Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer kam am 6. August nach Gahma bei Remptendorf zum Auftakt seiner bundesweiten „Heimat-Dialoge“, eine Veranstaltungsreihe des Bundesministers für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), die zum Dialog einlädt. Rund 170 Bürger, darunter Landwirte, nutzten die Gelegenheit, mit dem Minister über die Zukunft der ländlichen Räume ins Gespräch zu kommen. An dem Austausch nahmen unter anderem Staatssekretär Marcus Malsch vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum, Remptendorfs Bürgermeister Tino König sowie verschiedene Abteilungsleiter des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) teil.
Nach Gesprächen zu regionalen Projekten, darunter auch LEADER-Vorhaben, standen in drei Diskussionsforen die Themen Heimat, wirtschaftliche Entwicklung sowie gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land im Mittelpunkt. Insbesondere beim Thema Wirtschaft brachten sich die anwesenden Landwirte intensiv in die Diskussion ein.
Dabei wurde deutlich, dass die wirtschaftliche Situation vieler landwirtschaftlicher Betriebe zunehmend angespannt ist. Thematisiert wurden die erheblich gestiegenen Betriebsmittel- und Produktionskosten bei gleichzeitig unter Druck stehenden Erzeugerpreisen für Getreide, Milch und Fleisch. Die Teilnehmenden machten deutlich, dass diese Entwicklung die wirtschaftlichen Spielräume vieler Betriebe erheblich einschränkt und Existenzen bedroht.
Ein weiterer Schwerpunkt war die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Aus Sicht der landwirtschaftlichen Praxis müssen bei deren Ausgestaltung die besonderen Betriebs- und Agrarstrukturen in den ostdeutschen Bundesländern stärker berücksichtigt werden. Diskutiert wurden zudem die möglichen Folgen der derzeitigen Reformüberlegungen für die Landwirtschaft selbst, aber auch für Beschäftigung, Wertschöpfung und gesellschaftliche Strukturen in den ländlichen Regionen. Landwirtschaftliche Betriebe seien dort nicht nur Produzenten von Lebensmitteln, sondern oftmals wichtige Arbeitgeber, wirtschaftliche und soziale Anker in den Dörfern.
Kritisch angesprochen wurden außerdem die geplanten Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz und deren Auswirkungen auf Biogasanlagen. Die Betreiber machten deutlich, dass die bisherigen Vorschläge aus ihrer Sicht erhebliche Nachbesserungen benötigen, wenn bestehende Biogasanlagen weiterhin wirtschaftlich betrieben und ihr Beitrag zu einer verlässlichen Energieversorgung erhalten werden soll.
Besonders intensiv brachten sich René Kolbe, Geschäftsführer der Pahren Agrar GmbH & Co. KG und Vorstandsvorsitzender Gunnar Jungmichel von der Agrarprodukte Ludwigshof eG in den Dialog ein. Beide machten die Positionen der landwirtschaftlichen Praxis sowie zentrale Anliegen des Thüringer Bauernverbandes (TBV) gegenüber dem Bundesminister deutlich. Der TBV dankt beiden für ihr Engagement. Auch weiter Landwirte nutzten nach Abschluss des offiziellen Veranstaltungsformats die Möglichkeit zum direkten Gespräch mit Rainer. Unter den Teilnehmenden war auch TBV-Vizepräsident Dr. Wolfgang Peter.
TBV-Vorstandsmitglied Petra Hirsch bewertete den Austausch im Nachgang differenziert. Aus ihrer Sicht seien zahlreiche Probleme zwar angesprochen worden, der Dialog sei bei wesentlichen agrarpolitischen Fragen jedoch teilweise an der Oberfläche geblieben. In der Vergangenheit hätten landwirtschaftliche Betriebe fehlende oder unzureichende politische Lösungen häufig durch eigene betriebliche Anpassungen auffangen müssen. Dieser Spielraum werde angesichts steigender Kosten, sinkender beziehungsweise nicht kostendeckender Erlöse und wachsender regulatorischer Anforderungen jedoch immer kleiner.
Für einzelne Betriebe gehe es inzwischen um die wirtschaftliche Existenz. Nach Einschätzung von Hirsch sei die Dringlichkeit dieser Entwicklung bei den politischen Entscheidungsträgern noch nicht in ausreichendem Maße angekommen. Die Landwirte in Gahma hätten deshalb die Gelegenheit genutzt, ihre Situation und den daraus resultierenden politischen Handlungsbedarf deutlich zu machen. Insgesamt begrüßte Hirsch das Veranstaltungsformat „Heimat-Dialoge“, denn es sei wichtig im Austausch zu bleiben.