Agrarpolitisches Forum auf der agra am 11. April: Entlastung für die mitteldeutsche Landwirtschaft – gibt es konkrete Ansätze?

Agrarpolitisches Forum auf der agra am 11. April: Entlastung für die mitteldeutsche Landwirtschaft – gibt es konkrete Ansätze?

Im agrarpolitischen Forum wurde unter dem Leitthema „Entlastung für die mitteldeutsche Landwirtschaft“ über zentrale Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze diskutiert. Auf dem Podium vertreten waren Georg-Ludwig von Breitenbuch, Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft in Sachsen, Gerd Zender, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten in Sachsen-Anhalt, Marcus Malsch, Staatssekretär für Landwirtschaft und Ländlichen Raum in Thüringen, Dr. Klaus Wagner, Präsident des Thüringer Bauernverbandes sowie Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstandes der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

Ein zentraler Einstiegspunkt war die Frage der Selbstversorgung und der Rolle Deutschlands in der europäischen Agrarpolitik. Gefordert wurde eine stärkere Positionierung der Bundesregierung in Brüssel sowie der Erhalt regionaler Einflussmöglichkeiten innerhalb der GAP. Gleichzeitig wurde der Nachwuchsmangel als strukturelles Problem benannt. Neben klassischen Ausbildungswegen wurde die Wiedereinführung der Kombination von Berufsausbildung und Abitur als sinnvoller Ansatz diskutiert.

Kritisch diskutiert wurden regulatorische Vorgaben, insbesondere die Umsetzung der FFH-Richtlinie im Zusammenhang mit dem Wolf. Hier wurde eine zu langsame und praxisferne Umsetzung bemängelt. Auch die EU-Wiederherstellungsverordnung wurde aufgrund der erwarteten hohen Kosten deutlich kritisiert.

Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für landwirtschaftliche Betriebe standen im Fokus. Die Vertreterin der Landwirtschaftlichen Rentenbank, Steinbock, betonte die Bedeutung stabiler und langfristig verlässlicher Rahmenbedingungen, insbesondere für Investitionen wie den Stallumbau. Aktuell sei eine Zurückhaltung bei großen Investitionen zu beobachten, was vor allem auf Unsicherheiten in der politischen und regulatorischen Entwicklung zurückzuführen sei. Themen wie Tierhaltung, alternative Antriebe, Energieversorgung und Hofnachfolge wurden als zentrale Zukunftsfelder genannt.

Die Diskussion um Kappung und Degression der EU-Fördermittel wurde kritisch bewertet, da sie erhebliche Auswirkungen auf die Betriebsstrukturen in Ostdeutschland haben könnte. Gleichzeitig wurde vorgeschlagen, Ökosystemleistungen stärker maßnahmenbasiert zu vergüten und entsprechende Programme auszubauen. Solche Programme könnten auch in Zusammenarbeit mit Förderbanken entwickelt werden.

Ein wiederkehrendes Thema war die Frage, wie Landwirtschaft künftig breiter aufgestellt werden kann. Neben der klassischen Nahrungsmittelproduktion wurde die Rolle der Landwirtschaft für die Energiesicherheit hervorgehoben. Gleichzeitig wurde betont, dass Investitionen besser abgesichert werden müssen, um langfristige Planungssicherheit zu gewährleisten.

Abschließend wurde der Blick auf die Zukunftsfähigkeit der Branche gerichtet. Neben der Fachkräftesicherung wurde insbesondere die Bedeutung von Bildungsangeboten wie „Lernort Bauernhof“ betont, um frühzeitig Interesse an landwirtschaftlichen Berufen zu wecken. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass es neben politischen Instrumenten auch ein klares Bekenntnis und Verbindlichkeit aller Akteure brauche. 

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