Die Ernte 2026 im Wartburgkreis fällt vielerorts schlechter aus als erhofft. Anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen haben die Erträge zahlreicher Kulturen deutlich gemindert. Gleichzeitig setzen steigende Produktionskosten und unsichere politische Rahmenbedingungen die landwirtschaftlichen Betriebe zunehmend unter Druck. Die diesjährige Ernte macht damit einmal mehr deutlich, wie eng Witterung, Wirtschaftlichkeit und politische Entscheidungen miteinander verknüpft sind. Diese Bilanz zogen der Kreisbauernverband Eisenach-Bad Salzungen e. V. und die Agrargenossenschaft Dankmarshausen e.G. auf ihrer Erntepressekonferenz am 31. Juli in Dankmarshausen.
Landrat Dr. Michael Brodführer, sowie weitere Gäste und Vertreter der Presse nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort über die aktuelle Erntesituation zu informieren. Gastgeber Uwe Teske, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Dankmarshausen e.G., stellte den Betrieb vor und gab einen Einblick in den bisherigen Ernteverlauf. Anhand der einzelnen Kulturen erläuterte er die Auswirkungen der diesjährigen Witterung auf Erträge und Qualitäten. Während sich die Wintergerste vielerorts noch vergleichsweise stabil entwickelte, mussten insbesondere beim Winterweizen und Winterraps deutliche Ertragseinbußen hingenommen werden.
Im Erntebericht zog Kreisbauernverbandsvorsitzender Florian Andersek Bilanz über das Landwirtschaftsjahr 2025/2026 im Wartburgkreis. Nach einer weitgehend planmäßigen Herbstaussaat und einem überwiegend milden Winter entwickelten sich die Bestände zunächst vielversprechend. Ausreichende Niederschläge im Frühjahr sorgten für gute Wachstumsbedingungen und ermöglichten im Grünland einen ertragreichen ersten Schnitt.
Mit Beginn des Sommers änderte sich das Bild jedoch grundlegend. Ab Mitte Juni führten anhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen dazu, dass zahlreiche Bestände vorzeitig in die Notreife gingen. Besonders Winterweizen und Winterraps litten unter den extremen Witterungsbedingungen. Die Wintergerste hatte ihre Kornfüllung vielerorts bereits abgeschlossen und erreichte deshalb überwiegend durchschnittliche Erträge. Regional erschwerten zudem Mutterkornbefall im Getreide sowie Schädlingsbefall im Raps die Ernte.
Neben den Ertragseinbußen bereitet den landwirtschaftlichen Betrieben vor allem die wirtschaftliche Entwicklung große Sorgen. Steigende Kosten für Diesel, Energie, Düngemittel, Pflanzenschutz, Saatgut und Maschinen treffen auf Erzeugerpreise, die vielfach keine kostendeckende Produktion mehr ermöglichen. Trotz eines leichten Preisanstiegs zu Beginn der Ernte bleibt die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe angespannt.
Gleichzeitig fehlen aus Sicht der Landwirtschaft verlässliche politische Rahmenbedingungen. Offene Fragen zur zukünftigen Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik, zur Kappung und Degression der Direktzahlungen, zur Zukunft der Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete, zur Umsetzung der EU-Naturwiederherstellungsverordnung sowie zur Neuregelung der sogenannten Roten Gebiete erschweren langfristige Investitionen und betriebliche Entscheidungen. Steigende Anforderungen im Umwelt-, Klima- und Tierschutz stellen die Betriebe ebenfalls vor wachsende Herausforderungen. Auch die im Entwurf des EEG 2027 vorgesehenen Regelungen bewertet der Kreisbauernverband kritisch. Sie könnten Investitionen in erneuerbare Energien erschweren. Hinzu kommen die Auswirkungen geopolitischer Krisen auf die Preise für Energie, Diesel und Düngemittel. Schwankende Weltmarktpreise verstärken die Unsicherheit zusätzlich.
„Unsere Betriebe brauchen endlich verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen“, betonte Florian Andersek. „Nur mit Planungssicherheit können sie investieren, ihre Betriebe zukunftsfähig aufstellen und die Versorgung mit regional erzeugten Lebensmitteln langfristig sichern.“
In seinem Grußwort würdigte Landrat Dr. Michael Brodführer die Landwirtschaft als unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor im Wartburgkreis. Die Betriebe seien nicht nur Garant für die Versorgung mit hochwertigen regionalen Lebensmitteln, sondern prägten zugleich die Kulturlandschaft, schafften Arbeitsplätze und stärkten den ländlichen Raum. Mit Blick auf die Vermarktung regionaler Produkte kündigte der Landrat an, dass sich der Wartburgkreis gemeinsam mit dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen im Jahr 2027 auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin präsentieren werde. Ziel sei es, die Vielfalt regionaler Erzeugnisse sowie die Leistungsfähigkeit der heimischen Land- und Ernährungswirtschaft einem breiten Publikum vorzustellen und zugleich für den ländlichen Raum Thüringens zu werben.
Beim anschließenden Rundgang durch die Getreideannahme erhielten die Teilnehmer Einblicke in die betrieblichen Abläufe – von der Anlieferung des Erntegutes über die Probenahme bis hin zur Qualitätsuntersuchung. Anschließend verfolgten die Gäste die laufende Getreideernte direkt auf dem Feld. Landrat Dr. Michael Brodführer nutzte die Gelegenheit, auf einem Mähdrescher mitzufahren und sich die Erntearbeiten unter den diesjährigen Bedingungen aus erster Hand erläutern zu lassen.