September 2026

September 2026

Themenschwerpunkt:

Ernte 2026 zwischen Wetterextremen und Kostendruck

Gute Aussichten, ernüchternde Bilanz

 
Inhalt:

Fachausschüsse                                    7

Landsenioren-Jubiläum                         8

Projekt Strip Till                                    9  

Traktorführerschein                               12

 

Was am Ende bleibt …

von Gerd Halbauer, Vorsitzender des Fachausschusses Pflanzenbau beim Thüringer Bauernverband

… ist einmal mehr die Erkenntnis, wie sehr Landwirtschaft vom Wetter abhängig ist. Eine eigentlich banale Feststellung – und doch eine, deren Tragweite in Teilen unserer Gesellschaft kaum noch verstanden wird.

Weder die Zusammenhänge noch die wirtschaftlichen Folgen, die eine ungünstige Witterung für landwirtschaftliche Betriebe haben kann, sind vielen noch bewusst. Dabei lohnt ein Blick zurück auf die vergangenen Monate. Die Aussichten für die diesjährige Ernte waren zunächst verhalten, später durchaus vielversprechend – und am Ende in vielen Regionen ernüchternd. Die Aussaat begann regional etwas später als üblich. Die Vorwinterentwicklung blieb verhalten, war aber ausreichend. Trotz eines Niederschlagsdefizits im Herbst und Winter kamen die Bestände erstaunlich gut durch die kalte Jahreszeit. Im Frühjahr bremsten niedrige Nachttemperaturen die Entwicklung. Der dringend benötigte Regen kam jedoch gerade noch rechtzeitig. Vor allem die Niederschläge Ende April und Anfang Mai ließen die Hoffnung auf eine gute, vielleicht sogar überdurchschnittliche Ernte wachsen. Gerade deshalb fällt die Ernüchterung heute umso größer aus. In der zweiten Junihälfte
änderte sich die Situation innerhalb kürzester Zeit. Elf aufeinanderfolgende Tage mit Temperaturen von mehr als 29 Grad Celsius, zunehmende Trockenheit und schließlich Höchstwerte von bis zu 40 Grad Ende Juni trafen einen Großteil der Kulturen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Was wenige Wochen zuvor noch nach guten Erträgen aussah, wurde innerhalb kürzester Zeit deutlich relativiert. Hinzu kamen schwächere Qualitäten und entsprechend schwierige Vermarktungsaussichten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt davon zunächst erstaunlich wenig sichtbar. Die Regale sind gefüllt. Lebensmittel stehen in großer Auswahl bereit. Globale Warenströme, der Weltmarkt und große Handelsunternehmen sorgen dafür, dass eine schwächere Ernte vor der eigenen Haustür kaum unmittelbar als Knappheit wahrgenommen wird. Genau darin liegt aber ein zunehmendes Problem: Der Zusammenhang zwischen regionaler Erzeugung, Witterungsverlauf, Erntemenge, Qualität und wirtschaftlicher Lage der Betriebe wird immer schwerer erkennbar. Eine schlechte Ernte bedeutet heute nicht automatisch leere Regale. Für einen landwirtschaftlichen Betrieb kann sie dennoch
erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Denn gleichzeitig steigen Kosten, politische Anforderungen und wirtschaftliche Risiken. Die heimischen Betriebe stehen im Wettbewerb mit Weltmarktpreisen, können ihre gestiegenen Produktionskosten aber nur sehr begrenzt über höhere Erzeugerpreise weitergeben. Diese Realität wird in Teilen der Gesellschaft – und leider auch in der Politik – noch immer nicht ausreichend wahrgenommen. Umso wichtiger ist die Arbeit der berufsständischen Vertretung. Es gehört zu unseren zentralen Aufgaben, gegenüber Politik und Öffentlichkeit immer wieder deutlich zu machen, unter welchen Bedingungen Landwirtschaft heute wirtschaftet und welche Folgen politische Entscheidungen, Marktverwerfungen und Wetterextreme für die Betriebe haben. Folgerichtig hat TBV-Präsident Dr. Klaus Wagner bei der Ernte-Pressekonferenz am 27. August klare Forderungen an die Politik formuliert: Die Landwirtschaft braucht Entlastung bei den Kosten, verlässliche politische Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Sie braucht eine Agrarpolitik, die die besonderen Strukturen der ostdeutschen Landwirtschaft berücksichtigt. Und sie braucht die Möglichkeit, sich an den fortschreitenden Klimawandel anzupassen – durch Investitionen, Forschung und praxistaugliche Instrumente. Denn was am Ende bleibt, ist nicht nur die Abhängigkeit vom Wetter.

Es bleibt auch die Frage, unter welchen Bedingungen wir künftig noch bereit und in der Lage sind, Lebensmittel hier vor Ort zu erzeugen.

 

 

 

Thüringer Bauernverband e.V.
Alfred-Hess-Straße 8
99094 Erfurt

Tel.: +49 (0)361 262 530
Fax: +49 (0)361 262 532 25
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Kontakt
1000 Zeichen noch.