Ausstellung in Kloster Veßra rückt Frauen in der Landwirtschaft in den Fokus

Ausstellung in Kloster Veßra rückt Frauen in der Landwirtschaft in den Fokus

Mit der Sonderausstellung „UNGESEHEN. Frauen in der Landwirtschaft“ setzt das Hennebergische Museum Kloster Veßra ein Zeichen für die Sichtbarkeit und Anerkennung von Frauen im Agrarsektor. Die Ausstellung wurde am 28. Mai 2026 feierlich eröffnet und widmet sich den vielfältigen Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft – gestern wie heute.

Zu den Gästen der Veranstaltung gehörten auch Vertreterinnen und Vertreter des Thüringer Bauernverbandes. Diese waren Vizepräsidenten Toralf Müller, Vorstandsmitglied (Land- und Forstwirtschaftlicher Arbeitgeberverband Thüringen) Ines Heßelbach, die Präsidiumsmitglieder Astrid Hatzel und Isabel Schmidt sowie die Hauptgeschäftsführerin Beate Köber-Fleck.

Die Eröffnungsveranstaltung wurde unter anderem von Annique Görlach begleitet, Museumspädagogin am Hennebergischen Museum Kloster Veßra und Kuratorin der Ausstellung. In ihrer Einführung stellte sie die Entstehungsgeschichte und die Zielsetzung des Projekts vor. Die Ausstellung möchte Frauen in der Landwirtschaft sichtbar machen, deren Arbeit oftmals als selbstverständlich wahrgenommen wird, obwohl sie einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung und zum Erhalt landwirtschaftlicher Betriebe leisten. Dabei gehe es bewusst nicht nur um außergewöhnliche Lebenswege oder herausragende Persönlichkeiten. „Wir möchten nicht nur Pionierinnen in der Ausstellung zeigen, sondern auch Biografien zeigen, die es niemals auf die Bühne schaffen würden, die ungesehen bleiben würden“, erklärte Görlach. Anhand von Fotografien, persönlichen Lebensgeschichten und historischen Bezügen wird die Vielfalt weiblicher Lebens- und Arbeitswelten in der Landwirtschaft eindrucksvoll dargestellt.

Einen besonderen Akzent setzte Astrid Hatzel mit ihrer Ansprache. Ausgehend von ihrer eigenen Biografie, berichtete das Präsidiumsmitglied des Thüringer Bauernverbandes über ihren Weg als Frau in einer Führungsposition in der Landwirtschaft. Bereits im Juni 1989 übernahm sie im Alter von 28 Jahren den Vorsitz einer LPG – wenige Monate vor der politischen Wende. Nach der Umwandlung des Betriebes in eine eingetragene Genossenschaft wurde sie 1991 von den mehr als 200 Mitgliedern mit großer Mehrheit zur Vorstandsvorsitzenden gewählt.

Mit einem Augenzwinkern erinnerte sie an die anfängliche Skepsis mancher Wegbegleiter. „Und dieses Mädchen soll es jetzt machen“, habe sie damals zu hören bekommen. Ihre Antwort darauf fiel eindeutig aus: „Ja, ich habe es gemacht – mittlerweile seit 37 Jahren.“

Hatzel betonte, dass ihre Rolle als einzige Frau in vielen Gremien und Gesprächsrunden nicht immer ein Nachteil gewesen sei. „Ich konnte reden und habe das auch genutzt“, sagte sie. Gleichzeitig machte sie deutlich, welche Stärken Frauen in die landwirtschaftliche Unternehmensführung einbringen. Dabei verwies sie auf zahlreiche erfolgreiche Frauen in Führungspositionen der südthüringischen Landwirtschaft.

Als Beispiele nannte sie unter anderem Elke Melichar (Agrargesellschaft Marisfeld GmbH), Ines Heßelbach (Agrargenossenschaft Queienfeld eG), Kathleen Franke (Familienbetrieb Franke Schafhausen), Isabel Schmidt (Agrargesellschaft Hermannsfeld mbH), Franziska Rosenbauer (Agrarproduktion Sonneberg) sowie Andrea Hammer (Landwirtschafts-Produktions-GmbH Schleusingen). Südthüringen verfüge über eine bemerkenswert hohe Dichte an weiblichen Betriebsleiterinnen und Führungskräften. „Und das sind bestimmt noch nicht alle“, bemerkte Hatzel.

Besonders hervor hob sie jedoch, dass die Leistungen von Frauen nicht allein an Führungspositionen gemessen werden dürften. Viele Frauen wirkten oft im Hintergrund, organisierten Familien, unterstützten die Betriebsführung, übernähmen Verantwortung in Büro, Vermarktung und Ehrenamt und hielten den landwirtschaftlichen Alltag zusammen. Diese Frauen in der „zweiten Reihe“ seien seit Generationen ein unverzichtbares Rückgrat der Landwirtschaft und verdienten ebenso Anerkennung und Wertschätzung für ihren Beitrag zum Erfolg der Betriebe.

Rückblickend habe sie selbst nie das Gefühl gehabt, in ihrer beruflichen Laufbahn grundsätzlich nicht gleichberechtigt behandelt worden zu sein. Dieses Kompliment richtete sie ausdrücklich an ihre langjährigen männlichen Mitstreiter im Bauernverband und in den landwirtschaftlichen Betrieben. Zugleich ermutigte sie Frauen, Verantwortung zu übernehmen, ihre Meinung zu vertreten und ihre Rechte und Pflichten selbstbewusst wahrzunehmen: „Geht raus, äußert euch und gestaltet mit.“

Die Ausstellung lädt dazu ein, die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft neu wahrzunehmen und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Betriebe und der ländlichen Räume stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Damit greift sie ein Thema auf, das auch für die Arbeit des Thüringer Bauernverbandes von hoher Relevanz ist.

Die Sonderausstellung „UNGESEHEN. Frauen in der Landwirtschaft“ ist im Hennebergischen Museum Kloster Veßra zu sehen und bietet Besucherinnen und Besuchern zahlreiche Einblicke in die Geschichte und Gegenwart von Frauen in der Landwirtschaft.

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