Die diesjährige Landrats-Flurfahrt des Kreisbauernverbandes Ilm-Kreis am 23. Juli führte gemeinsam mit Landrätin Petra Enders zu landwirtschaftlichen Betrieben in Martinroda, Griesheim und Nahwinden. Ziel der inzwischen seit mehreren Jahren traditionellen Veranstaltung war es erneut, aktuelle Herausforderungen der Landwirtschaft direkt vor Ort zu diskutieren und die tägliche Arbeit in den Betrieben vorzustellen.
Den Auftakt bildete die Agrargenossenschaft Martinroda. Bei der Besichtigung des renovierten Milchviehstalles standen zunächst die angespannte Situation auf dem Milchmarkt, Bioenergie sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Tierhaltung im Mittelpunkt des Austauschs. Im Anschluss führte die Flurfahrt zu den Ackerflächen des Betriebes bei Rippersrode/Angelroda, auf denen die Auswirkungen des schweren Hagelunwetters der vergangenen Tage eindrucksvoll sichtbar wurden.
Die Schäden sind gravierend: Nahezu die gesamte Hauptbewirtschaftungsfläche des Unternehmens, rund 500 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, wurde in Mitleidenschaft gezogen. Winterraps, Winterweizen, Winterroggen und Erbsen wurden teilweise vollständig zerstört. Auf zahlreichen Flächen belaufen sich die Ernteverluste auf bis zu 95 Prozent. Kreisbauernverbandsvorsitzender Ralf Gumpert brachte die Situation treffend auf den Punkt: „Innerhalb weniger Minuten hat das Unwetter monatelange Arbeit zerstört.“ Besonders betroffen sind die Rapsbestände, bei denen auf vielen Schlägen Totalschäden zu verzeichnen sind.
Die Gespräche machten deutlich, dass Extremwetterereignisse zunehmend zu einem erheblichen wirtschaftlichen Risiko für landwirtschaftliche Betriebe werden. Neben der Schadensregulierung durch Versicherungen wurde deshalb auch über die Notwendigkeit einer stärkeren politischen Unterstützung bei der Einführung einer steuerbefreiten Risikovorsorge für solche Schadensereignisse diskutiert. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der damit einhergehenden Zunahme von Extremwetterereignisse gewinnen tragfähige Versicherungslösungen und geeignete Förderinstrumente zunehmend an Bedeutung.
In Griesheim verlagerte sich der Schwerpunkt der Gespräche auf agrarpolitische Zukunftsfragen. Diskutiert wurden die Sicherung der Berufsausbildung und die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte ebenso wie die Rolle der Landwirtschaft bei der Energiewende. Dabei standen die Potenziale erneuerbarer Energien, insbesondere der Windkraft und der Biogasnutzung, ebenso auf der Tagesordnung wie der Erhalt und die Nutzung landwirtschaftlicher Wasserspeicher als wichtige Voraussetzung für eine klimaangepasste Bewirtschaftung. Auch überregionale politische Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf die Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe wurden intensiv erörtert.
Die letzte Station führte auf die „Deube“ Nahwinden. Dort informierten sich die Teilnehmer ebenfalls über den Stand der diesjährigen Ernte, regionale Themen wie den Feldwegeaus-/bau sowie Generationswechsel und Weiterentwicklung des Betriebes. Besonders großes Interesse fand der Umbau ehemaliger Schweineställe zu modernen Getreidelägern. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie landwirtschaftliche Unternehmen auf veränderte Marktbedingungen reagieren und vorhandene Bausubstanz sinnvoll weiterentwickeln, obwohl die Aufgabe eines weiteren Tierhaltungsstandortes für die Region einen weiteren deutlichen Verlust darstellt.
Die Flurfahrt zeigte einmal mehr, wie vielfältig die Aufgaben und Herausforderungen der Landwirtschaft heute sind. Neben wirtschaftlichem Druck durch schwankende Erzeugerpreise und erhebliche Kostensteigerungen beschäftigen die Betriebe zunehmend der Fachkräftemangel, die Folgen des Klimawandels sowie politische und gesellschaftliche Anforderungen. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, mit welchem Engagement, welcher Innovationskraft und welchem Verantwortungsbewusstsein die Landwirtinnen und Landwirte im Ilm-Kreis ihre Betriebe zukunftsfähig aufstellen.
Landrätin Petra Enders betonte die Bedeutung des regelmäßigen Austauschs mit der Landwirtschaft. Die zahlreichen Gespräche vor Ort hätten wertvolle Einblicke vermittelt und wichtige Impulse für die weitere politische Arbeit gegeben. Einigkeit bestand darüber, dass verlässliche Rahmenbedingungen notwendig sind, um die regionale Landwirtschaft langfristig zu stärken und die heimische Lebensmittelproduktion zu sichern.