Am 18. September berichtete der MDR über erhöhte Nitratwerte in privat genutzten Gartenbrunnen im Landkreis Nordhausen und im Kyffhäuserkreis. Bebildert war der Beitrag zunächst mit einem alten Güllefass mit Breitverteiler. Eine Bildwahl, die aus Sicht des Thüringer Bauernverbandes (TBV) bereits eine eindeutige Verbindung zur Landwirtschaft herstellte, obwohl die vorliegenden Untersuchungsergebnisse eine solche pauschale Schlussfolgerung nicht zulassen.
Grundlage des MDR-Beitrags waren Untersuchungen eines privaten, gemeinnützigen Gewässerschutzvereins. Dieser bietet seit Jahren kostenpflichtige Analysen von Wasserproben aus privaten Brunnen an. Die Termine werden unter anderem über Tageszeitungen und Amtsblätter bekannt gemacht. Bürgerinnen und Bürger bringen dabei selbst entnommene Wasserproben zu mobilen Untersuchungsstellen, die der Verein regelmäßig auch in Thüringen betreibt.
Im Anschluss an solche Aktionen veröffentlicht der Verein regelmäßig Pressemitteilungen. Die Argumentationslinie ist dabei häufig ähnlich: Erhöhte Nitratwerte werden festgestellt und in einen engen Zusammenhang mit landwirtschaftlicher Düngung und dem Einsatz organischer Dünger gebracht. Daraus werden anschließend Forderungen nach strengeren Vorgaben für die Landwirtschaft abgeleitet.
Genau hier setzt die Kritik des TBV an. Im aktuellen Fall wurden laut MDR insgesamt 79 Proben aus privaten Brunnen untersucht. Wie sich diese Proben auf die einzelnen Orte verteilen, bleibt offen. Eine solche Stichprobe kann daher keine repräsentative Aussage über die Grundwassersituation in zwei gesamten Landkreisen liefern.
Hinzu kommt, dass private Gartenbrunnen nicht mit den Messstellen des amtlichen Grundwassermessnetzes gleichgesetzt werden können. Lage, Tiefe und Bauweise des Brunnens sowie die örtlichen Boden- und Wasserverhältnisse können das Ergebnis beeinflussen. Ebenso kommen verschiedene lokale Eintragsquellen infrage. Dazu zählen neben der landwirtschaftlichen Flächennutzung beispielsweise die Düngung im eigenen Garten, Kompost- und Mistlagerungen oder Abwassereinträge. Aus einem erhöhten Nitratwert allein lässt sich deshalb weder eindeutig ableiten, wann der Stickstoff eingetragen wurde, noch woher er stammt oder wer dafür verantwortlich ist.
Der TBV hat deshalb unmittelbar nach Veröffentlichung des Beitrags Kontakt mit dem MDR aufgenommen und sowohl die Bebilderung als auch die aus unserer Sicht zu einseitige Einordnung kritisiert. Wir haben deutlich gemacht, dass aus einzelnen privat eingereichten Brunnenwasserproben keine pauschalen Rückschlüsse auf die Landwirtschaft gezogen werden dürfen.
Der MDR reagierte noch am selben Tag: Das ursprünglich verwendete Foto des Güllefasses wurde geändert und der Beitrag um eine Stellungnahme des Thüringer Bauernverbandes ergänzt.
Für den TBV steht fest: Belastungen des Grundwassers müssen ernst genommen und fachlich sauber untersucht werden. Für eine belastbare Bewertung braucht es jedoch das amtliche Messnetz, langfristige Datenreihen und eine differenzierte Ursachenanalyse. Gewässerschutz ist auch für die Landwirtschaft ein wichtiges Anliegen. Pauschale Schuldzuweisungen auf Grundlage weniger privater Brunnenproben helfen dabei jedoch nicht weiter.