Sozialreferententagung des Deutschen Bauernverbandes in Magdeburg

Sozialreferententagung des Deutschen Bauernverbandes in Magdeburg

Anfang Oktober kamen die Sozialreferentinnen und Sozialreferenten der Landesbauernverbände in Magdeburg zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen im Sozialrecht und in der Sozialpolitik, in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung sowie über Herausforderungen in der täglichen Beratungsarbeit auszutauschen.

Dabei wurde erneut deutlich, welche Bedeutung die soziale Absicherung für die grüne Branche insgesamt hat. Hinter Fragen zur Kranken-, Unfall- oder Rentenversicherung stehen häufig persönliche Schicksale, die sich unmittelbar auf die wirtschaftliche Stabilität der Betriebe und die soziale Situation der Unternehmer und ihrer Familien auswirken.

Zu Beginn der Tagung informierte Josef Wemmer von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) über die aktuellen Entwicklungen in der Landwirtschaftlichen Krankenversicherung (LKK) sowie über die voraussichtliche Beitragsentwicklung in der Landwirtschaftlichen Unfallversicherung (LBG) für die Jahre 2026 und 2027.

Über aktuelle Gesetzgebungsvorhaben und sozialrechtliche Entwicklungen berichtete Nicole Spieß, Referatsleiterin im Fachbereich Sozialpolitik des Deutschen Bauernverbandes. Ergänzend stellte Anke Friedrich aus demselben Fachbereich die Weiterentwicklung des Elterngeldes, des Mutterschutzes sowie die geplanten Regelungen zum Mutterschutz für Selbstständige vor.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Beschäftigung ausländischer Saisonarbeitskräfte. Insbesondere Fragen zum Mindestlohn, zur kurzfristigen Beschäftigung und zum Einsatz von Arbeitskräften aus Drittstaaten sorgen in vielen Betrieben für Beratungsbedarf und wurden intensiv diskutiert.

Breiten Raum nahm zudem der Austausch über die aktuelle und zukünftige Ausrichtung der Sozialberatung in den Landesbauernverbänden ein. Trotz unterschiedlicher Strukturen besteht Einigkeit darüber, dass die Sozialberatung auch künftig ein unverzichtbares Unterstützungsangebot für die Mitglieder bleibt.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Vortrag von Isidor Schelle vom Bayerischen Bauernverband zur sozioökonomischen Beratung und Mediation. Diese Form der Beratung versteht sich als Hilfe zur Selbsthilfe. Ziel ist es, landwirtschaftliche Familien in ihren jeweiligen Lebenssituationen abzuholen, individuelle Herausforderungen zu analysieren und Veränderungsprozesse konstruktiv zu begleiten.

Anhand praktischer Beispiele wurde sichtbar, wie eng wirtschaftliche, familiäre und persönliche Belastungen in landwirtschaftlichen Betrieben miteinander verknüpft sind. Betriebsnachfolgen, gesundheitliche Probleme, familiäre Konflikte oder wirtschaftliche Schwierigkeiten können erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Unternehmerfamilie haben. Gleichzeitig ist das Risiko psychischer Erkrankungen in der Landwirtschaft überdurchschnittlich hoch. Umso wichtiger sind Ansprechpartner, die die Besonderheiten der Branche kennen und Betroffene kompetent begleiten können.

Der Bayerische Bauernverband und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen beteiligen sich gemeinsam an einem Pilotprojekt, in dem qualifizierte Beraterinnen und Berater sozioökonomische Beratung und Mediation in Kooperation mit der SVLFG anbieten. Die Kosten für bis zu zehn Beratungsstunden werden dabei von der SVLFG übernommen. Eine begleitende Studie zeigt, dass das Angebot gut angenommen wird und die Teilnehmer überwiegend davon profitieren. Die Maßnahmen sind Teil der SVLFG-Kampagne „Mit uns im Gleichgewicht“. Zukünftig soll die sozioökonomische Beratung in Kooperation mit der SVLFG in weiteren Landesbauernverbänden angeboten werden.

Die Tagung zeigte, dass soziale Fragestellungen weit über Versicherungs- und Beitragsangelegenheiten hinausgehen. Sie betreffen die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in den landwirtschaftlichen Betrieben und damit auch deren Zukunftsfähigkeit. Der regelmäßige Austausch zwischen den Landesbauernverbänden leistet hierzu einen wichtigen Beitrag, indem Erfahrungen gebündelt und gemeinsame Herausforderungen frühzeitig erkannt werden.

Die Tagung in Magdeburg bot zahlreiche fachliche Impulse und unterstrich einmal mehr die große Bedeutung der Sozialberatung innerhalb der Bauernverbände. Sie bleibt ein wichtiger Baustein, um Landwirte bei zunehmend komplexen sozialen und rechtlichen Fragestellungen zu begleiten und zu unterstützen.

Thüringer Bauernverband e.V.
Alfred-Hess-Straße 8
99094 Erfurt

Tel.: +49 (0)361 262 530
Fax: +49 (0)361 262 532 25
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Kontakt
1000 Zeichen noch.