Am 6. Oktober kam der Fachausschuss Bildung des Thüringer Bauernverbandes (TBV) zu seiner zweiten regulären Sitzung des Jahres in Erfurt zusammen. Im Mittelpunkt standen die Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen, die Einbindung landwirtschaftlicher Themen in den Unterricht sowie die aktuelle Situation in der beruflichen Aus- und Weiterbildung der grünen Berufe in Thüringen.
Berufsorientierung: Praxis ermöglicht Einblicke in die Landwirtschaft
Einen Schwerpunkt bildete die Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen. Als Gastreferentin informierte Anke Schröpfer vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (TMBWK) über den aktuellen Stand der praktischen Berufsfelderprobung im Rahmen von Schülerpraktika.
Bewährt hat sich die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse für ein bis zwei Wochen praktische Erfahrungen in einem Betrieb sammeln. Bei der Suche nach geeigneten Praktikumsplätzen unterstützt das Projekt „Praxiskoordinatoren“ der Industrie- und Handelskammern (IHK). Weitere Informationen zur beruflichen Orientierung und zu Ausbildungsangeboten bietet die Internetseite www.deine-ausbildung-in-thueringen.de.
Eine weitere Möglichkeit, frühzeitig Einblicke in die Arbeitswelt zu erhalten, bietet das Projekt „Tag in der Praxis“ (TiP). An den thüringenweit 80 teilnehmenden Schulen besuchen Schülerinnen und Schüler im zweiten Halbjahr der 8. Klasse sowie im ersten Halbjahr der 9. Klasse jeweils an einem Tag pro Woche einen Praxisbetrieb. Dabei lernen sie insgesamt vier Unternehmen kennen.
Beide Formate bieten Jugendlichen und Betrieben die Chance, sich gegenseitig kennenzulernen, Erwartungen abzugleichen und die Eignung für eine spätere Berufsausbildung besser einzuschätzen. Die Durchführung von Schulpraktika ist gesetzlich verankert. Unklar bleibt jedoch die weitere Finanzierung der begleitenden Projekte durch Bund beziehungsweise Land. Aus Sicht des Berufsstandes ist es wichtig, diese praxisnahen Angebote langfristig zu sichern und auch landwirtschaftlichen Betrieben zugänglich zu machen.
Landwirtschaft im Unterricht stärker verankern
Auch die Vermittlung landwirtschaftlicher Themen im schulischen Unterricht wurde diskutiert. Damit angehende und bereits tätige Lehrkräfte auf fachlich fundierte Unterrichtsmaterialien aufmerksam werden, vereinbarte der Fachausschuss, Gastreferenten aus den eigenen Reihen in eine Seminarreihe des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) einzubinden.
In diesem Zusammenhang wurde auf den neu gestalteten Internetauftritt der i.m.a. (information.medien.agrar e. V.) hingewiesen. Die überarbeitete Webseite erleichtert das Auffinden geeigneter Materialien nach Schuljahr und Unterrichtsfach. Landwirtschaftliche Themen lassen sich damit gezielt und fachlich fundiert in den Unterricht integrieren. Das Angebot ist hier abrufbar.
Änderungen im Berufsbild Landwirt: Schulungen für Ausbilder und Prüfer geplant
Dr. Ender informierte über aktuelle Entwicklungen im Bildungsbereich, darunter die laufende Novellierung des Berufsbildes Landwirtin und Landwirt. Die damit verbundenen Änderungen betreffen unter anderem die Berufsschulen, die Ausbildungsbetriebe und die Durchführung von Prüfungen.
Um die Beteiligten frühzeitig auf die Neuerungen vorzubereiten, sind spezielle Schulungen für Ausbilder und Prüfer vorgesehen. Diese sollen im Frühjahr 2027 durch die Landvolkbildung in Zusammenarbeit mit der zuständigen Stelle für Berufsbildung starten.
Anerkennung fand zudem das Engagement der TBV-Kreisverbände bei der Nachwuchswerbung, beispielsweise auf Messen und Hoffesten. Einigkeit bestand auch darin, dass dezentrale, festlich gestaltete Zeugnisübergaben für Absolventinnen und Absolventen der grünen Berufe einen wichtigen Beitrag zur Wertschätzung junger Fachkräfte leisten. Sie bieten Gelegenheit, die Leistungen der Auszubildenden zu würdigen und zugleich das Engagement der Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen und weiteren Bildungspartner sichtbar zu machen. Ein Dank gilt dem TLLLR und den beteiligten Kreisverbänden für die Zusammenarbeit.
Ausbildungssituation: Mehr neue Verträge, aber erhebliche Herausforderungen
In der abschließenden Tischumfrage berichteten die Vertreter der Bildungspartner über die aktuelle Lage in ihren jeweiligen Bereichen. Steffen Fleischhack von der zuständigen Stelle für Berufsbildung verwies auf eine positive Entwicklung bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen: Ihre Zahl liegt rund fünf Prozent über dem Vorjahresniveau.
Erfreulich sei außerdem, dass trotz zwischenzeitlicher Personalengpässe sämtliche Zwischen- und Abschlussprüfungen termingerecht stattfinden konnten.
Durch verschiedene Initiativen des Berufsstandes und des Berufsbildungsausschusses des Thüringer Landesamtes für Landwirtscaft und Ländlichen Raum (TLLLR) sowie dem damit verbundenen Nachdruck gegenüber Politik und Verwaltung konnten inzwischen die Ausschreibung und Besetzung aller offenen Stellen erreicht werden.
Deutlich schwieriger stellt sich die Personalsituation an der Berufsschule dar. Mirko Skandera, stellvertretender Schulleiter in Schwerstedt, bezifferte die Ausfallstunden im laufenden Schuljahr über alle dort beschulten Klassen hinweg auf mehr als 2.000 Stunden. Zwar sei die Vermittlung aller prüfungsrelevanten Inhalte sichergestellt, die personellen Engpässe beeinträchtigten den Schulbetrieb jedoch erheblich.
Weiterhin ungelöst sind die seit Langem erforderlichen Sanierungen des Schweißkabinetts und des Internats.
Bei der überbetrieblichen Ausbildung läuft die Kursumsetzung planmäßig, wenngleich hier ebenfalls personelle Engpässe bestehen. Die Internatskapazitäten sind zu Beginn des Ausbildungsjahres regelmäßig begrenzt. Durch die Einrichtung von Notunterkünften im Lehr- und Versuchsgut Buttelstedt konnte die Situation zumindest entschärft werden. Auch ermöglichten Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) einige notwendige Technikanschaffungen.
Fachkräftesicherung bleibt eine zentrale Aufgabe
Zum Abschluss der Sitzung unterstrich Dirk Reichelt die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Landwirtschaftsbetriebe, die zunehmend auch durch Liquiditätsprobleme geprägt ist. Gute berufliche Bildung und ausreichend qualifizierte Fachkräfte seien unverzichtbare Voraussetzungen, um Landwirtschaft erfolgreich betreiben zu können. Gleichzeitig erschwerten die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen der Betriebe die Rahmenbedingungen für Ausbildung und Fachkräftesicherung.
Für den Thüringer Bauernverband bleibt es daher eine wichtige Aufgabe, die berufliche Bildung gemeinsam mit Schulen, Ausbildungsbetrieben, Bildungsträgern und Politik weiterzuentwickeln, die Nachwuchswerbung zu stärken und verlässliche Rahmenbedingungen für die Ausbildung in den grünen Berufen einzufordern.
Die nächste Sitzung des TBV-Fachausschusses Bildung ist für März 2027 vorgesehen.