Landwirtschaft und Energiegewinnung auf einer Fläche: Agri-Photovoltaikanlage in Bad Klosterlausnitz eingeweiht
(v.l.) Stefan Reindl, Vorstandsvorsitzender TEAG Thüringer Energie AG; Tilo Kummer, Energieminister; Lukas Greifzu, Projektleiter TEAG Solar GmbH; Christian Scholz, zupar. Energie; Kevin Steinbrücker, Bürgermeister Bad Klosterlausnitz; Claudia Kirchner, Geschäftsführerin ASB KV Saale-Holzland-Kreis e.V.

Landwirtschaft und Energiegewinnung auf einer Fläche: Agri-Photovoltaikanlage in Bad Klosterlausnitz eingeweiht

Mit der feierlichen Inbetriebnahme der Agri-Photovoltaikanlage (APV) in Bad Klosterlausnitz ist ein Projekt gestartet, das Energieerzeugung, landwirtschaftliche Nutzung und soziale Aspekte miteinander verbinden soll. Auf rund sieben Hektar Fläche wurden etwa 12.000 Photovoltaikmodule mit einer Leistung von fast sieben Megawatt errichtet. Gleichzeitig bleibt die Fläche für die landwirtschaftliche Produktion erhalten.

„Es muss einen Mutigen geben, der anfängt“, hieß es von Stefan Reindl (Vorstandsvorsitzender TEAG Thüringer Energie AG) bei der Eröffnung mit Blick auf den Pilotcharakter des Vorhabens. Die Idee für das Projekt entstand bereits 2023 gemeinsam mit der Rüdersdorfer Agrar GmbH. Nach mehrjähriger Vorbereitung begann im März die Umsetzung. Projektierer der Anlage ist die TEAG Solar.

Bad Klosterlausnitz sei bislang vor allem als Kurort mit Moorbad und seinen Kliniken bekannt, sagte Bürgermeister Kevin Steinbrücker. Nun komme ein weiterer besonderer Standortfaktor hinzu. Er verwies zugleich auf den sozialen Bestandteil des Projektes: Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) begleitet die landwirtschaftliche Nutzung während der zunächst dreijährigen Projektphase.

Unter den Modulen werden unter anderem Heidelbeeren, Brombeeren, Maibeeren aber auch Rhabarber sowie weitere Kulturen in Bio-Qualität angebaut und auf ihre Eignung für diese Form der Bewirtschaftung getestet. Der ASB übernimmt während der Projektphase Pflegearbeiten wie das Ausschneiden der Pflanzen, das Anziehen an Spalieren, Mäharbeiten sowie Aufgaben beim Schutz gegen Schädlinge. Damit verbindet das Vorhaben Energieerzeugung mit landwirtschaftlicher Produktion und einem sozialen Ansatz.

Nach Angaben der Projektbeteiligten handelt es sich bei der Anlage um die bislang größte Agri-Photovoltaikanlage Thüringens. Gerade für den Beerenobstanbau seien entsprechende Anlagen in Deutschland noch Pionierprojekte. Ziel sei es unter anderem zu untersuchen, welche Vorteile die Überdachung durch die Module für die Kulturen mit Blick auf zunehmende Wetterextreme und die Folgen des Klimawandels bieten kann. Auch aus Sicht der Landwirtschaft eröffnet die Agri-Photovoltaik neue Möglichkeiten. Anders als bei klassischen Photovoltaik-Freiflächenanlagen bleibt die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche grundsätzlich bestehen. Damit könne ein Konflikt entschärft werden, der bei der Energiewende immer wieder auftrete: die Konkurrenz zwischen Energieerzeugung und landwirtschaftlich nutzbarer Fläche.

Bei der Inbetriebnahme wurde zugleich deutlich, dass die Rahmenbedingungen für solche Projekte weiterentwickelt werden müssen. Energieminister Tilo Kummer mahnte, dass die aktuelle Energiepolitik angesichts von Energiepreisen, Netzkapazitäten und Fragen der Versorgungssicherheit eine große Herausforderung sei. Notwendig seien Geschäftsmodelle, die sowohl wirtschaftlich tragfähig als auch gesellschaftlich akzeptiert seien. Dabei spiele die Akzeptanz vor Ort eine entscheidende Rolle. Jede Form der Energiegewinnung greife auf unterschiedliche Weise in Landschaft und Umwelt ein. Agri-Photovoltaik könne hier einen Ansatz bieten, bei dem Energieerzeugung und bestehende Flächennutzung besser miteinander verbunden werden. Auch Natur- und Artenschutz könnten in den neu entstehenden Strukturen zusätzliche Nischen finden.

Die technische Dimension des Projektes ist beträchtlich: Rund 12.000 Module speisen über 18 Wechselrichter über einen Transformator Strom ein. Der Übergabepunkt zum Stromnetz liegt etwa 1.200 Meter von der Anlage entfernt. Eine besondere Herausforderung während der Bauarbeiten waren zahlreiche Kampfmittelfunde; nach Angaben der Projektverantwortlichen wurde insgesamt mehr als eine Tonne entsprechendes Material geborgen. Für die TEAG ist das Projekt Teil einer langfristigen Photovoltaikstrategie. Das Unternehmen und seine Tochtergesellschaften sind bundesweit im Ausbau der Solarenergie aktiv. Perspektivisch soll der Ausbau erneuerbarer Energien dazu beitragen, den eigenen Strombedarf bilanziell vollständig abzudecken. Voraussetzung für eine wirtschaftliche Entwicklung seien jedoch weitere Projekte und entsprechende Stückzahlen. Die Anlage in Bad Klosterlausnitz soll deshalb nicht nur ein Einzelprojekt bleiben. Die Beteiligten verbanden mit der Eröffnung die Hoffnung, dass die dort gewonnenen Erfahrungen auf weitere Standorte übertragen werden können. Denn gerade bei neuen Formen der Flächennutzung gilt aus Sicht der Projektpartner: Erfolg ist nur gemeinsam möglich – zwischen Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Kommunen, sozialen Trägern sowie Natur- und Umweltschutz.

Anja Nußbaum

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