Erntepressekonferenz 2026: Wirtschaftlicher Druck auf Thüringer Betriebe erhöht sich

Erntepressekonferenz 2026: Wirtschaftlicher Druck auf Thüringer Betriebe erhöht sich

Die Ernte 2026 fällt in Thüringen regional sehr unterschiedlich aus und bleibt bei wichtigen Kulturen hinter den Erwartungen zurück. Diese Bilanz zog der Thüringer Bauernverband (TBV) bei seiner diesjährigen Erntepressekonferenz am 27. August. Besonders die Hitzeperiode Ende Juni führte bei Weizen und Raps zu erheblichen Ertrags- und Qualitätseinbußen. Gleichzeitig belasten hohe Betriebsmittelkosten und schwache beziehungsweise volatile Weltmarktpreise die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaftsbetriebe.

Bis Mitte Juni hatten die Getreidebestände vielerorts noch eine gute Ernte erwarten lassen. In der zweiten Junihälfte folgten jedoch elf Tage in Folge mit Temperaturen von mehr als 29 Grad Celsius, Ende Juni wurden Höchstwerte von bis zu 40 Grad erreicht. Während die Wintergerste zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend ausgereift war und überdurchschnittliche Erträge bei guter Qualität brachte, befand sich der Weizen mitten in der Kornfüllung. Die Folgen waren geringere Erträge, kleinere Körner und niedrige Hektolitergewichte. Ein größerer Anteil des Weizens erreicht deshalb nicht die erforderlichen Qualitäten für die Vermahlung und muss mit entsprechenden Preisabschlägen vermarktet werden.

„Aus einem vielversprechenden Weizenbestand wurde innerhalb weniger heißer Tage ein enttäuschendes Ernteergebnis“, fasste TBV-Präsident Dr. Klaus Wagner die Entwicklung zusammen.

Auch beim Raps liegen die Erträge deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Regional wurden Mindererträge von bis zu 40 Prozent festgestellt. Neben dem Witterungsverlauf sieht der TBV hierfür auch die eingeschränkte Verfügbarkeit wirksamer Pflanzenschutzmittel, im Besonderen die fehlende Beize beim Raps, als Ursache. Die Getreide- und Rapsernte begann rund zwei Wochen früher als üblich und war Mitte August weitgehend abgeschlossen.

Angespannt bleibt zudem die Futterversorgung. Auf dem Grünland fiel bereits der zweite Schnitt ertragsarm aus, ein dritter Schnitt wird oftmals nicht möglich sein. Viele Betriebe können derzeit noch auf in guten Jahren angelegte Futterreserven zurückgreifen. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird die Silomaisernte sein. Eine flächendeckende Futternot besteht nach Einschätzung des TBV derzeit nicht. Hoffnung besteht außerdem bei Sonnenblumen und Zuckerrüben. Insbesondere Sonnenblumen gewinnen als Ergänzung beziehungsweise teilweise als Ersatz für Raps in den Fruchtfolgen an Bedeutung und sind damit auch eine Reaktion auf veränderte klimatische Bedingungen.

Ein differenziertes Bild zeigt die Öko-Ernteerhebung des TBV. Beim ökologisch erzeugten Winterweizen wurden durchschnittlich 44,5 Dezitonnen pro Hektar erreicht. Trotz der Hitzeperiode waren die Qualitäten beim Weizen überwiegend gut. Deutliche Rückgänge gab es dagegen beim Roggen mit durchschnittlich 28,5 Dezitonnen pro Hektar. Wintertriticale und Hafer erzielten gegenüber dem Vorjahr höhere Erträge. Besonders unter Hitze und Trockenheit litten Ackerbohnen und Sojabohnen. Insgesamt wurden für die Erhebung Daten von 19 ökologisch wirtschaftenden Betrieben mit rund 4.807 Hektar Fläche ausgewertet. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Bio-Produkten: Im ersten Halbjahr 2026 wurde deutschlandweit ein Umsatzwachstum von 4,9 Prozent verzeichnet. Fehlende Lager-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen erschweren jedoch weiterhin eine stärkere Ausweitung des Ökolandbaus in Thüringen.

Die Ernteergebnisse treffen die Landwirtschaftsbetriebe in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. Hohe Kosten für Düngemittel, Energie und Kraftstoffe können aufgrund der am Weltmarkt gebildeten Agrarpreise nicht ohne Weiteres über höhere Verkaufspreise ausgeglichen werden. Geringere Erntemengen und Qualitätsabschläge verschärfen damit den Druck auf Ertragslage und Liquidität. Dies wirkt sich bereits auf die Vorbereitung der Ernte 2027 aus, für die Bodenbearbeitung, Aussaat und Betriebsmittel finanziert werden müssen.

„Das Zusammentreffen von gesunkenen Erträgen und Qualitäten sowie weiterhin hohen Betriebsmittelkosten bei volatilen Weltmarktpreisen nimmt die Betriebe wirtschaftlich in die Zange“, erklärte Wagner. Gerade mit Blick auf die anstehende Aussaat und die nächste Ernte werde die Liquidität für viele Betriebe zu einem entscheidenden Faktor.

Der TBV fordert deshalb kurzfristige wirtschaftliche Entlastungen. Dazu gehören eine Aufstockung und unbürokratische Auszahlung der EU-Düngebeihilfen, Entlastungen bei den Energiekosten sowie die vollständige Auszahlung der EU-Direktzahlungen bis spätestens 31. Dezember. Gleichzeitig müsse der regulatorische Rahmen landwirtschaftlichen Betrieben ermöglichen, sich wirksam an Klimaveränderungen anzupassen. Dazu zählen aus Sicht des Verbandes Investitionen in die Betriebe sowie ausreichende Möglichkeiten beim Pflanzenschutz.

Die Ernte 2026 verdeutlicht damit erneut, wie eng Witterungsrisiken, Produktionskosten und Marktbedingungen miteinander verbunden sind. Für die Betriebe wird entscheidend sein, dass notwendige Investitionen in Klimaanpassung und eine zukunftsfähige Produktion trotz der angespannten Liquidität möglich bleiben.

 

>>> "Bauernverband zieht ernüchternde Erntebilanz" zum mdr-Beitrag zur Erntepressekonferenz geht es hier<<<

 

Thüringer Bauernverband e.V.
Alfred-Hess-Straße 8
99094 Erfurt

Tel.: +49 (0)361 262 530
Fax: +49 (0)361 262 532 25
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Kontakt
1000 Zeichen noch.