Flexibilisierung: Herausforderungen und Chancen

Flexibilisierung: Herausforderungen und Chancen

Flexibilisierung, Netzrestriktionen, neue Erlösmodelle und steigende Anforderungen an Steuerung und Wirtschaftlichkeit prägen zunehmend den Alltag von Biogasanlagen. Vor diesem Hintergrund fand am 31. März die Biogasfachtagung der Organisatoren Thüringer Bauernverband, Fachverband Biogas und Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum statt. Über Hundert Teilnehmer zeigten einmal mehr wie wichtig die Themen für die Biogasanlagenbetreiber sind. Ziel der Veranstaltung war es, rechtliche Grundlagen, technische Lösungsansätze und wirtschaftliche Perspektiven praxisnah zusammenzuführen.

Zum Auftakt gab der Fachverband Biogas einen politischen Überblick in die aktuellen Rahmenbedingungen des EEG. Der politische Wille zur Unterstützung von Biogas sei wohl deutlich erkennbar. Gleichzeitig steht die Branche vor großen Herausforderungen: Flexibilität ist zwingend erforderlich, jedoch berücksichtigt das aktuelle Biomassepaket die praktischen Zeitabläufe unzureichend. Viele Unternehmen befinden sich dadurch in einer existenzbedrohenden Lage – entweder weil ihre Anlagen zwar flexibilisiert sind, das Biomassepaket aber nicht greift oder kein Netzanschluss vorhanden ist, oder weil die geforderten Maßnahmen innerhalb der kurzen Fristen, insbesondere von kleinen und mittleren Anlagen, nicht umgesetzt werden können. Daher sind dringend alternative Lösungen und Verbesserungen notwendig, vor allem für kleinere und mittlere Betriebe. Während das bestehende Biomassepaket für einen Teil der Branche einen Schub darstellt, muss eine weiterentwickelte Version („Biomassepaket 2.0“) deutlich breiter wirken und mehr Akteure erreichen. Parallel dazu sollten auch andere Ansätze vorangetrieben werden, insbesondere die Produktion und Nutzung von Biomethan, etwa durch Clusterlösungen sowie die Erzeugung von Bio-LNG. Zudem braucht es eine Anschlussregelung zur Gasnetzzugangsverordnung und eine stärkere Belebung der Märkte, insbesondere im Bereich NawaRo-Gas, etwa durch Anpassungen im GEG und EEG.

Die wirtschaftliche Betrachtung einer Flexibilisierung im Rahmen des Biomassepakets eröffnet vor allem Anlagen ab etwa 500 kW elektrische Leistung gute Perspektiven für einen Weiterbetrieb. So die Einschätzung des Instituts für Biogas, Kreislaufwirtschaft und Energie aus Weimar. Eine moderate Überbauung von bis zum Dreifachen der installierten Leistung erweist sich dabei als deutlich weniger wirtschaftlich sinnvoll als eine stärkere Überbauung. Für kleinere Anlagen hingegen bietet das Biomassepaket kaum tragfähige Optionen für den Weiterbetrieb; häufig bleibt lediglich eine negative Flexibilisierung, die mit deutlich sinkenden Betriebskosten einhergeht. Zudem ist die Erlössicherheit im Vergleich zur ersten Förderperiode spürbar gesunken, sodass die Wirtschaftlichkeit des Anlagenbetriebs heute stärker von den Strombörsenpreisen abhängt.

Darauf aufbauend beleuchteten zwei Betreiber (Agrar GmbH „Im Ohnetal“ aus Niederorschel und Granott Gas GmbH aus Grabsleben) das praktische Vorgehen beim Netzanschluss bei Überbauung: von typischen Abläufen über Kostenfragen bis hin zu realistischen Alternativen, wenn ein Anschluss nicht oder nur eingeschränkt möglich ist. Das Fazit: ausreichend Zeit für Planungsprozesse einplanen, frühzeitige Kommunikation mit Netzbetreibern und Ämtern sowie Konsequenzen der Entscheidung für den gesamte landwirtschaftlichen Betrieb mitdenken.

Die Fachbeiträge im zweiten Teil der Tagung widmeten sich dem Einsatz von Batteriespeichern als Ergänzung zur Biogasanlage sowie aktuellen Fördermöglichkeiten, etwa im Bereich erneuerbarer Kraftstoffe für landwirtschaftliche Fahrzeuge und beim Aufbau von Wärmenetzen. 

Alle Vorträge der Tagung finden Sie auf www.tbv-erfurt.de unter "Unsere Themen" > Erneuerbare Energien" > "Biogasfachtagungen".

 

 

Thüringer Bauernverband e.V.
Alfred-Hess-Straße 8
99094 Erfurt

Tel.: +49 (0)361 262 530
Fax: +49 (0)361 262 532 25
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Kontakt
1000 Zeichen noch.