Aktualisierung der Landesstrategie zur beruflichen Orientierung gestartet

Aktualisierung der Landesstrategie zur beruflichen Orientierung gestartet

Am 7. Oktober lud das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (TMBWK) Vertreterinnen und Vertreter von Kammern, Vereinigungen und Verbänden zu einem Auftakttreffen ein. Im Mittelpunkt standen eine Bestandsaufnahme und erste Ideen für die künftige Umsetzung berufsorientierender Maßnahmen an allgemeinbildenden Schulen.

Anke Schröpfer (TMBWK) begrüßte in die Bundesagentur für Arbeit in Erfurt rund 25 Teilnehmende und gab einen Überblick über die aktuelle Lage. Dabei wurde deutlich, dass die Finanzierung geeigneter Maßnahmen durch EU, Bund und Land derzeit unsicher ist. So wurde beispielsweise die langjährig an Schulen eingesetzte Potenzialanalyse wegen fehlender Bundesmittel eingestellt.

Für die Landwirtschaft nahm Dr. Britta Ender, Referat Bildung des Thüringer Bauernverbandes (TBV), teil. Sie warb dafür, im Unterricht und in der Berufsorientierung fachlich fundierte Materialien zu nutzen – etwa die Angebote der i.m.a. und insbesondere das Lehrerjournal lebens.mittel.punkt.

Impulse aus Wirtschaft und Bildung zeigten, welche Anforderungen und Möglichkeiten bei der Weiterentwicklung der Berufsorientierung berücksichtigt werden sollten. Christian Laue (Continental AG) betonte, dass neben Fachwissen, technischem Verständnis, Prozesskenntnissen und digitalen Kompetenzen auch soziale Fähigkeiten gefragt seien. Dazu zählen Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke, Eigenverantwortung, Problemlösungskompetenz und Flexibilität.

Fabian Pfundmeier (ThEx Young Entrepreneurs) hob die Bedeutung unternehmerischer Kompetenz hervor: die Fähigkeit, eigene Ideen in die Tat umzusetzen. Erfahrungen mit Schülerfirmen könnten dafür eine gute Grundlage bieten. Zudem sprach er sich dafür aus, Berufsorientierung auch an Gymnasien stärker zu verankern. So könnten Schülerinnen und Schüler zunächst Ausbildungsberufe kennenlernen und sich später gegebenenfalls akademisch ausrichten. Dr. Silvio Kaak (Universität Erfurt) stellte den Berufswahlkompetenztest als Instrument vor, das den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt unterstützen kann.

Praxisnahe Einblicke ermöglicht das Projekt „Tag in der Praxis“ (TiP). An rund 80 Thüringer Schulen besuchen Schülerinnen und Schüler im zweiten Halbjahr der 8. und im ersten Halbjahr der 9. Klasse jeweils einen Tag pro Woche einen Betrieb. Auf diese Weise lernen sie insgesamt vier Unternehmen kennen. Solche Formate bieten Jugendlichen und Betrieben die Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen, Erwartungen abzugleichen und die Eignung für eine spätere Ausbildung besser einzuschätzen. Schulpraktika sind gesetzlich verankert – offen bleibt jedoch die Finanzierung begleitender Projekte durch Bund und Land.

In anschließenden Workshops wurde deutlich, dass Thüringer Schulen bereits vielfältige Aktivitäten zur Berufsorientierung anbieten. Erste Ideen für deren Weiterentwicklung sollen die Erwartungen der Wirtschaft, die schulischen Rahmenbedingungen und die verfügbaren Mittel miteinander in Einklang bringen. Die Beratungen zur Aktualisierung der Landesstrategie werden bei einem Folgetreffen im Dezember 2026 fortgesetzt.

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