Mai 2026

Mai 2026

Themenschwerpunkt:

Invasive Arten auf dem Vormarsch

Wachsende Bedrohung für Thüringens Landwirtschaft?

 
Inhalt:

Parlamentarisches Frühstück                3

Fachausschuss Erneuerbare Energien    6

Landesgartenschau 2026                      7  

Wechsel in der Geschäftsführung          9/ 13  

 

Invasive Arten verändern unsere Kulturlandschaft

von Holger Heyse, Vorsitzender des Fachausschusses Pflanzenbau und Umwelt im Thüringer Bauernverband

Thüringen trägt nicht ohne Grund den Beinamen „Grünes Herz Deutschlands“. Unsere Kulturlandschaft lebt von Vielfalt, von Wiesen, Feldern, Wäldern und Gewässern, die sich über Generationen entwickelt haben. Doch diese Vielfalt gerät zunehmend unter Druck – nicht nur durch Klimawandel, Flächenverbrauch oder gesellschaftliche Nutzungskonflikte. Auch invasive gebietsfremde Arten verändern unsere Landschaft inzwischen spürbar. Und sie stellen Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen gleichermaßen vor neue Herausforderungen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einzelne exotische Pflanzen am Wegesrand. Arten wie die Orientalische Zackenschote, der Japankäfer oder die Nilgans breiten sich zunehmend aus – auch in Thüringen. Manche verdrängen heimische Pflanzenarten, andere gefährden ganze landwirtschaftliche Kulturen oder verursachen erhebliche wirtschaftliche Schäden. Hinzu kommen steigende Kosten für Pflege, Monitoring und Bekämpfung. Die Ursachen dieser Entwicklung sind vielfältig. Globaler Handel, internationale Warenströme und zunehmende Mobilität sorgen dafür, dass Pflanzen, Insekten oder andere Organismen große Entfernungen überwinden können. Gleichzeitig verändert der Klimawandel die Lebensbedingungen in Mitteleuropa. Mildere Winter und längere Vegetationsperioden erleichtern vielen wärmeliebenden Arten die dauerhafte Ansiedlung. Was früher als Ausnahme galt, wird zunehmend zur Realität. Besonders deutlich zeigt sich das am Beispiel der Orientalischen Zackenschote. Auf den ersten Blick erinnert sie an blühenden Raps, tatsächlich entwickelt sie sich jedoch vielerorts zu einer ernsthaften Problempflanze. Sie verdrängt artenreiche Grünlandbestände, breitet sich aggressiv aus und ist nur mit hohem Aufwand zurückzudrängen. Gerade für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet das zusätzliche Arbeit und steigende Kosten. Auch der Japankäfer zeigt, wie schnell aus einem zunächst regionalen
Auftreten ein ernstes Risiko werden kann. Der Schädling gilt europaweit als große Gefahr für Landwirtschaft und Pflanzenbau. Noch ist er in Deutschland nicht flächendeckend etabliert. Aber die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen, wie wichtig frühes Handeln, konsequentes Monitoring und klare Zuständigkeiten sind. Hinzu kommen tierische invasive Arten wie die Nilgans. Was früher als exotischer Parkvogel wahrgenommen wurde, entwickelt sich zunehmend zu einem Problem auf landwirtschaftlichen Flächen. Fraßschäden, Konkurrenz zu heimischen Arten und zunehmende Bestände zeigen, dass invasive Arten nicht nur ein Thema des Naturschutzes sind, sondern längst Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Praxis haben.

Für die Landwirtschaft bedeutet das vor allem eines: Wir brauchen praktikable Lösungen statt weiterer Bürokratie. Landwirte
erleben die Veränderungen unmittelbar auf ihren Flächen. Sie sind oft die Ersten, die neue Entwicklungen erkennen. Deshalb müssen sie auch aktiv in Strategien zur Eindämmung invasiver Arten eingebunden werden. Gleichzeitig braucht es Forschung, Beratung und klare rechtliche Rahmenbedingungen, die praktikabel bleiben. Invasive Arten werden uns in Zukunft stärker beschäftigen als bisher. Sie sind Teil einer sich verändernden Umwelt. Entscheidend wird sein, wie früh Probleme erkannt und wie konsequent Maßnahmen umgesetzt werden. Denn am Ende geht es nicht nur um einzelne Pflanzen oder Tiere. Es geht um den Schutz unserer heimischen Kulturlandschaft und um die Zukunftsfähigkeit der Thüringer Landwirtschaft.

 

 

 

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