Die Entwicklung einer einheitlichen Interessenvertretung der Thüringer Landwirtschaft zählt zu den prägenden Leistungen der Nachwendezeit. Einen entscheidenden Meilenstein markierte dabei der erste Bauerntag des Thüringer Bauernverbandes e.V. am 13. April 1991 im Ringberghaus in Suhl.
Bereits am 23. Juni 1990 war in Friemar der Thüringer Bauernverband gegründet worden. Zum Präsidenten wurde Dr. Klaus Kliem (Erfurt) gewählt, unterstützt von den Vizepräsidenten Helmut Hercher (Gera) und Werner Hinkelmann (Suhl). Parallel dazu entstanden jedoch auch andere Interessenvertretungen der Landwirte – sowohl im genossenschaftlichen Bereich als auch unter Privatlandwirten.
Die Bemühungen um eine Bündelung der Kräfte wurden maßgeblich durch den damaligen Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Freiherr von Heeremann, sowie den damaligen stellvertretenden Generalsekretär Born unterstützt. Trotz unterschiedlicher Strukturen in der ostdeutschen Landwirtschaft gelang es schrittweise, gemeinsame Grundlagen für ein geschlossenes Auftreten zu schaffen.
Der Bauerntag am 13. April 1991 stellte schließlich die entscheidenden Weichen für die Zukunft – mit Wirkung bis in die Gegenwart. Im Zentrum stand die Verabschiedung einer grundlegend erneuerten Satzung, die die einheitliche Interessenvertretung aller Thüringer Landwirte fest verankerte. Ergänzend wurde eine neue Beitragsordnung beschlossen.
Auch personell wurden klare Strukturen geschaffen: Zum Präsidenten wurde erneut Dr. Klaus Kliem gewählt. Als Vizepräsidenten fungierten Dr. Heinrich Karg (Landwirtschaftlicher Unternehmerverband, später Arbeitgeberverband) sowie Konrad Pohle (Verband Deutscher Landwirte). Weitere Vertreter verschiedener landwirtschaftlicher Organisationen ergänzten das Präsidium.
Erstmals wurden satzungsgemäß auch weitere wichtige Gruppen eingebunden: Die Landfrauen, vertreten durch Bärbel Markert, sowie die benachteiligten Gebiete mit Dr. Aribert Bach erhielten feste Sitze im Präsidium.
Mit der Einrichtung einer gemeinsamen Geschäftsstelle unter Leitung von Dr. Bernd Unger wurde zudem die organisatorische Grundlage für die künftige Arbeit geschaffen. Unterstützung erhielt dieser Prozess auch durch das Thüringer Landwirtschaftsministerium unter Minister Dr. Volker Sklenar.
Mit diesen Entscheidungen war der Weg frei für eine geschlossene und schlagkräftige Interessenvertretung der Thüringer Landwirtschaft. In den folgenden Jahren wurde diese Struktur konsequent auf die Kreisverbände übertragen und hat sich bis heute bewährt.
Die damals unter schwierigen Bedingungen erreichte Einheit bleibt ein hohes Gut – sie zu bewahren und weiterzuentwickeln, ist auch für kommende Generationen von zentraler Bedeutung.