Im Rahmen des Seminars „Studis treffen Bauern“ der Universität Erfurt besuchten 22 Studentinnen aus den Fachrichtungen Politikwissenschaften, Sozialwissenschaften, Lehramt und Pädagogik insgesamt zehn landwirtschaftliche Betriebe, neun in Thüringen und einen in Sachsen-Anhalt. Das Seminar, in Kooperation mit dem Thüringer Bauernverband (TBV), verfolgte das Ziel, Studierenden einen realistischen Einblick in die Situation landwirtschaftlicher Betriebe zu ermöglichen und zugleich deren Handlungsspielräume im Umgang mit aktuellen Transformationsprozessen aufzuzeigen. Im Mittelpunkt stand der direkte Austausch zwischen Studierenden und Landwirten, um gegenseitiges Verständnis zu fördern und unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen. Darüber hinaus sollte sichtbar werden, mit welchen Ansätzen und Maßnahmen die Landwirtschaft den vielfältigen Herausforderungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Klimawandel, bereits heute begegnet und wo strukturelle Grenzen bestehen. Besichtigt wurden unter anderem die Agrargesellschaft Pfiffelbach mbH, Landwirtschaftsbetrieb & Ziegenhof Peter, die Agrar T & P GmbH Mockzig, die Agrargenossenschaft Teichel eG sowie die Landgut Weimar Bio GmbH.
Die besuchten Betriebe boten in Größe und Ausrichtung eine breite Vielfalt. Die bewirtschafteten Flächen reichten von etwa 330 Hektar bis zu rund 5.000 Hektar. Das Spektrum umfasst Betriebe mit reinem Ackerbau bis hin zu sehr vielfältig aufgestellten Mischbetrieben. Sowohl ökologisch als auch konventionell wirtschaftende Betriebe waren vertreten. Besonders eindrücklich für viele Studierende war der direkte Kontakt mit Nutztieren, der für einige eine neue Perspektive auf Tierhaltung eröffnete.
Die befragten Landwirte zeigten sich durchweg bewusst gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Veränderungen werden als spürbar beschrieben, insbesondere durch häufigere Trockenperioden, zunehmenden Schädlingsdruck und Hitzestress bei Tieren. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Anpassungsmaßnahmen bereits stattfinden, etwa durch veränderte Fruchtfolgen, angepasste Sortenwahl und technische Maßnahmen zur Bewässerung. Die Möglichkeiten zur Wasserspeicherung auf Betriebsebene wurden jedoch als begrenzt eingeschätzt.
Auf den Betrieben werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die ökologische Widerstandskraft zu erhöhen. Dazu zählen Erosionsschutzmaßnahmen, die Wahl widerstandsfähiger Arten und Sorten sowie technische Anpassungen, etwa im Bereich Bewässerung. Zusätzlich setzen viele Betriebe auf eine breitere wirtschaftliche Aufstellung, um Verluste besser ausgleichen zu können. Neben klassischer Landwirtschaft gehören dazu beispielsweise Schweinemast, Photovoltaikanlagen oder Biogasanlagen.
Kreislaufwirtschaft ist in unterschiedlichsten Formen bereits vorhanden. Ein Beispiel, welches von den Studentinnen herausgestellt wurde, ist die Nutzung eigener Stromkreisläufe mit gleichzeitiger Vermarktung überschüssiger Energie. Solche Ansätze werden als Beitrag zur Ressourcenschonung und zur wirtschaftlichen Stabilisierung gesehen.
Die wirtschaftliche Resilienz der Betriebe wurde von den Landwirten deutlich kritischer eingeschätzt. Kaum einer sieht reale Verhandlungsspielräume bei Erzeugerpreisen. Viele Betriebe sind auf Förderprogramme angewiesen und berichten von steigenden Risiken durch Klimaschäden wie Hagel oder Dürre. Um diese Unsicherheiten abzufedern, greifen einige Betriebe auf Quersubventionierungen zurück, etwa durch Hofläden, Milchtankstellen, Kooperationen oder Hoffeste.
Neben ökologischen und ökonomischen Aspekten wurde auch die persönliche Resilienz thematisiert. Mehrere Landwirte berichteten von fehlender gesellschaftlicher Wertschätzung und wachsenden Anforderungen durch Politik und Öffentlichkeit. Gleichzeitig äußerten sie den Wunsch nach mehr Vertrauen in ihre Arbeit. Trotz der Belastungen wurde deutlich, dass viele eine starke Leidenschaft für ihren Beruf empfinden und stolz auf ihre Tätigkeit sind.
Die mentale Belastung wurde im Zusammenhang mit Tiergesundheit, Ernteausfällen und gesellschaftlichem Druck als wachsendes Problem beschrieben. Klimatische Extreme verstärken diese Belastungen zusätzlich.
Ein zentrales Ergebnis der Betriebsbesuche war die Bedeutung von Wissensaustausch. Sowohl Landwirte als auch Studierende betonten, dass gegenseitiges Verständnis und Kommunikation notwendig sind, um tragfähige Lösungen zu entwickeln. Bildung, insbesondere in Schulen, wurde als entscheidender Faktor genannt, um langfristig Wertschätzung und informierte Konsumentscheidungen zu fördern. Auch das Einkaufsverhalten der Verbraucher wurde als relevanter Hebel angesprochen. Ob sich dieses im Sinne größerer Unterstützung klimaresilienter Landwirtschaft verändert, bleibt offen, wurde jedoch als wichtige gesellschaftliche Frage markiert.
Die Studentinnen zeigten in ihrer Auswertung, dass klimaresiliente Landwirtschaft in Ansätzen bereits existiert, ihre Umsetzung jedoch durch ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Grenzen eingeschränkt wird. Anpassungen an den Klimawandel erfolgen, sind aber häufig reaktiv und abhängig von finanziellen Möglichkeiten. Neben technischen und agronomischen Maßnahmen spielen Wertschätzung, Bildung und Vertrauen eine zentrale Rolle. Klimaresilienz ist damit nicht nur eine Frage der Bewirtschaftung, sondern auch der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Abschließend gilt der Dank der Universität Erfurt für die Möglichkeit, ein solches Seminar durchzuführen und den Austausch zwischen Wissenschaft und landwirtschaftlicher Praxis zu ermöglichen. Ebenso dankt der TBV den Studierenden für ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Thema und die gewonnenen Ergebnisse, auf denen weiter aufgebaut werden soll. Ein besonderer Dank gilt den landwirtschaftlichen Betrieben, die bereit waren, ihre Betriebe zu öffnen, Einblicke in ihre Arbeit zu geben und sich offen den Fragen der Studierenden zu stellen. Als TBV begrüßen wir dieses Format des direkten Austausches ausdrücklich und sehen darin einen wichtigen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis. Gemeinsam mit der Universität möchte der TBV diesen Dialog weiterverfolgen und ausbauen.