EU-Mittelkürzungen und Glyphosatverbot: Eichsfelder Bauernverband fordert von der Poli­tik mehr Unter­stützung

EU-Mittelkürzungen und Glyphosatverbot: Eichsfelder Bauernverband fordert von der Poli­tik mehr Unter­stützung

Der Vorstand des Eichsfelder Bauernverbandes kam am 18. August zu seiner Vor­standssitzung in den Räumlichkeiten der LEVER Agrar-AG in Heiligenstadt zusammen. Im Mittelpunkt der Sitzung stand der agrarpolitische Austausch mit der Landrätin des Eichsfeld­kreises, Dr. Marion Frant, und dem Bundestagsabgeordneten David Gregosz.

Kreisverbandsvorsitzender Ingolf Lerch schilderte die angespannte Situation der landwirt­schaftlichen Betriebe im Eichsfeldkreis. „Die Landwirtschaft steht vor erheblichen Herausfor­derungen. Die Ernte 2026 fällt bei wichtigen Kulturen wie Weizen und Raps aufgrund der an­haltenden Trockenheit und der hohen Temperaturen teilweise deutlich schlechter aus als erwar­tet. Gleichzeitig bleibt die Erlössituation in der Tierhaltung und Milchproduktion schlecht. Auf der Kostenseite stehen die Betriebe unter weiter wachsendem Druck. Hohe Preise für Energie, Diesel und Dünger belasten die Wirtschaftlichkeit erheblich, während die aktuellen Erzeuger­preise vielfach nicht ausreichen, um die gestiegenen Kosten aufzufangen. Zusätzlich erschwe­ren fehlende Wirkstoffe im Pflanzenschutz die Bewirtschaftung und schränken die Handlungs­möglichkeiten der Landwirte zunehmend ein.“

In der anschließenden Diskussion berichteten die Vorstandsmitglieder aus ihren betrieblichen Erfahrungen und äußerten ihre Sorgen hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen. Im Mittel­punkt standen die fehlende Planungssicherheit, steigende Kosten und offene Fragen zur zukünf­tigen Agrarpolitik. Zudem wurden die Auswirkungen geopolitischer Krisen auf Energie-, Die­sel- und Düngemittelpreise sowie die zunehmenden Anforderungen im Umwelt-, Klima- und Tierschutz thematisiert.

Die Landrätin und der Bundestagsabgeordnete unterstrichen die große Bedeutung der regiona­len Landwirtschaft für das Eichsfeld. Neben anderen Branchen stellt sie einen wichtigen Wirt­schaftsfaktor und einen prägenden Bestandteil der Region dar.

Mit Blick auf den kommenden GAP-Förderzeitraum geht Gregosz von einer Kürzung der Mit­tel für die Gemeinsame Agrarpolitik aus. Hintergrund sei insbesondere, dass die Mitgliedstaa­ten signalisiert hätten, über keine finanziellen Spielräume für eine Aufstockung der Mittel zu verfügen. Gleichzeitig müssten über den EU-Haushalt weitere dringende Aufgaben finanziert werden. Eine Entscheidung über die künftige Mittelausstattung des EU-Haushalts wird im Herbst erwartet. Nach Einschätzung von Gregosz ist daher im kommenden GAP-Zeitraum mit einer geringeren Mittelausstattung für die Landwirtschaft zu rechnen.

Umso wichtiger sei es, auf nationaler Ebene gezielt Entlastungen für die Landwirtschaft zu schaffen. Zugleich betonte Gregosz, dass angesichts der angespannten Haushaltslage auch auf Bundes- und Landesebene „keine einfachen Antworten“ möglich seien. Umso entscheidender sei es, die bestehenden Handlungsspielräume konsequent zu nutzen. Potenzial sieht er insbe­sondere beim Abbau bürokratischer Belastungen sowie bei steuerlichen Erleichterungen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Beratung waren die erneuerbaren Energien und die für 2027 ge­planten Änderungen des EEG. Gregosz kritisierte, dass der Gesetzgeber bereits früher stärker auf Eigenversorgung bei PV-Anlagen sowie auf den Ausbau der Stromnetze und Speichermög­lichkeiten hätte setzen müssen.

Die Vorstandsmitglieder äußerten zudem Kritik an verschiedenen Regelungen des Gesetzent­wurfs und brachten Änderungsvorschläge ein. Dabei wurde unter anderem eine stärkere Nut­zung von Biogasanlagen sowie eine ausgewogenere Ausrichtung neben Gaskraftwerken gefor­dert. Auch die geplanten Regelungen für PV- und Windanlagen wurden kritisch diskutiert.

Neben den Stand bzgl. der Regionalplanung und der Lenkung des Landwirtschaftlichen Ver­kehrs bei anstehenden Straßenbaumaßnahmen wurde das Glyphosatverbot in Wasserschutzge­bieten angesprochen.

Während Glyphosat in der EU derzeit bis 2033 zugelassen ist, geht Deutschland mit zusätzli­chen nationalen Verboten – insbesondere in Wasserschutzgebieten – deutlich über die europä­ischen Vorgaben hinaus. Im Eichsfeld sind aufgrund der großflächig ausgewiesenen Trinkwas­serschutzgebiete schätzungsweise fast 20.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche von dem Anwendungsverbot betrof­fen. Für die betroffenen Landwirte entstehen dadurch erhebliche Mehrkosten. Gleichzeitig leh­nen die Trinkwasserversorger entsprechende Ausgleichszahlun­gen ab – anders als beispiels­weise in Hessen und Niedersachsen.

Die Politik sollte sich auf Bundesebene dafür einsetzen, die über die EU-Vorgaben hinausge­henden nationalen Sonderregelungen abzuschaffen. Die Landwirte dürfen nicht durch diese zu­sätzliche nati­onale Vorgaben belastet werden. Bis dahin wurde gegenüber den Gästen daher gefordert, auch in Thüringen kurzfristig und unbürokra­tisch einen angemessenen Ausgleich für die betroffenen Landwirte zu schaffen.

In diesem Zusammenhang wurde den Gästen auch ein Pressebericht der Universität Tübingen übergeben. Forschende der Universität hatten 2025 einen möglichen weiteren Eintragspfad von Glyphosat in Gewässer aufgezeigt. Da Glyphosat- und AMPA-Konzentrationen in Gewässern ganzjährig relativ konstant blieben, geriet dabei das Abwasser aus Kläranlagen in den Fokus. Die Untersuchungen zeigten, dass DTPMP, ein Bestandteil von Wasch- und Reinigungsmitteln, unter bestimmten Bedingungen zu Glyphosat umgewandelt werden kann.

Thüringer Bauernverband e.V.
Alfred-Hess-Straße 8
99094 Erfurt

Tel.: +49 (0)361 262 530
Fax: +49 (0)361 262 532 25
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Kontakt
1000 Zeichen noch.