Am Montag, den 27. April, betonte Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John in ihrem Eingangsstatement zur Weiterentwicklung der Agrarumweltmaßnahmen ab 2028 gegenüber Verbänden der Landwirtschaft und des Umweltschutzes die bislang erfolgreiche Umsetzung des KULAP in Thüringen. Gleichzeitig hob sie die zentrale Bedeutung des kontinuierlichen Austauschs mit den Verbänden hervor, um auch künftig wirksame Beiträge zum Umwelt- und Klimaschutz zu sichern – Leistungen, die ohne das KULAP in dieser Form nicht möglich wären. Vor dem Hintergrund der anstehenden Neuausrichtung geht es nun darum, frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen. Das Programm muss künftig zielgerichteter, praxisnäher und wirtschaftlich tragfähiger für landwirtschaftliche Betriebe ausgestaltet werden. Voraussetzung dafür ist ein strukturierter und belastbarer Dialogprozess, in dem Herausforderungen und Hemmnisse klar benannt und gemeinsam Lösungen erarbeitet werden.
Seitens des Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum (TMWLLR) wurden zu Beginn des Austausches die Umfrageergebnisse der Verwaltung zum KULAP unter den Antragstellern vorgestellt. Im Rahmen der vorgestellten Auswertung der KULAP-Umfrage wurde deutlich, dass die Neukonzeption des Programms vor dem Hintergrund der neuen GAP ab 2028 erfolgt. Ziel der durchgeführten Online-Befragung (Versand an rund 4.360 Antragsteller, Rücklauf ca. 1.300 Teilnehmende bzw. rund 30 %) des TMWLLR war es, praktische Erfahrungen aus der Landwirtschaft systematisch einzubinden und die Fördermaßnahmen effizienter sowie zielgerichteter weiterzuentwickeln. Die Umfrageergebnisse zeigen laut TMWLLR, dass die Teilnahme am KULAP überwiegend ökonomisch motiviert ist, während ideelle Aspekte eine untergeordnete Rolle spielen. Ein grundlegendes Akzeptanzproblem besteht nicht, vielmehr werden Defizite in der Kommunikation deutlich. Ackerbau- und Ökobetriebe weisen eine höhere Teilnahmebereitschaft auf, während viehhaltende Betriebe aufgrund struktureller Rahmenbedingungen zurückhaltender sind. Bei einzelnen Maßnahmen zeigt sich, dass bestehende Ansätze im Ökolandbau auf hohe Zustimmung treffen, während konventionelle Betriebe stärker von attraktiven Förderkonditionen abhängig sind. Kooperative Maßnahmen werden unterschiedlich bewertet und insbesondere von viehhaltenden Betrieben eher kritisch gesehen, auch bedingt durch Informationsdefizite. Aus der Praxis wird vor allem eine Vereinfachung der Nachweisführung, mehr Flexibilität in der Umsetzung sowie der Abbau bürokratischer Hürden gefordert. Sanktionsrisiken und Rückforderungen stellen zentrale Teilnahmehemmnisse dar, auch wenn die grundsätzliche Bereitschaft zur Teilnahme weiterhin gegeben ist.
Die dargestellten Ergebnisse und Einschätzungen decken sich in wesentlichen Punkten mit der im Nachgang an das TMWLLR übergebenen KULAP-Positionierung des Thüringer Bauernverbandes. Darin wird insbesondere die Notwendigkeit einer deutlichen Vereinfachung, Flexibilisierung und besseren finanziellen Ausstattung der Maßnahmen hervorgehoben sowie die stärkere Berücksichtigung praktischer Bewirtschaftungsrealitäten eingefordert.