Trockenheit, steigende Kosten und fehlende Wirkstoffe beim Pflanzenschutz belasten die Landwirtschaft

Trockenheit, steigende Kosten und fehlende Wirkstoffe beim Pflanzenschutz belasten die Landwirtschaft

Anfang September fand in Oldisleben das traditionelle Erntepressegespräch des Kreisbauern­verbandes Kyffhäuserkreis statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Wolfgang Peter, Kreisvorsitzender des Kreisbauernverbandes Kyffhäuserkreis. Neben Vertretern des Kreisbau­ernverbandes nahmen mehrere Presse- und Medienvertreter teil. Da Landrätin Antje Hochwind-Schneider krankheitsbedingt verhindert war, wurde sie durch den stellvertretenden Landrat Raimund Scheja (CDU) vertreten.

Im Mittelpunkt standen die Erntebilanz 2026, die aktuelle Lage der landwirtschaftlichen Be­triebe sowie die politischen und klimatischen Rahmenbedingungen für die kommenden Jahre.

Gastgeber waren Dr. Sebastian Schwabe und seine Schwester Marie-Luise Schwabe, die seit 2025 gemeinsam einen rund 1.000 Hektar großen Marktfruchtbetrieb in Oldisleben führen. Dr. Sebastian Schwabe stellte den Betrieb vor und berichtete über den bisherigen Verlauf des Wirt­schaftsjahres.

Die Region rund um Oldisleben und in Richtung Artern gehört aufgrund ihrer topografischen Lage und des Windschattens mehrerer Höhenzüge zu den niederschlagsärmsten Gebieten Deutschlands. Insbesondere die Region um Artern weist seit jeher vergleichsweise geringe Jah­resniederschläge auf. Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen ab Mitte Juni wirkten sich in diesem Jahr deutlich auf die Bestände und Erträge aus.

Für den Kreisverband ordnete Verbandsmitglied Alexander Thiele die Erntesituation ein. Wäh­rend die Wintergerste überwiegend durchschnittliche Erträge erzielte, mussten bei Winterwei­zen und Winterraps deutliche Einbußen verzeichnet werden. Regional kamen Mutterkorn im Getreide und Schädlingsbefall im Raps hinzu. Die Entwicklung im Kyffhäuserkreis steht dabei beispielhaft für die schwierige Erntesituation in vielen Teilen Thüringens.

Geringere Erträge treffen auf weiterhin hohe Produktionskosten. Besonders Diesel, Dünger, Pflanzenschutz und Saatgut belasten die Betriebe. Gleichzeitig sind die Erzeugerpreise vielfach nicht kostendeckend. Dadurch verschärft sich die wirtschaftliche Situation und der Spielraum für notwendige Investitionen wird kleiner.

Dr. Uwe Rößler, Leiter der Versuchsstation des TLLLR in Kirchengel, stellte neben den Ergeb­nissen des aktuellen Versuchsjahres die Auswertung der langjährigen Klimadaten der Versuchs­station vor. Die Messreihen zeigen eine deutliche Veränderung der klimatischen Bedingungen. So nimmt unter anderem die Zahl der heißen Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius zu. Damit steigen Verdunstung und Wasserbedarf der Kulturen.

Auch die Niederschlagsverteilung hat sich verändert. Gleichzeitig bleiben Frosttage im Winter ein Risiko. Fehlt eine schützende Schneedecke, können tiefe Temperaturen Schäden an den Kulturen verursachen. Für die Landwirtschaft bedeutet dies, dass neben der Trockenheits- und Hitzetoleranz weiterhin auch die Frostverträglichkeit von Sorten berücksichtigt werden muss.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Situation im Pflanzenschutz. Besonders beim Raps fehlen durch den Wegfall von Wirkstoffen zunehmend wirksame und praxistaugliche Möglichkeiten zur Bekämpfung wichtiger Schädlinge. Der Verlust bewährter Lösungen, insbesondere bei der Beizung, erhöht das Anbaurisiko deut­lich. Aus Sicht der Praxis sind deshalb verlässliche Pflan­zenschutzlösungen notwendig, damit Raps auch künftig erfolgreich und wirtschaftlich angebaut werden kann.

Auch die Gestaltung der Fruchtfolgen wurde thematisiert. Vielfältige Fruchtfolgen, angepasste Anbauverfahren und geeignete Sorten gewinnen ange­sichts der klimatischen Veränderungen an Bedeutung. Gleichzeitig müssen die Kulturen unter den aktuellen Erzeugerpreisen und Produk­tionskosten wirtschaftlich tragfähig sein. Klimaan­passung und Wirtschaftlichkeit müssen des­halb gemeinsam gedacht werden.

Zum Abschluss wurden wichtige politische Themen für die Landwirtschaft diskutiert. Dazu gehörten die geplante Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028, die EU-Naturwiederherstel­lungsverordnung, Änderungen im Düngerecht sowie die geplanten Regelungen im Rahmen des EEG 2027.

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