Wie kann Landwirtschaft auch künftig wirtschaftlich arbeiten, investieren und gleichzeitig den ländlichen Raum stärken? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das gut besuchte Agrarforum des Bauernverbandes Kyffhäuserkreis e. V. am 3. September in Großenehrich. Zu Gast waren die Bundestagsabgeordneten Anna Aeikens und David Gregosz sowie der Landtagsabgeordnete Stefan Schard (alle CDU).
Zum Auftakt erhielten die politischen Gäste bei einer Betriebsrundfahrt einen direkten Einblick in die landwirtschaftliche Praxis. Mit einem Kleinbus ging es entlang der Bewirtschaftungsflächen der Agrar GmbH Großenehrich. Anna Aeikens und Stefan Schard informierten sich gemeinsam mit den Geschäftsführern Nicole Seiffge und Robert Kriegshammer über den Betrieb und seine aktuellen Herausforderungen. Bereits während der Fahrt wurden konkrete Fragen aus dem Betriebsalltag und wirtschaftliche Herausforderungen angesprochen.
An der Hopfenanlage des Unternehmens wurde deutlich, mit welchen besonderen Herausforderungen eine Dauerkultur verbunden ist. Rückläufige Nachfrage, Krankheiten, die schwierige Gewinnung von Saisonarbeitskräften sowie umfangreiche Antrags- und Verwaltungsverfahren belasten die Betriebe. Auch KULAP-Flächen wurden besichtigt. Kritisch wurde insbesondere die fünfjährige Bindung gesehen, die aus Sicht der Praxis wenig Flexibilität lässt, wenn sich betriebliche oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen verändern.
Nach der Betriebsrundfahrt begann in der gut besuchten Mehrzweckhalle das Agrarforum, das Dr. Wolfgang Peter, Vorsitzender des Bauernverbandes Kyffhäuserkreis e. V., moderierte. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), Bürokratie, Tierhaltung, die Entwicklung des ländlichen Raumes und die Energiepolitik.
Anna Aeikens, Jahrgang 1998, ist seit 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Die CDU-Abgeordnete studierte Agrarökonomie und gehört zu den jüngsten Abgeordneten der laufenden Wahlperiode. Im Bundestag ist sie Mitglied des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sowie des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Damit liegen ihre politischen Schwerpunkte insbesondere in der Landwirtschafts- und Umweltpolitik.
Zu Beginn ihres Beitrags stellte Anna Aeikens ihre aktuellen Schwerpunktthemen vor. Dabei ging sie vor allem auf die Zukunft der Landwirtschaft und den Abbau bürokratischer Hürden, den Tierschutz sowie den Klima- und Umweltschutz. Auch Fragen der Energieversorgung sind Bestandteil ihrer aktuellen politischen Arbeit.
David Gregosz stieß aufgrund einer Terminüberschneidung etwas später zur Veranstaltung hinzu. Der CDU-Abgeordnete ist ebenfalls seit 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages und vertritt den Wahlkreis Eichsfeld – Nordhausen – Kyffhäuserkreis. Im Mittelpunkt seines Beitrags stand unter anderem die europäische Agrarpolitik.
Besonders ausführlich diskutierten die Teilnehmer daher über die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik. Anna Aeikens und David Gregosz konnten dazu aktuelle Informationen aus einem kürzlich geführten Gespräch mit dem CDU-Europaabgeordneten Norbert Lins einbringen, der als stellvertretender Vorsitzender des Agrarausschusses maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt ist.
Über den neuen EU-Finanzrahmen soll bereits im Herbst 2026 entschieden werden, insbesondere mit Blick auf in 2027 anstehende Wahlen in einigen EU-Mitgliedsstaaten. Dabei geht es auch um die Frage, wie viel Geld künftig für neue Aufgaben wie Verteidigung, Migration und Digitalisierung zur Verfügung steht und welcher finanzielle Spielraum damit für die GAP verbleibt. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will zusätzliche Mittel unter anderem für diese neuen Bereichen bereitstellen. Deutschland und fünf weitere Nettozahler fordern dagegen einen deutlich kleineren Haushalt und lehnen zusätzliche gemeinsame Schulden ab.
Nach aktuellem Stand könnte sich der Start der neuen Förderperiode von 2028 auf 2029 verschieben. Die Zwei-Säulen-Struktur soll voraussichtlich erhalten bleiben. Bei den Direktzahlungen scheint die ursprünglich diskutierte Kappungsgrenze von 100.000 Euro je Betrieb hingegen vom Tisch zu sein. Stattdessen wird inzwischen eine Größenordnung von bis zu 500.000 Euro je Gesellschafter genannt.
Beide Politiker betonten, dass die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind und wichtige Entscheidungen weiterhin ausstehen. Gregosz verwies darauf, dass sich im weiteren Verlauf noch einiges verändern könne: „Es wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“
Neben der GAP standen zahlreiche weitere Themen im Mittelpunkt des Austauschs, die die Betriebe unmittelbar betreffen. Dazu gehörten Erzeugerpreise und gestiegene Produktionskosten ebenso wie Düngung, Pflanzenschutz und Fruchtfolge. Auch die Situation in der Tierhaltung wurde thematisiert. Hohe Kosten, schwierige Erlössituationen und umfangreiche Vorgaben setzen die Betriebe zunehmend unter Druck.
Deutlich kritisiert wurde zudem die zunehmende Bürokratie. Stefan Schard fasste die Stimmung prägnant zusammen: „Bürokratie wuchert wie Riesenbärenklau.“
Doch nicht nur die Betriebe selbst stehen vor Herausforderungen. Auch die Entwicklung der ländlichen Räume war Thema des Austauschs. Bereits bei der Betriebsrundfahrt durch Großenehrich konnten sich die politischen Gäste ein Bild von konkreten Beispielen für Leerstand im Ort machen. Landwirtschaft und die Zukunft der Dörfer sind dabei eng miteinander verbunden. Landwirtschaftliche Betriebe sichern Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung und tragen zur Erhaltung der Kulturlandschaft bei.
Besonders intensiv wurde die anstehende Novelle des EEG 2027 diskutiert. Kritisch gesehen wurden die vorgesehenen Rahmenbedingungen für Windkraft und Photovoltaik ebenso wie die Perspektive bestehender Biogasanlagen.
Biogas muss wieder eine verlässliche Perspektive erhalten. Bereits heute sind zahlreiche Anlagen aus der Förderung gefallen oder stillgelegt worden. Für die noch bestehenden Anlagen braucht es deshalb tragfähige Rahmenbedingungen über das Ende der bisherigen Förderung hinaus. Andernfalls gehen weitere Anlagen und damit auch regionale Wertschöpfung verloren.
Diese Botschaft wurde den Bundestagsabgeordneten mit Blick auf die anstehenden Beratungen zum EEG 2027 deutlich mit auf den Weg gegeben.
Die Hoffnung bleibt, dass die in Großenehrich angesprochenen Anliegen ihren Weg nach Berlin und Brüssel finden – und dort letztlich auch etwas bewirken.