Dankbarkeit für das Gewachsene, Anerkennung für die Arbeit der Menschen in der Landwirtschaft und die gemeinsame Verantwortung für die Zukunft standen im Mittelpunkt des Thüringer Landeserntedankfestes am 27. September auf der Messe Erfurt. Im Rahmen der Grünen Tage Thüringen kamen Landwirtinnen und Landwirte, Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen, der Politik und Messegäste zusammen, um gemeinsam Erntedank zu feiern.
Den Auftakt bildete ein ökumenischer Erntedankgottesdienst im Carl-Zeiss-Saal des Congress Centers, gestaltet von Bischof Dr. Ulrich Neymeyr und Regionalbischof Tobias Schüfer und musikalisch begleitet vom Erfurter Gospelchor Heavens Garden. Dabei verbanden beide Geistliche die christliche Botschaft des Erntedanks mit Fragen, die Landwirtschaft und Gesellschaft heute beschäftigen.
Bischof Neymeyr griff in seiner Predigt landwirtschaftliche Bilder aus dem Evangelium auf. Obwohl Jesus selbst einer Handwerkerfamilie entstammte, spielten Saat, Ernte, Weinbau und die Arbeit auf den Feldern in seinen Gleichnissen immer wieder eine wichtige Rolle. Ein zentrales Bild ist der Weinstock, mit dem Jesus die Verbundenheit zwischen ihm und seinen Jüngern beschreibt. Im Mittelpunkt der Predigt stand zudem das Bild des Weizenkorns aus dem Johannesevangelium: Erst wenn das Korn in die Erde fällt und stirbt, kann es Frucht bringen.
Daran knüpfte Neymeyr die Frage nach gemeinsamer Verantwortung an. Kirche wolle sich in gesellschaftliche Debatten einbringen – auch dort, wo es um Landwirtschaft, den sorgsamen Umgang mit Böden, die Bewahrung der Schöpfung und einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln gehe. Zugleich unterstrich er die Bedeutung des Austauschs mit der landwirtschaftlichen Praxis. Der Präsident des Thüringer Bauernverbandes Dr. Klaus Wagner griff diesen Gedanken im Anschluss auf und bekräftigte die Bereitschaft, diesen Dialog mit den Kirchen fortzuführen.
Regionalbischof Schüfer stellte in seinem Tagesgebet ebenfalls Dankbarkeit und Verantwortung in den Mittelpunkt. Er bat darum, dass den Menschen bewahrt werde, was sie zum Leben brauchen, und erinnerte an diejenigen, die unter Hunger leiden. Zugleich richtete sich der Blick auf die Menschen, die mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass Lebensmittel erzeugt werden. Bischof Neymeyr verband den Erntedank darüber hinaus mit dem Wunsch nach Vertrauen in einer unübersichtlichen Zeit.
Auch Wagner erinnerte daran, dass eine Ernte keineswegs selbstverständlich ist. Die Ernte 2026 habe dies erneut gezeigt: Nach zunächst guten Aussichten führten hohe Temperaturen im Juni insbesondere bei Weizen und Raps regional zu Ertrags- und Qualitätseinbußen. Trotzdem sei Erntedank der richtige Zeitpunkt, Danke zu sagen – den Landwirtinnen und Landwirten, ihren Familien sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf den Betrieben. Zugleich verwies Wagner auf die wirtschaftlich angespannte Situation vieler Betriebe und die Notwendigkeit verlässlicher Rahmenbedingungen.
Ein sichtbares Zeichen dieses Dankes waren auch in diesem Jahr die Erntekronen. In vielen Stunden Handarbeit von den Thüringer LandFrauen aus Getreide gebunden, stehen sie für die eingebrachte Ernte, die Wertschätzung landwirtschaftlicher Arbeit und die Verbundenheit von Landwirtschaft, Kirchen, Politik und Gesellschaft. Wagner beschrieb die Krone zugleich als Sinnbild für Gemeinschaft: Viele einzelne Halme ergeben erst zusammen ein Ganzes – ebenso wie viele Menschen ihren Beitrag für Landwirtschaft und ländliche Räume leisten.
Landtagspräsident Dr. Thadäus König dankte den Bäuerinnen und Bauern für ihre Arbeit und würdigte die Erntekrone als sichtbares Zeichen dieses Einsatzes. Thüringens Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie Katharina Schenk stellte besonders den Gemeinschaftsgedanken heraus. Die Krone zeige symbolisch, was entstehen könne, wenn viele Hände zusammenarbeiten. Erntedank stehe damit nicht allein für das Ergebnis einer Ernte, sondern ebenso für Zusammenarbeit, Verantwortung und die enge Verbindung des Menschen mit der Natur.
Der Staatssekretär für Landwirtschaft und Ländlichen Raum Marcus Malsch verwies darauf, dass das Landeserntedankfest den dritten Tag der Grünen Tage Thüringen auf besondere Weise eröffne. Landwirtschaft und Ernährung gehörten unmittelbar zum „Grünen Herzen“ Thüringens. Gerade in Krisenzeiten werde deutlich, welche grundlegende Bedeutung eine verlässliche Versorgung mit Lebensmitteln habe. Er rief dazu auf, gemeinsam Botschafterinnen und Botschafter dieses Grünen Herzens zu sein.
Nach dem ökumenischen Gottesdienst und Grußworten überreichte Wagner die Erntekronen an Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchen und Politik. Anschließend führte ein gemeinsamer Rundgang über den Thüringer Marktplatz „Grünes Herz“ in Halle 1 zu verschiedenen Direktvermarktern sowie Erzeugerinnen und Erzeugern aus dem Freistaat. Im Rahmen dieses Rundgangs nahm auch Ministerpräsident Mario Voigt seine Erntekrone entgegen.
So verband das Landeserntedankfest auch in diesem Jahr Tradition mit aktuellen Fragen. Es bot Raum, um für die Ernte und die Arbeit der Menschen auf den Höfen zu danken, aber ebenso, um miteinander im Gespräch zu bleiben. Gerade die Erntekrone machte dabei sichtbar, was den Tag prägte: Viele einzelne Halme tragen gemeinsam eine Krone. Landwirtschaft, Kirchen, Politik und Gesellschaft tragen gemeinsam Verantwortung dafür, dass auch künftig geerntet und Erntedank gefeiert werden kann.
Für die Fertigung der Erntekronen dankt der TBV in diesem Jahr den LandFrauen der Ortsvereine Vogelgesang, Kauern, Pahren/ Förthen, Westenfeld, Leinefelde, Bad Frankenhausen, Stotternheim, Dachwig, Warza, Behrungen, Herbsleben, Willerstedt und Kleinmölsen.