Themenschwerpunkt:
Internationales Jahr der Frau in der Landwirtschaft
Frauen in der Landwirtschaft: Verantwortung, Kompetenz, Zukunft
Inhalt:
SVLFG-Angebote für Frauen 6 - 9
Petition unterstützen 12
Braugerstenrundfahrt 12
Thüringer Landeserntedank 13
Verantwortung kennt kein Geschlecht
von Doreen Rath, Vizepräsidentin Thüringer Bauernverband
Frauen tragen seit Generationen Verantwortung in der Landwirtschaft. Sie leiten Betriebe und Produktionsbereiche, führen Mitarbeitende, bilden junge Menschen aus, treffen unternehmerische Entscheidungen und sorgen dafür, dass Wissen und Erfahrung weitergegeben werden. Vieles davon geschieht mit großer Selbstverständlichkeit – und wird gerade deshalb nicht immer ausreichend wahrgenommen.
Das Internationale Jahr der Frau in der Landwirtschaft 2026 ist eine gute Gelegenheit, diese Wahrnehmung zu schärfen. Denn Frauen in der Landwirtschaft wollen weder als Ausnahme noch als „Quotenfrauen“ gelten. Sie wollen an ihrer Leistung, ihrem Wissen und ihrer Verantwortung gemessen werden. Genau das sollte in einem modernen landwirtschaftlichen Berufsbild selbstverständlich sein.
Als Landwirtinnen mit Führungsverantwortung wissen wir, dass Anerkennung nicht allein mit einer Position oder einem Titel entsteht. Sie wächst im betrieblichen Alltag: durch fachliche Kompetenz, klare
Entscheidungen, Verlässlichkeit, einen respektvollen Umgang und die Bereitschaft, auch bei schwierigen oder unangenehmen Aufgaben selbst mit anzupacken. Gerade junge Frauen erleben jedoch noch immer, dass sie sich zunächst beweisen und Vorbehalte überwinden müssen. Mancherorts wird weiterhin ganz selbstverständlich nach „dem Chef“ gefragt – obwohl längst eine Frau die Verantwortung trägt.
Umso wichtiger ist es, die Vielfalt weiblicher Arbeit in der Landwirtschaft sichtbar zu machen. Frauen sind Betriebsleiterinnen, Pflanzenbauerinnen, Tierhalterinnen, Herdenmanagerinnen, Ausbilderinnen, Arbeitgeberinnen und Unternehmerinnen. Sie sitzen auf dem Traktor, arbeiten im Stall, organisieren Abläufe, führen Gespräche mit Mitarbeitenden und tragen wirtschaftliche Verantwortung. Ihre Tätigkeit darf nicht auf vermeintlich typische Aufgaben im Büro, im Haushalt oder in der Versorgung reduziert werden.
Dabei geht es nicht darum, Frauen und Männer gegeneinanderzustellen. Gute Landwirtschaft entsteht durch Zusammenarbeit, gegenseitigen Respekt und die Anerkennung unterschiedlicher Stärken. Entscheidend ist nicht, wer eine Aufgabe übernimmt, sondern mit welcher Kompetenz und Verantwortung sie erfüllt wird. Eine besondere Bedeutung hat der Aus-tausch zwischen den Generationen. Vie-le junge Frauen können heute auf Wegen weitergehen, die andere vor ihnen geebnet
haben. Zugleich braucht eine zukunftsfähige Landwirtschaft die Erfahrung der Älteren ebenso wie die Ideen und neuen Perspektiven der Jüngeren. Wissen darf nicht zurückgehalten werden, und neue Ansätze dürfen nicht vorschnell abgewehrt werden. Fortschritt entsteht dort, wo Erfahrung weitergegeben und Veränderung zugelassen wird.
Auch die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Ehrenamt bleibt eine zentrale Aufgabe. Führungsverantwortung lässt sich auf Dauer nur tragen, wenn Rückhalt in der Familie, verlässliche Kinderbetreuung und unterstützende betriebliche Strukturen vorhanden sind. Diese Voraussetzungen dürfen nicht allein als private Angelegenheit von Frauen betrachtet werden. Sie sind ebenso eine gemeinsame Verantwortung von Eltern wie auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Verantwortung.
Mehr Sichtbarkeit muss deshalb zu mehr Anerkennung führen – nicht nur in einem internationalen Aktionsjahr, sondern dauerhaft. Frauen brauchen keine Sonderrolle in der Landwirtschaft. Sie brauchen ein Berufsbild, das ihre tatsächliche Leistung abbildet, und Strukturen, in denen ihre Fachkompetenz und Führungsverantwortung selbstverständlich anerkannt werden. Dafür sollten wir das Jahr 2026 nutzen: um genauer hinzusehen, überkommene Vorstellungen zu hinterfragen und die Frauen sichtbar zu machen, die unsere Thüringer Landwirtschaft jeden Tag mitgestalten.
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