Juni 2026

Juni 2026

Themenschwerpunkt:

Irankrieg: Globale Krise trifft Thüringer Felder

Düngermarkt unter Druck

 
Inhalt:

TBV-Projekt Land.Wasser                      4

Ökolandbau                                          6

Jungwildrettung                                   8  

Projekt Strip Till                                   12  

 

Invasive Arten verändern unsere Kulturlandschaft

von Gerd Halbauer, Vorsitzender des Fachausschusses Pflanzenbau und Umwelt im Thüringer Bauernverband

Wer heute über die Straße von Hormus spricht, denkt zunächst an Geopolitik, Ölpreise oder internationale Konflikte. Kaum jemand verbindet die nur rund 40 Kilometer breite Meerenge, die den Persischen Golf im Westen mit dem Golf von Oman im Osten verbindet, mit den Feldern Thüringens. Doch genau diese Verbindung zeigt, wie eng die Landwirtschaft mittlerweile mit globalen Entwicklungen verknüpft ist.

Der Krieg zwischen Israel und dem Iran sowie die wiederkehrenden Drohungen einer Blockade der Straße von Hormus haben die internationalen Agrarmärkte in Alarmbereitschaft versetzt. Für die Landwirtschaft ist dabei nicht nur der Ölpreis von Bedeutung. Über die Staaten der Golfregion werden erhebliche Mengen an Stickstoffdüngern und deren Vorprodukten gehandelt. Länder wie Katar, Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu den wichtigsten Akteuren auf den weltweiten Düngemittelmärkten. Kommt es dort zu Lieferengpässen oder Unsicherheiten, reagieren die Märkte sofort.

Die Folgen sind bereits spürbar. Die Düngemittelpreise haben in den vergangenen Wochen deutlich angezogen. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass sich die Versorgungslage weiter verschärfen könnte. Viele Betriebe stehen vor der Frage, ob sie ihren Bedarf für die kommende Saison bereits jetzt absichern oder auf eine Beruhigung der Märkte hoffen sollen. Beides ist mit erheblichen Risiken verbunden.

Für die Thüringer Landwirtschaft ist dies eine ernste Herausforderung. Pflanzen richten sich nicht nach politischen Krisen und diplomatischen Verhandlungen. Sie benötigen ihre Nährstoffe zum richtigen Zeitpunkt und in ausreichender Menge. Fehlt Dünger oder wird er deutlich teurer, hat dies unmittelbare Auswirkungen auf die Produktion. Weniger Düngung bedeutet in vielen Kulturen geringere Erträge und oftmals auch Einbußen bei der Qualität. Besonders kritisch ist der Blick auf die Ernte 2026. Die Entscheidungen über den Düngereinsatz werden bereits heute getroffen. Steigende Betriebsmittelkosten belasten die Wirtschaftlichkeit der Betriebe erheblich. Gleichzeitig steigt das unternehmerische Risiko. Niemand kann derzeit verlässlich abschätzen, wie sich die geopolitische Lage entwickeln wird und welche Auswirkungen dies auf die Versorgung mit Düngemitteln haben wird.

Die aktuelle Situation macht einmal mehr deutlich, dass Ernährungssicherheit weit mehr ist als die Frage, ob genügend Lebensmittel in den Regalen stehen. Sie beginnt bei der Verfügbarkeit von Betriebsmitteln, bei funktionierenden Lieferketten und bei wirtschaftlich tragfähigen landwirtschaftlichen Betrieben. Wer eine sichere Versorgung mit heimischen Lebensmitteln will, muss deshalb auch die Voraussetzungen für deren Erzeugung sichern.

Europa und Deutschland sollten aus den aktuellen Entwicklungen die richtigen Lehren ziehen. Dazu gehört eine stärkere Diversifizierung von Lieferketten ebenso wie die Sicherung einer leistungsfähigen europäischen Düngemittelproduktion. Gleichzeitig dürfen landwirtschaftliche Betriebe nicht durch immer neue Auflagen und zusätzliche Belastungen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit geschwächt werden. Krisenfestigkeit entsteht nicht durch Bürokratie, sondern durch wirtschaftliche Stärke.

Die Thüringer Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie mit außergewöhnlichen Herausforderungen umgehen kann – von der Corona-Pandemie über die Energiekrise bis hin zu Extremwetterereignissen. Doch jede neue Krise zeigt auch, wie verwundbar globale Abhängigkeiten sind.

Deshalb müssen wir die Landwirtschaft endlich als das begreifen, was sie ist: ein strategischer Sektor für unsere Gesellschaft. Ernährungssicherheit darf nicht von geopolitischen Spannungen an den Handelsrouten dieser Welt abhängen. Eine starke heimische Landwirtschaft, leistungsfähige europäische Produktionskapazitäten und verlässliche politische Rahmenbedingungen sind die beste Versicherung gegen die Unsicherheiten einer zunehmend instabilen Welt.

 

 

 

Thüringer Bauernverband e.V.
Alfred-Hess-Straße 8
99094 Erfurt

Tel.: +49 (0)361 262 530
Fax: +49 (0)361 262 532 25
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Kontakt
1000 Zeichen noch.