Erntegespräch im Saale-Orla-Kreis mit Landrat Christian Herrgott

v.l.: Christian Herrgott (Landrat Saale-Orla-Kreis), Gunnar Jungmichel (Vors. KBV SOK), Sandro und Mandy Schellenberg (Geschäftsführer und Prokuristin Agrar - Milch - Mast – GmbH Frössen), Olaf Löschner (TLLLR Zeulenroda), Dr. Britta Ender (RGS-Ost TBV)

Am 12. August fand das diesjährige traditionelle Erntegespräch mit dem Landrat des Saale-Orla-Kreises Christian Herrgott in Gefell im Ortsteil Frössen statt.

Sandro Schellenberg, Geschäftsführer der Agrar - Milch - Mast – GmbH Frössen, begrüßte als Gastgeber Landrat Christian Herrgott, Gunnar Jungmichel, Kreisvorsitzender des Kreisbauernverbandes, Olaf Löschner, Abteilungsleiter des Thüringer Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TLLLR) Zeulenroda, Dr. Britta Ender und Ute Eberhardt von der Regionalgeschäftsstelle Ost des Thüringer Bauernverbandes (TBV) sowie die Vertreterinnen der Presse. Am Gespräch, das in einem Besprechungsraum mit direktem Blick in den roboterbetriebenen Melkstand stattfand, nahm auch die Prokuristin des Betriebes Mandy Schellenberg teil.

Herrgott verwies darauf, dass aktuell im Landkreis das Thema Landwirtschaft von besonderem Interesse sei. So besuchte Ministerpräsident Mario Voigt in den vergangenen Tagen die AgroFarm Knau und Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer war zu Gast in Gahma. Bei den Gesprächen standen u.a. die Auswirkungen der Krisen und auslaufende Biogasförderung auf die Liquidität der Betriebe im Fokus.

Herrgott würdigte die Leistungen der regionalen Landwirte in der Erzeugung von Nahrungsmitteln und in der Kulturlandschaftspflege.

Im Bericht von Schellenberg schlug sich die Sorge um die Liquiditätssicherung für seinen Betrieb nieder. Der Milchviehbetrieb bewirtschaftet mit 25 Arbeitskräften 500 ha Ackerland und 300 ha Grünland in einem geschlossenen Kreislauf mit Schwerpunkten auf der Erzeugung von Milch und Biogas. Der anhaltend viel zu niedrige Milchpreis und die im nächsten Jahr auslaufende Biogasförderung belasten die Umsatzerzielung erheblich.

Die diesjährigen, eher enttäuschenden Ernteergebnisse in Frössen decken sich nach Einschätzung von Jungmichel mit denen im gesamten Landkreis. Die offizielle Berichterstattung steht noch aus. Während die Landwirte im Frühsommer ihre Bestände mit hohem Ertragspotential stehen sahen, verursachte die darauffolgende Hitze sehr oft die Ausprägung kleiner Körner. Dies schlägt sich in einem niedrigeren Hektolitergewicht nieder.

Für die Getreidemühlen sind die erzeugten Qualitäten mit geringerem Mehlkörpergehalt wenig interessant und es droht der unlukrativere Verkauf als Futtergetreide.

Besonders im Raps zeugen die geernteten kleinen und häufig nicht typisch schwarzen sondern braunen (unreifen) Körner von den Auswirkungen der Hitzeperioden.

Der Landkreis Saale-Orla zählt zu den stärksten milchviehhaltenden Regionen in Thüringen.

Die Futterwerbung hat hier einen wichtigen Stellenwert. Während der 1. und 2. Schnitt gut gelaufen ist, wäre ein erntewürdiger 2. oder 3. Aufwuchs derzeit nicht absehbar.

Es erfolgte der Verweis auf die TBV-Futterbörse, welche über die Webseite des Thüringer Bauernverbandes erreichbar ist.

Auf konstruktive Dialoge verwies Schellenberg in der Zusammenarbeit mit der TLLLR Zweigstelle in Zeulenroda und dem Veterinäramt des Landratsamts.

Nach Einschätzung von Jungmichel setzen sinkende Milch- und Rindfleischpreise, die Auswirkungen der Kriege im Iran und der Ukraine die Betriebe enorm unter Druck. Steigende Preise und begrenzte Verfügbarkeit für Düngemittel sowie sinkende Verkaufspreise für landwirtschaftliche Erzeugnisse bedrohen die Liquidität der Unternehmen. Bereits jetzt schon konnten im Saale-Orla-Kreis mehrere betriebliche Insolvenzen nur durch die Einbindung von externen Investoren vermieden werden.

Das Thema Fachkräftegewinnung und Ausbildung wird durch die Ausbildungsbetriebe im Saale-Orla-Kreis progressiv angegangen. Impulsgebend dafür, auch in den benachbarten Kreisen, ist auch ein LEADER-Projekt, welches durch die Regionalgeschäftsstelle Ost des TBV initiiert wurde.

Seit zwei Ausbildungsjahren, so Ender, haben sich im Saale-Orla-Kreis zwei regionale Ausbildungsverbünde gegründet. Es arbeiten 12 bzw. neun Betriebe zusammen. Aktuell profitieren 36 bzw. 14 Azubis (Landwirte und Tierwirte). Monatlich treffen sich die Azubis zu wechselnden Themen bei unterschiedlichen Betrieben. Der Ausbilder des gastgebenden Betriebes übernimmt an dem Tag die Lehrunterweisung der Azubis der Region. Sowohl Ausbildungsbetriebe, Azubis und andere Bildungspartner befürworten diese Aktivitäten. Viele der ausgeschriebenen Ausbildungsplätze für das neue Ausbildungsjahr konnten besetzt werden.

Wenngleich die aktuelle und perspektivische Lage in den Betrieben eher düster ist, Landwirtschaft wird Wege finden sich anpassen.

An den jährlichen Erntegesprächen mit dem Landrat soll festgehalten werden.

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