkapriolen einstellen müssen, lernen müssen, mit der Unsicherheit zu arbeiten. Doch nicht nur das Wetter birgt Unsicherheit. Der Weltmarkt war noch nie so schnelllebig wie heute,die Ertragspreise so volatil. Ursache hierfür sind nicht nur Wetterschwankungen infolge des Klimawandels, sondern auch technische Effekte des Handels: Gigantische Mengen an Getreide und Ölfrüchten werden im Sekundentakt an den Börsen dieser Welt gehandelt und vom einen in den anderen Teil der Erde verkauft. Ernteprognosen, Analysen und politische Entscheidungen haben starken Einfluss auf die Vermarktungspreise, lassen die Kurse genauso schnell sinken, wie sie zuvor gestiegen sind. Was insbesondere korrigierte Ernteprognosen bewirken, zeigte sich dieses Jahr besonders deutlich. Wurde uns im letzten Jahr ein Rapspreis von 350 Euro für die Tonne geboten, legten uns die Händler vor kurzem einen Preis von 550 Euro die Tonne auf den Tisch. Wer einen großen Teil seiner Verkaufskontrakte bereits im letzten Jahr schloss, konnte die Entwicklung abwechselnd ungläubig und wütend verfolgen.

Wie soll man als Landwirt, als Verantwortlicher eines mittelständischen Unternehmens, mit diesen Unsicherheiten umgehen? Wie kann man für seinen Betriebeinen guten Erzeugerpreis erzielen, ohne seine Liquidität zu gefährden? Müssen wir in Zukunft wie Börsenmakler in Frankfurt oder New York mit unserer Ware in Zockermanier alles auf eine Karte setzen, immer mehr riskieren?

Ich sage nein. Wir produzieren Lebensmittel. Lebensmittel sind, wie der Name bereitssagt, existenziell, nichts mit dem man spekulieren sollte. Wir Landwirte tragen mit unserer Arbeit Verantwortung für die Sicherstellung der Ernährung aller Menschen, Verantwortung für unsere Betriebe, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Familien.

In Zeiten zunehmender Wetter- und Marktkapriolen brauchen wir daher eine Möglichkeit, diese neuen Risiken mittels einer ökonomisch tragfähigen Risikoabsicherung abzufedern. Eine solche Absicherung der Risiken liegt nicht nur im Interesse der Landwirte, sondern der gesamten Gesellschaft. Daher muss hier politisch gehandelt werden, muss der Staat einen Teil der Risikoabsicherung mitfinanzieren, damit die heimischenLandwirtschaftsbetriebe trotz der Kapriolen überleben können.

Die beste Vorsorge wäre, neben geeignetenackerbaulichen Strategien zur Anpassungan Klimaveränderungen, natürlich das Anlegen eigener Reserven. Hierfür müssten die politischen Rahmenbedingungen aber so gesetzt werden, dass die Erzeuger eine bessere Position in der Wertschöpfungskette bekommen, so dass wir nachhaltig wirtschaften können und in die Lage versetzt werden, Rücklagen zu bilden.

Ein immer mehr an Auflagen und Verboten zeigt leider in eine andere Richtung, gefährden diese doch zunehmend die wirtschaftliche Substanz unserer Landwirtschaftsbetriebe.

 

 

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