Landwirtschaft, Naturschutz und regionale Herausforderungen standen im Mittelpunkt der gemeinsamen Flurfahrt mit der Landrätin des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, Peggy Greiser am 24. August. Der Regionalbauernverband Südthüringen hatte gemeinsam mit Vertretern der regionalen Landwirtschaft zu einem Austausch direkt auf den Flächen eingeladen. Dabei wurden nicht nur erfolgreiche Beispiele des Vertragsnaturschutzes vorgestellt, sondern auch Probleme angesprochen, die die landwirtschaftlichen Betriebe in der täglichen Arbeit zunehmend belasten.
Treffpunkt war das kleine Örtchen Birx ganz im Westen von Südthüringen. Erste Station der Flurfahrt war eine Grünlandfläche, die durch die Pflege-Agrargenossenschaft Bettenhausen e.G. bewirtschaftet und gepflegt wird. Die Fläche ist nicht nur für die Landwirtschaft von Bedeutung, sondern bietet auch einen besonderen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. So kommt hier unter anderem wieder der Schwarze Apollo, eine seltene und besonders schützenswerte Schmetterlingsart, vor.
Hier konnte eindrucksvoll gezeigt werden, dass landwirtschaftliche Nutzung und Naturschutz erfolgreich miteinander verbunden werden können. Durch eine angepasste Bewirtschaftung und den Vertragsnaturschutz leisten die Landwirte einen wichtigen Beitrag zum Erhalt wertvoller Lebensräume und zur Förderung der Artenvielfalt. Die Landrätin unterstrich hier noch einmal die äußerst wichtige Rolle der Landwirtschaft beim Erhalt der Kulturlandschaft und bekräftigte die verlässliche Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Verwaltung.
Auf der Fläche wurde gleichzeitig auf ein Thema aufmerksam gemacht, das die betroffenen Agrarbetriebe vor erhebliche Herausforderungen stellt: die Einstufung einzelner Bäume und Hecken auf Grünlandflächen als sogenannte „Waldweide“. Für die landwirtschaftlichen Betriebe kann diese Einstufung weitreichende Folgen haben. Nach Auffassung der betroffenen Landwirte werden teilweise unmittelbar hohe Sanktionen verhängt, obwohl die entsprechenden Flächen beim zuständigen Agrarförderzentrum weiterhin als Grünland geführt werden und auch tatsächlich landwirtschaftlich gepflegt werden.
Für die Betriebe entsteht dadurch ein schwer nachvollziehbarer Widerspruch zwischen der tatsächlichen Nutzung, der Einstufung im Rahmen der Agrarförderung und den naturschutz- beziehungsweise forstrechtlichen Bewertungen.
Martin Berk, Vorstandsvorsitzender der Pflege-Agrargenossenschaft Bettenhausen e.G., erläuterte der Landrätin den Sachverhalt ausführlich und bat sie um Unterstützung bei der Klärung. Gerade für Betriebe, die sich aktiv um die Pflege extensiver und naturschutzfachlich wertvoller Flächen kümmern, sind solche Konflikte besonders problematisch.
Der Regionalbauernverband drängte hier zusammen mit den Landwirten auf dringenden Gesprächs- und Klärungsbedarf. Ziel muss es sein, praktikable Lösungen zu finden, die sowohl den Anforderungen des Forstes als auch der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung gerecht werden.
Anschließend führte die Flurfahrt zu einem weiteren besonderen Standort: dem Grenzbereich im „Dreiländereck“ Thüringen–Hessen–Bayern. Auch hier nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, der Landrätin direkt auf der Fläche die angespannte Situation der Landwirtschaft zu erläutern.
Im Mittelpunkt standen neben den fehlenden Niederschlägen zahlreiche Themen, die die Betriebe in der Region beschäftigen. Dabei wurde deutlich, dass viele Herausforderungen nicht isoliert, sondern über Grenzen hinweg, betrachtet werden sollten. Fragen des Flächenzugangs, der Bewirtschaftung, der Energieversorgung und der regionalen Entwicklung greifen ineinander.
Auch im anschließenden Gespräch bei einer Tasse Kaffee wurden weitere Anliegen der Landwirte offen angesprochen. Ein wichtiges Thema waren die sogenannten „Weißen Flächen“, bei denen kein Eigentümer bekannt beziehungsweise eindeutig zugeordnet ist. Die Landrätin sagte zu, sich mit diesem Thema näher zu beschäftigen und zu klären, warum die Aufnahme neuer Flächen ohne bekannten Eigentümer eingestellt und wie der entsprechende Prozess wieder aktiviert werden könnte.
Ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs war die Biosphärenreservatsverordnung, die den Handlungsspielraum der Landwirte bei Beweidung und Bewirtschaftung stark einschränkt. Die Landrätin versprach auch hier, sich in den entsprechenden Gremien einzusetzen und Erleichterungen bzw. finanziellen Ausgleich für die Landwirtschaft zu fordern.
Die Flurfahrt zeigte einmal mehr, wie wichtig der direkte Austausch zwischen Landwirtschaft und Politik ist. Viele Fragen und Probleme konnten direkt auf den Flächen betrachtet und diskutiert werden. Es wurde deutlich gemacht, dass die Landwirtschaft bereit ist, Verantwortung für Natur, Landschaft und die regionale Daseinsvorsorge zu übernehmen. Die Pflege wertvoller Grünlandflächen, der Schutz seltener Arten und die mögliche Unterstützung der Gemeinden im Krisenfall waren in dem Gespräch eindrucksvolle Beispiele dafür.
Landrätin Greiser bedankte sich für die offene Diskussion und betonte, dass der Austausch mit den Akteuren der Region äußerst wichtig für sie ist. Die Gespräche sollen auf jeden Fall fortgeführt und gemeinsam konkrete Lösungen für die landwirtschaftlichen Betriebe und den ländlichen Raum gefunden werden.