Unter der Leitlinie "Landwirtschaft – Lobbyarbeit – Klimaforschung im Dialog" fand am 2. Februar die diesjährige gemeinsame Vorstandssitzung der Kreisverbände Eisenberg, Jena/Stadtroda, Saale-Orla sowie Saalfeld-Rudolstadt in einem neuen, erweiterten Format statt. Vorstände und interessierte Mitglieder der Regionalgeschäftsstelle (RGS) Ost begaben sich auf eine ganztägige landwirtschaftliche Exkursion in die Bundeshauptstadt Berlin.
Erstes Ziel der Reise war der Deutsche Bauernverband (DBV). Im Haus der Land- und Ernährungswirtschaft begrüßte Gerald Dohme, stellvertretender Generalsekretär des DBV, die Reisegruppe. In seinem Überblicksbeitrag vermittelte er praxisnahe Einblicke in die Arbeitsweise und die strategische Umsetzung der Interessenvertretung des landwirtschaftlichen Berufsstandes auf Bundes- und EU-Ebene. Deutlich wurde dabei die Bedeutung kontinuierlicher Präsenz, fachlicher Argumentation und politischer Vernetzung.
Im anschließenden Austausch erläuterte Steffen Pingen, Fachbereichsleiter Umwelt und Nachhaltigkeit im DBV, die bestehenden und potenziellen Einflussmöglichkeiten der Landwirtschaft bei der Planung und Umsetzung von Naturschutzvorhaben des Bundes und der Länder. Dabei stellte er den Bezug zu aktuellen Vorhaben in Thüringen her, insbesondere zum geplanten Biotopverbund sowie zu einem regionalen, bundesfinanzierten Naturschutzgroßprojekt. Die Diskussion verdeutlichte die Notwendigkeit einer frühzeitigen Einbindung landwirtschaftlicher Akteure, um Zielkonflikte zu vermeiden und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln.
Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Entwicklungen der EU-Agrarförderung ab 2028. Christian Gaebel, Referatsleiter Agrar- und Förderpolitik, stellte den aktuellen Stand der Diskussionen auf EU-Ebene vor. Die drohenden tiefgreifenden Veränderungen der bisherigen Förderstruktur, die Vielzahl politischer und finanzieller Einflussfaktoren sowie der vom DBV erarbeitete Kriterienkatalog zu notwendigen Korrekturen der Kommissionsvorschläge machten deutlich, dass die anstehenden Verhandlungen in Brüssel einen langen Atem, Fachkompetenz und Hartnäckigkeit erfordern werden.
Abgerundet wurde der DBV-Besuch durch den Beitrag von Roger Fechler, Referatsleiter Vieh und Fleisch. Er präsentierte die bundesweiten Bestandsentwicklungen in der Tierhaltung vor und nach der politischen Wende. Dabei zeigte er auf, wie stark die Tierhaltung gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen unterliegt und wie sich diese über ökonomische Zwänge bis hin zu konkreten Anforderungen im Stallbau auswirken.
Zweites Ziel der Exkursion war das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Das weitläufige Gelände mit seinem eindrucksvollen Ensemble aus historischen und modernen Gebäuden präsentierte sich in winterlicher Atmosphäre. Dr. Tobias Conradt empfing die Gruppe im sogenannten Kleeblatthaus, in dessen Zentrum ein Hochleistungsrechner zur Klimamodellierung untergebracht ist.
In seinem Vortrag stellte Dr. Conradt ausgewertete Klimadaten speziell für die Regionen der beteiligten Kreisverbände vor. Anhand von Modellrechnungen zeigte er mögliche zukünftige Veränderungen pflanzenbaurelevanter Kenngrößen wie Sonnenscheindauer, Niederschlagsmenge sowie deren jahreszeitliche Verteilung auf. Daraus leitete er potenzielle Anpassungsstrategien für Fruchtfolgen und deren Neuausrichtung ab. Die Ausführungen verdeutlichten, dass Klimaanpassung in der Landwirtschaft zunehmend eine regionale und betriebsspezifische Betrachtung erfordert.
Die Teilnehmer bewerteten die Exkursion insgesamt als informativ, impulsgebend und gewinnbringend. Die fachlichen Diskussionen wurden bereits auf der Heimfahrt nach Thüringen intensiv fortgeführt und setzten sich in den folgenden Tagen weiter fort. Der organisatorische Aufwand hat sich gelohnt – denn Reisen bildet, insbesondere im Dialog zwischen Praxis, Politik und Wissenschaft.