Auf Einladung des Regionalbauernverbandes Südthüringen fand am 10. Juli eine Flurfahrt mit dem Landrat des Landkreises Hildburghausen, Sven Gregor statt. Gemeinsam mit Vertretern aus Verwaltung und Landwirtschaft wurden aktuelle Herausforderungen der landwirtschaftlichen Betriebe direkt vor Ort besprochen.
Bereits zu Beginn standen die drängenden Probleme der Landwirtschaft im Mittelpunkt. Die Betriebe berichteten über die anhaltend niedrigen Milch- und Getreidepreise, den hohen bürokratischen Aufwand sowie den zunehmenden Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen. Ursachen sind unter anderem Naturschutzauflagen, der Flächenverkauf an Investoren aus benachbarten Bundesländern sowie die Auswirkungen der Wasserrahmenrichtlinie.
Auch die stetig wachsende Biberpopulation im Süden und Westen des Landkreises bereitet vielen Betrieben erhebliche Sorgen.
An einer Grünlandfläche an der Rodach konnten sich die Teilnehmer ein Bild von den Auswirkungen machen. Die mehrfach angestaute Rodach hat zu einer dauerhaften Vernässung ehemals hochwertiger Futterflächen geführt. Peter Schmidt, Geschäftsführer der Bäuerlichen Produktions- & Absatz AG, erläuterte, dass die Fläche heute praktisch nicht mehr bewirtschaftet werden könne und hochwertige Futtererträge dauerhaft verloren gingen. Er appellierte an die Untere Naturschutzbehörde, gemeinsam mit den Betrieben praktikable Lösungen zu finden.
Ein weiteres Thema war die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie durch den Gewässerunterhaltungsverband. Kritisiert wurde insbesondere der Druck auf die Betriebe, Verträge zu unterzeichnen, ohne die konkreten Auswirkungen oder mögliche Entschädigungen ausreichend zu kennen. Da in diesem Bereich gleichzeitig ein Flurneuordnungsverfahren geplant ist, sagte Frau Eberhardt vom Thüringer Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (TLBG) zu, die geschilderten Probleme erneut zu prüfen und Gespräche mit dem Gewässerunterhaltungsverband zu führen.
Herr Krapp vom Agrarförderzentrum Südwestthüringen berichtete über den aktuellen Stand des Fragenkatalogs in der FAN-App und des Satellitenmonitorings sowie über laufende Kontrollen. Zudem wurden Fragen zu den Bewirtschaftungsnachweisen auf Ökoflächen beantwortet.
Der Landrat nahm die Anliegen der Landwirte mit großem Interesse auf und sicherte seine Unterstützung bei der Suche nach Lösungen zu. Er ermutigte die Betriebe und den Regionalbauernverband, ihn auch künftig frühzeitig über aktuelle Entwicklungen zu informieren.
Die Flurfahrt bot allen Beteiligten die Gelegenheit zu einem offenen und konstruktiven Austausch. In zahlreichen Gesprächen wurden die unterschiedlichen Sichtweisen diskutiert und mögliche Lösungsansätze erörtert. Einigkeit bestand darüber, den begonnenen Dialog fortzusetzen. Hierzu sollen weitere Termine stattfinden. Ziel ist es, gemeinsam praktikable Lösungen zu entwickeln, die sowohl den Anforderungen des Natur- und Gewässerschutzes als auch einer zukunftsfähigen landwirtschaftlichen Bewirtschaftung gerecht werden.