Mit rund 200 Teilnehmenden aus Landwirtschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft bot der Thüringer Milchtag 2026 eine zentrale Plattform zum Austausch über die aktuelle Lage der Milchwirtschaft. Im Fokus standen wirtschaftlicher Druck, politische Rahmenbedingungen und langfristige Entwicklungsperspektiven.
Zu Beginn verwies Moderator Silvio Reimann (Milch-Land GmbH, Veilsdorf) auf den deutlichen Strukturwandel: In Thüringen gibt es nur noch etwa 220 Milchviehbetriebe. Gleichzeitig belasten sinkende Vermarktungschancen, steigende Kosten sowie geopolitisch bedingte Preissteigerungen bei Betriebsmitteln die Betriebe erheblich.
Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung marktwirtschaftlicher Lösungen und sprach sich gegen staatliche Eingriffe in die Preisbildung sowie neue Mengenregulierungen aus. Stattdessen stellte sie gezielte Entlastungen, insbesondere bei den Energiekosten, in den Mittelpunkt. Dr. Klaus Wagner, Präsident des Thüringer Bauernverbandes, forderte verlässliche politische Rahmenbedingungen, Bürokratieabbau und praxistaugliche Regelungen. Weitere Verschärfungen, etwa im Düngerecht oder durch EU-Vorgaben, könnten die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich beeinträchtigen.
Isabel Schmidt, Vorsitzende der Landesvereinigung Thüringer Milch (LVTM), machte auf die angespannte wirtschaftliche Lage aufmerksam: Sinkende Milchpreise bei gleichzeitig steigenden Produktionskosten erschweren vielerorts eine Kostendeckung. Kritik äußerte sie insbesondere am Lebensmitteleinzelhandel, da höhere Anforderungen entlang der Wertschöpfungskette häufig nicht ausreichend vergütet werden. Zudem verwies sie auf zunehmende Bürokratie sowie strukturelle Herausforderungen wie sinkende Tierbestände und fehlenden Nachwuchs. Mit Blick auf die Zukunft kündigte sie die Umstellung der LVTM in eine privatrechtliche Struktur an.
Monika Wohlfarth (ZMB) zeigte in ihrer Marktanalyse eine aktuell angebotsgetriebene Entwicklung auf: Sowohl in Deutschland als auch europa- und weltweit ist die Milchproduktion gestiegen, während die Nachfrage verhalten bleibt. Erste Börsensignale deuten zwar auf eine leichte Erholung hin, eine spürbare Entlastung bei den Auszahlungspreisen ist kurzfristig jedoch nicht zu erwarten.
Hannes Hornschu (Landjugendverband Thüringen) unterstrich die Bedeutung der Jungzüchterarbeit für die Sicherung des Berufsnachwuchses. Felix Riecken (Rieckens Eichhof) stellte Ansätze der regenerativen Landwirtschaft vor, die auf stabile Kreisläufe und geringere Abhängigkeit von Betriebsmitteln abzielen. Judith Pieper (Fraunhofer IGD) zeigte Potenziale des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz zur Verbesserung von Tierwohl und betrieblicher Effizienz auf.
Philipp Goetz (IFCN) gab einen langfristigen Ausblick auf die Entwicklung der Milchmärkte. Er ordnete den aktuellen Preisrückgang als temporär ein und prognostizierte, dass die globale Nachfrage ab etwa 2027 das Angebot übersteigen könnte. Daraus könnten langfristig steigende Preise resultieren, wobei steigende Produktionskosten diesen Effekt relativieren.
Der Thüringer Milchtag 2026 verdeutlichte, dass sich die Branche in einem Spannungsfeld aus Markt, Politik und strukturellem Wandel befindet. Entscheidend wird sein, wie Betriebe auf diese Herausforderungen reagieren – durch Effizienzsteigerungen, neue Technologien und die Gewinnung von Nachwuchs.
Einen ausführlichen Beitrag zum Thüringer Milchtag lesen Sie im nächsten TBV Journal.