Auf Einladung des Kreisbauernverbandes Unstrut-Hainich trafen sich am 21. Juli Landrat Thomas Ahke, Vertreter des Landratsamtes, Vorstandsmitglieder des Kreisbauernverbandes sowie Vertreter der regionalen Presse bei der Tupag Agrar GmbH in Niederdorla. Ziel des Treffens war es, die aktuellen Herausforderungen der Landwirtschaft im Landkreis aufzuzeigen, konkrete Probleme aus der Praxis anzusprechen und gemeinsam Lösungsansätze für Themen im Zuständigkeitsbereich des Landkreises zu entwickeln.
Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Unstrut-Hainich, Marko Hesse, stellte die derzeitige Situation der Landwirtschaft dar. Steigende Kosten für Energie, Diesel, Dünger, Betriebsmittel und Maschinen treffen auf volatile Erzeugerpreise und erschweren wirtschaftliches Arbeiten. Gleichzeitig nehmen die Anforderungen im Umwelt-, Klima- und Tierschutz sowie die Dokumentations- und Bürokratiepflichten weiter zu. Zusätzlich belasten Wetterextreme wie Trockenheit, Starkregen oder Hagelschäden die Betriebe. Auch internationale Krisen sowie Unsicherheiten bei der künftigen Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), der Direktzahlungen, der EU-Naturwiederherstellungsverordnung und der sogenannten Roten Gebiete erschweren langfristige Planungen.
Landrat Thomas Ahke, der seit zwei Jahren an der Spitze des Unstrut-Hainich-Kreises steht, bringt durch seine beruflichen Anfänge in der Landwirtschaft besondere Nähe zur Branche mit. Diese Verbindung zur landwirtschaftlichen Praxis bildet eine gute Grundlage für einen offenen und praxisnahen Austausch mit den Betrieben.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen konkrete Fragestellungen aus dem Zuständigkeitsbereich des Landratsamtes. Dabei wurden unter anderem die Herausforderungen beim Betrieb von Getreidetrocknungsanlagen während der Erntezeit thematisiert. Die Anlagen müssen in dieser Phase flexibel und über längere Zeiträume betrieben werden können, um das Erntegut qualitätsgerecht zu trocknen und sicher einzulagern. Gleichzeitig führen Beschwerden über Lärm- oder Staubentwicklung zu zusätzlichen Anforderungen im Genehmigungs- und Immissionsschutzrecht. Die Betriebe wünschen sich hier praxisnahe und verhältnismäßige Lösungen, die sowohl die Interessen der Anwohner als auch die Anforderungen der Landwirtschaft berücksichtigen.
Ein weiteres Thema war die Verwendung von Fräsgut aus dem Straßenbau zur Instandsetzung landwirtschaftlicher Wirtschaftswege. In diesem Zusammenhang wurde auch der Neubau der B247 thematisiert. Die rund 25 Kilometer lange Strecke zwischen Mühlhausen und Bad Langensalza verläuft durch den Unstrut-Hainich-Kreis und soll abschnittsweise bis Ende 2026 für den Verkehr freigegeben werden. Gerade beim Rückbau provisorischer Verkehrsführungen, die als Zwischenlösungen errichtet wurden, sehen die Landwirte Möglichkeiten, geeignetes Material sinnvoll weiterzuverwenden.
Auch seitens des Landratsamtes werden entsprechende Einbaumöglichkeiten geprüft und grundsätzlich Chancen gesehen, sofern die rechtlichen Rahmenbedingungen dies zulassen. Derzeit wird die Verwendung von Fräsgut jedoch von Landkreis zu Landkreis und zwischen den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt.
Darüber hinaus wurde die künftige Nutzung der neuen B247 durch landwirtschaftliche Fahrzeuge angesprochen. Die Landwirte wiesen darauf hin, dass eine Befahrbarkeit der Strecke ursprünglich zugesichert worden war, diese nun jedoch wieder infrage steht. Ein mögliches Fahrverbot würde für die Betriebe erhebliche Umwege, zusätzlichen Zeitaufwand und Mehrkosten bedeuten. Daher sei eine verlässliche Regelung für die landwirtschaftliche Praxis dringend erforderlich.
Auch ein mögliches Vernässungsprojekt im Bereich Altengottern wurde thematisiert. Erste Ideen und Überlegungen zu einer möglichen Vernässung landwirtschaftlicher Flächen, eventuell im Zusammenhang mit Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, wurden vorgestellt und diskutiert.
Landrat Thomas Ahke sagte zu, die angesprochenen Anliegen innerhalb der Kreisverwaltung zu prüfen und sich dort, wo Zuständigkeiten des Landes oder Bundes betroffen sind, für die Belange der Landwirtschaft einzusetzen. Der direkte Austausch zwischen Landwirtschaft und Verwaltung sei ein wichtiger Baustein, um Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Das Treffen soll daher keine Einzelveranstaltung bleiben. Weitere Gespräche zwischen Kreisbauernverband, landwirtschaftlichen Betrieben und Kreisverwaltung sind geplant, um aktuelle Themen aus der Praxis frühzeitig aufzugreifen und gemeinsam verlässliche Lösungen für die Landwirtschaft in der Region zu entwickeln.